Während des Pferdewechsels nahmen sie, im Garten auf dem Boden gelagert, neugierig überwacht von einer Anzahl Beduinenkinder, das frugale Mahl ein, das sie sich mitgebracht hatten.
Wie uns diese beiden um unsere Reiseart beneideten! Sie hatten nicht im entferntesten geahnt, welcher Tortur sie sich aussetzten, als sie sich dieser Wüstenequipage übergaben. Kaum ein Viertel des Weges hatten sie hinter sich und fühlten sich schon so zerschlagen und gerädert, daß es ihnen fast eine Unmöglichkeit dünkte, noch den weiten Rest in derselben Weise zurücklegen zu können.
Aber der Kutscher knallte mit der Peitsche, zum Zeichen, daß alles zur Abfahrt bereit sei, und ergeben stiegen sie wieder ein in das kleine Gefängnis, das jede Poesie, jede Möglichkeit eines Genusses zunichte machte.
Schon nach wenigen Minuten war der Wagen entschwunden. Er hatte sich mit dem Boden verschmolzen, die unendliche Weite hatte ihn aufgesogen.
Ein unartikuliertes Schreien, wild und schmerzvoll zugleich, riß uns aus unserer Beobachtung. Der Richtung folgend, erblickten wir eine Szene, die es wert gewesen wäre, von einem Künstler festgehalten zu werden.
Zwei der Pferde, mit denen das Temperament wieder einmal durchgegangen war, hatten sich freigemacht und maßen nun auf dem weiten, leeren Hofe der Bordj ihre Kräfte aneinander. Hoch auf den Hinterbeinen aufgerichtet standen sie, mit fliegenden Mähnen, blitzenden Augen, Schaum vor dem Maule, eines in den Hals des anderen verbissen. Laut stöhnend vor Schmerz und Wut.
Fast bedauerte man, das Bild stören zu müssen, in dem sich ungebändigte Kraft und Wildheit so prachtvoll verkörperten.
Nachdem die beiden vor Aufregung bebenden Tiere auseinandergebracht waren, besahen wir uns die Bescherung. Die Stirnbänder waren zerrissen, die Zügel hingen in Fetzen herab. Als Ali und Muhamed mit der Karawane eintrafen, mußten sie den Schaden, so gut es in der Eile ging, mit Stricken reparieren.
Bis nach Chegga hatte uns zur Linken in duftiger Ferne die scharf konturierte Kette des Atlasgebirges begleitet. Nun ließen wir auch dieses hinter uns. Und nur der weite Horizont begrenzte von jetzt ab den Blick.