Unsagbar eintönig wirkte die Strecke, die wir an diesem Tage durchmaßen. Ein wellenförmiges Gelände. Kein Baum, kein Strauch, der die Linie unterbricht. Der Boden so hart und steinig, daß nicht einmal das bescheidene Wüstengras genügend Nahrung findet und die verkümmerten Sternblümchen, die hin und wieder auftauchen, wie verzweifelt aus ihren hellen Augen schauen.

Am Horizont erscheint ein langer dunkler Streifen, der sich in einzelne schwarze Punkte auflöst. Es ist eine Kamelherde, die wir bald überholen. Ein Tier schreitet hinter dem anderen. Lautlos, langsam, gewichtig. Keines wendet den Kopf. Aber mit ihren großen dunklen, vielsagenden Augen betrachten sie uns aufmerksam von der Seite. Erschrocken und hilfesuchend eilen die grotesken, unerfahrenen Jungen in die Nähe der Mütter. Ein bissig aussehender Köter rast hin und her, als ob er seine Schutzbefohlenen zählte. Lautlosen und langsamen Schrittes, wie seine Tiere, folgt rosenkranzbetend der magere, sonngebräunte Nomade.

Nomadenleben

Alles wird in dieser tödlichen Einöde zum Ereignis, prägt sich dem Bewußtsein in ungewöhnlicher Schärfe ein.

Just als die Sonne sich zum Abschiednehmen rüstete und den unfruchtbaren Boden wieder mit all ihren märchenhaften Farben tränkte, tauchte die kleine Bordj Stil vor uns auf. Nicht weit davon lagerte unsere Karawane. Sie war längst vor uns eingetroffen, da sie an diesem Tage nur kurze Mittagsrast gehalten und ihren Marsch gleich danach fortgesetzt hatte. Die Zelte standen bereits, die Maulesel steckten mit den Nasen schon tief im Futter, Salem hockte wie ein Gnom zwischen allerhand geöffneten Büchsen in seinem Küchenzelt, und im Kreise um das Feuer geschart, über dem der Kuskustopf brodelte, saßen mit ernsten Gesichtern die Kabylen. Schweigend, mit einer Art Andacht, warteten sie auf den Augenblick, wo der Inhalt des Topfes in die große, flache hölzerne Schüssel geschüttet wurde, aus der sie gemeinsam aßen. Einige waren in der Zivilisation schon so weit gekommen, daß sie einen Löffel benutzten, andere gebrauchten statt dessen das ihnen von der Natur gegebene Instrument, ihre fünf Finger. Jeder fischt sich ein Stück Fleisch heraus, das er vor sich auf den Boden legt und von dem er ab und zu einen Bissen abreißt. Die Schüssel wird so leer gegessen, daß man es nicht für nötig hält, sie noch auszuwaschen. Wer einen Löffel besitzt, verbirgt ihn in seiner Gandura. Es ist wohl kaum möglich, die Lebensgewohnheiten noch mehr zu vereinfachen. Aber der Reichste der Welt kann nach dem köstlichsten Mahle nicht befriedigter sein als diese Berberenkel nach ihrem Kuskusgericht, wenn das Stück Hammelfleisch darin nur reichlich bemessen war.

Spät am Abend bekamen wir zu unserer großen Überraschung noch Nachbarn. Eine Nomadenfamilie stellte ihr niedriges Zelt hart neben den unseren auf. Es lag ein großer Reiz für uns darin, diese Wandervögel der Wüste so dicht bei uns zu haben, aus solch unmittelbarer Nähe beobachten zu können, wie jeder seine Arbeit verrichtete, fast ohne ein Wort zu verlieren, wie der Mann drinnen im Zelt der Sitte gemäß allein sein Essen verzehrte, während die Frau mit den beiden Kindern draußen darauf wartete, den Rest zu erhalten, den er ihnen übrigließ.

Jussuf aber blickte auf die enge Nachbarschaft mit etwas scheelen Blicken. Aus einem tiefgewurzelten Mißtrauen heraus ordnete er an, daß die Wache während dieser Nacht verdoppelt werden sollte.

In der Frühe fanden wir die Stelle neben uns leer. Ohne eine Spur zu hinterlassen, wie die Vögel in den Lüften, waren unsere nächtlichen Anwohner verschwunden.

Bald nach dem Aufbruch an diesem Morgen erreichten wir Kef-el-Dohr, einen Hügelrücken, der, von Osten nach Westen laufend, den Weg nach dem Süden zu sperren schien. Auf der Höhe angelangt, standen wir wie gebannt, stumm vor Erstaunen und Verwunderung: Zu unseren Füßen weitete sich ein herrlicher See; auf den hochgehenden Wellen glitten große Dampfschiffe dahin, zahlreiche Segelboote kreuzten, kleine Fahrzeuge bahnten sich dazwischen ihren Weg. Hohe, schlanke Pappeln säumten das Ufer, und wunderschöne Villen ruhten halbversteckt unter mächtigen Palmen, deren Kronen sich im Winde wiegten. Ein feiner silbriggrauer Dunst lag über dem entzückenden Landschaftsbilde.