An diesem Nachmittag hielten wir uns mit der Karawane. Das Ziel, das wir uns gesteckt hatten, war kein allzu entferntes, und aller Berechnung nach mußten wir es so zeitig erreichen, daß es nichts weiter verschlug, auf die Aufstellung der Zelte warten zu müssen.
Es war zur Abwechslung auch ganz amüsant, mit dem Troß zu gehen, Menschen und Tiere zu beobachten.
Wie mühelos doch die Kabylen ihres anstrengenden Weges zogen! Von der ersten bis zur letzten Minute in demselben leichten, federnden Schritt. Eine ernste, schweigsame Rasse. Nur selten wechselten sie ein Wort miteinander.
Aber Muhamed, der ewig Lebhafte, der bis in die Fingerspitzen vor Übermut Strotzende, konnte solches Schweigen nicht lange ertragen. Er stimmte ein Lied an, das heißt er sang zwei Strophen, und der Chor erwiderte mit einem Refrain. Immer neue Verse improvisierte er, in denen meist die Schönheit eines Weibes gepriesen wurde. Und immer antwortete der Chor in derselben Weise.
Es ist ein eigenartiger, etwas näselnder Gesang, in seinem stoßweisen Rhythmus ganz verschieden von dem, was wir unter Melodie verstehen. Aber es liegt doch ein großer Reiz darin, nachdem das Ohr sich einmal damit befreundet hat.
Gab es endlich gar nichts mehr zu preisen, dann tummelte Muhamed seinen armen Maulesel, als ob er das rassigste Vollblutpferd zwischen den Schenkeln hätte.
Und nach diesem Intermezzo gab er wieder Hochzeitslieder zum besten, die gewöhnlich mit wilden Schreien und einem Lärm endigten, als ob Feuerwerkskörper losgelassen würden. Mit viel Temperament vereinigte sich bei ihm ein großes Geschick. Kein Wunder, daß bei allen Festlichkeiten Muhamed als der begehrteste Sänger und Spaßmacher galt.
Aber so unermüdlich er in der Ausführung all dieser Dinge war, ebenso unermüdlich ging er allem, was Arbeit hieß, aus dem Wege. Sollten nach der Ankunft die Pferde gestriegelt werden, was zu seinen Pflichten gehörte, so war er sicher nirgends zu finden. Als ob die Wüste ihn verschlungen hätte. Aber sobald ein anderer die Arbeit besorgt hatte, tauchte Muhamed wieder auf, lächelnd, ganz erstaunt, daß für ihn nichts mehr zu schaffen übriggeblieben.
Groß, schlank und biegsam gewachsen, mit einem regelmäßig geschnittenen, vornehmen Gesicht, dunklen, ausdrucksvollen Augen und einer feingeformten Adlernase, verkörperte er in vollkommenster Weise den schönen arabischen Männertyp; aber in seinem ganzen Wesen war er nichts anderes als ein liebenswürdiger, übermütiger Junge, der es in naivem Egoismus verstand, dem Leben stets die leichteste Seite abzugewinnen.