Das Essen konnte man an diesem Abend nicht genießen. Es war derartig mit Sand durchsetzt, daß man nur diesen zwischen den Zähnen fühlte. So kamen als Ersatzgericht die Datteln wieder zu ihrem vollen Rechte. Bis lange nach Mitternacht tobte der Sturm. Durch die schmalen Ritzen der Holzläden, mit denen die Schießscharten verschlossen waren, drang der Sand in Menge in den Schlafraum, und ehe wir am Morgen ins Freie gelangen konnten, mußten die Leute erst einen Sandhügel wegschaffen, der die auf den Hof führende Türe verrammelte.

Nicht selten werden Reisende durch den Sturm tagelang an die Bordj gefesselt. Doch wir hatten Glück. Ein strahlender Morgen kam herauf. Und frühzeitig machten wir uns auf den Weiterweg. Wie verklärt lagen die Dünen. In einer Verklärung, die zur Freude und zur Andacht stimmte.

Bordj Ferdjane

»Das Land des Lichts« nennt der Araber seine Heimat, und er könnte keine bessere Bezeichnung finden. Denn hier lebt das Licht, hier schafft es Wunder, hier gibt es allein die Schönheit. Nur dem Licht dankt das tote, fahle Sandmeer seinen immer wechselnden Farbenzauber, der die Sinne des Wanderers umschmeichelt und ihn über die fürchterliche Öde hinwegtäuscht, in der er sich befindet. Erst gegen Mittag mit dem Höhersteigen der Sonne muß der warme Goldton, das Erikarot, das gedämpfte Violett, das zarte Graublau, die einander ablösen, dem lichten Silbergrau weichen, das so lange die Herrschaft übernimmt, bis in den Nachmittagsstunden das unvergleichliche Farbenspiel von neuem beginnt und erst bei Sonnenuntergang in glühenden Tönen erlischt.


Trotz der schweren Strapazen des vorhergegangenen Tages befanden sich Menschen und Tiere wieder in voller Frische. Es muß an der unvergleichlich reinen, trockenen Luft der Wüste liegen, daß Erschöpfung so rasch überwunden und bei allen Beschwerlichkeiten die Energie erhöht wird.

In der Mittagsstunde erreichten wir die Bordj Mouiat el Kaid, in der wir Rast hielten, und am Abend langten wir an der Bordj Ourmas an. Die Dünen wuchsen auf dieser Strecke zu enormer Höhe empor, und der Marsch hatte wiederum große Anforderungen an Kraft und Ausdauer gestellt. Aber alles war gut gegangen. Nur unser kleiner Wassermann – so titulierten wir das schmächtige Eselchen, das die beiden Wasserfässer trug – bereitete uns Unruhe. Er warf sich auf die Erde, verdrehte die Augen und tat ganz so, als ob er von seinem arbeitsreichen Leben für immer Abschied nehmen wollte. Sobald man ihn seiner Last entledigt hatte, erholte er sich aber und trabte mit der Karawane weiter. Einige der Kabylen behaupteten, er sei ein Schauspieler und wollte sich nur einen bequemen Tag verschaffen. Aber dann spielte er seine Rolle wirklich sehr geschickt, denn sobald die Rede davon war, ihn wieder zu seiner Pflicht zurückzuführen, wiederholte er die effektvolle Szene. Am Abend betätigte sich Jussuf als Arzt: er gab dem Patienten eine tüchtige Dosis Schrot ein. Und das Mittel half. Am nächsten Tage war unser kleiner Wassermann wieder völlig kuriert.


Schon in aller Frühe herrschte lebhafte Unruhe im Lager. Das Bewußtsein, in einigen Stunden El-Oued zu erreichen, elektrisierte einen jeden, regte zu rascherer Arbeit an. Bald waren die Tiere beladen und die Karawane in Fluß. Wir befanden uns in doppelt gehobener Stimmung, denn wir saßen nun wieder auf dem Rücken unserer Pferde.