Alle Ehre den braven, wackeren Mauleseln! Sie sind gewiß klug genug, um zu wissen, daß das Reiten auf ihnen gerade kein Vergnügen genannt werden kann, und betrachteten uns darum hoffentlich nicht als undankbar, weil wir ihnen bei der ersten passenden Gelegenheit die Treue brachen.
Noch immer waren wir zwischen den Dünen. Aber sie glichen Bergen in ihrer kolossalen Größe. Da dies ein gleichmäßigeres Marschieren mit sich brachte, wurde das Vorwärtskommen auch für die Pferde ganz bedeutend erleichtert.
Mit der Zeit wichen die Hügel immer weiter auseinander und öffneten den Blick auf eine Ebene, die einem ausgetrockneten Seebette glich. Mitten darin breitete sich in seiner ganzen Stimmungslosigkeit ein Friedhof aus. Wenige Minuten später hielten wir vor den grauen Stadtmauern, die sich selbst in kurzer Entfernung vom Erdboden nicht unterscheiden lassen.
El-Oued ist die größte von allen im Soufgebiet gelegenen Oasen, mit einem ganz eigenen, charakteristischen Gesicht, die Stadt so licht, so schweigend und so fleckenlos wie die unermeßlichen Dünen, in die sie gebettet liegt. »Die Stadt der tausend Kuppeln«, wie der Eingeborene sie nennt, denn alle Häuser zeigen die gewölbten Dächer, die dem Sand keinen Halt bieten, auch wenn der Sturm in seinem Zorn noch so große Mengen darüber ausschüttet. Ein mattes, leicht patiniertes Weiß ist die allein herrschende Farbe: die Häuser, die Moscheen, die auf luftigen Säulen ruhenden Markthallen, alles zeigt denselben zarten Anstrich.
El-Oued mit den Dünen im Hintergrunde
Wenn die untergehende Sonne die weiße Stadt in warme Purpurfarbe kleidet, erwacht sie für kurze Zeit aus ihrer lächelnden Ruhe: auf dem weiten Marktplatz spazieren die Männer, durch die engen, gewundenen, von hohen Mauern begrenzten Gassen, wo der Fuß im weichen Sande versinkt, huschen verschleierte, nach Moschus duftende Frauen, und an den Brunnen finden sich junge Mädchen ein, die mit unbeschreiblicher Anmut ihre bunten Lumpen und mit vollendeter Grazie die Amphora auf dem Rücken oder der Schulter tragen.
Nicht minder merkwürdig als die Stadt sind die versunkenen Gärten, die draußen vor den Toren liegen. Um das Wasser des Oued Souf – der wie der Oued Rir tief unter der Erde seine Bahn verfolgt – nutzbar zu machen, werden ungeheure trichterförmige Höhlungen ausgegraben und auf deren Grund die Dattelbäume angepflanzt. So erhält die Palme das, was sie nach Ausspruch der Saharabewohner am meisten liebt: sie steht mit den Füßen im Wasser und hat das Haupt im Feuer des Himmels. Aber während diese beiden Mächte sonst so ziemlich alles allein schaffen, ist die Mithilfe des Menschen in den Gärten von El-Oued unerläßlich, und voll Staunen und Bewunderung blickt man auf seine Arbeit. Mit dem Aushöhlen des Bodens und dem Anpflanzen der Bäume ist es längst nicht getan. Ununterbrochen heißt es das Gebiet verteidigen, indem während jeder Nacht der Sand wieder heraufgeschafft wird, den der Wind ohne Unterlaß in die Tiefe weht. Geschähe das nicht, so wäre nach wenigen Tagen das Getreide, der Tabak, das Gemüse, kurz alles, was man unter den Bäumen anpflanzt, begraben, und nach einigen Wochen die Palmen bis zur Krone im Sande erstickt. Und die Gärten lohnen die unendliche Mühe und Geduld, die an sie verwandt wird, denn die Datteln des Soufgebietes gelten für die besten im ganzen Lande.