[236] Vgl. zum weiteren p. XXXVIII ff.

[237] Auch das Kind Enorches war aus dem Ei zur Welt gekommen (siehe das Scholion zu Lykophron v. 212). Ein höchst merkwürdiges Vasenbild zeigt uns auf einem Altar ein großes Ei liegend, darin ein munteres kleines Kind, ohne Flügel, das lebendig ans Tageslicht verlangt: eine Frau steht davor und betrachtet es neugierig oder erwartungsvoll. Es scheint mir nach allem Gesagten nicht nötig, mit E. Braun (in Annali dell’ Istituto 1850, p. 214 ff.) die Erfindung dieses Bildes aus einem bestimmten Mythus herzunehmen. Weiteres über das Ei der Leda bei R. Kekulé, Bonner Festschrift für das römische Institut 1879.

[238] Die Beflügelung war hier nicht kühner als bei jenen großgeflügelten Mädchengestalten bei Helbig a. a. O. Nr. 926–937, die als „freie Produkte der Phantasie ohne Anspruch auf mythologische Benamung lediglich künstlerische Motive zur Darstellung bringen.“

[239] Vgl. p. XXI f.

[240] Auch Phosphorus erscheint als „Amorette“ fliegend; vgl. Wörmann, Landschaft in der alten Kunst, S. 241; auch S. 264. Auch die Jahreszeiten sind so dargestellt: ebenda S. 258; auch Zephyr bei Philostrat, Gemälde I, 9.

[241] Vgl. p. XXII; so auch Archäologische Zeitung 1848, Tafel XXIII, Nr. 1; vgl. auch Tafel XXII, Nr. 4.

[242] Ein Muster allegorischer Auslegung gibt der antike Sophist und kunstreiche Gemäldebeschreiber Philostrat in seiner berühmten Schilderung des Erotenbildes; daß ganz vorzüglich diese Philostratstelle auf die Amorettenerfindungen Rafaels, Dürers, Tizians Einfluß geübt, suchte H. Grimm darzutun: Fünfzehn Essays, neue Folge (1875), S. 102 ff. Jenes Bild mit seiner überfüllten Komposition, das Philostrat beschreibt, hat sichtlich nur in seiner Einbildung bestanden; er hat darin eine Fülle von Amorettenmotiven, die in Wirklichkeit verstreut vorkamen, zusammengehäuft, und in dieser Kombination zu einem Ganzen lag der Witz, lag der Reiz für den antiken Leser. Hier bei Philostrat finden wir es zuerst ersonnen, daß die Amoren (außer dem einen) nur Kinder von Nymphen sind; und sie sind so viele, „weil die Begierden der Menschen so mannigfaltigem nachstreben“. Zusammen von diesen Nymphen und diesen Eroten wird ein Götterbild der Aphrodite verehrt; die Kleinen halten Apfelernte, um der Göttin Äpfel, die Frucht, die ihr symbolisch eignet, darzubringen. Sie jagen einen Hasen, um ihn ihr lebendig als Opfertier zu weihen; es ist das Tier der Venus und der Fruchtbarkeit. Weiter aber: „Vier der allerschönsten! Das eine Paar wirft sich Äpfel zu, das andere schießt mit dem Bogen aufeinander; .... sie bieten die Brust den Pfeilen dar. Da will uns der Maler etwas zu raten aufgeben. Ob wir es wohl herausbringen? Das soll Liebe und Sehnsucht bedeuten. In denen dort, die mit den Äpfeln spielen, regt sich das erste Verlangen. Der eine küßt einen Apfel und wirft ihn dem anderen zu, und der ... wird ihn wieder küssen und zurückwerfen. Die beiden Bogenschützen aber treiben mit den Pfeilen die schon erwachte Liebe tief in ... die Herzen hinein. Und so sage ich: jene dort spielen mit der Liebe zum Beginn, diese hier geben ihr ewige Dauer.“ Man sieht, Philostrat hat mit Sorgfalt vor allem solche Szenen in sein Gemälde gesammelt, die allegorisch deutbar waren, wo die Eroten als Eroten „Sinn“ hatten. Bei anderem, wie bei ihrem Ringkampf, verzichtet er hübsch auf solches Auslegen, und bei den unten von mir zu besprechenden Genreszenen würde er erst recht darauf verzichtet haben. Überhaupt war es augenscheinlich schon eine Leistung, zu der ein Philostrat seine sophistischen Künste benötigte, auch nur jenen erotischen Bezug des Apfelküssens, Bogenschießens und Hasenjagens herauszugreifen und festzulegen. Es sind dies einige von den wenigen Fällen, wo die geflügelten Spielkinder noch wirklich ihrem Namen zu entsprechen schienen. Und man fragt schließlich verwundert: wozu hießen sie eigentlich noch Eroten? was hatten Kinder von Nymphen im Grunde noch mit Venus, mit der Liebe wirkenden Macht zu tun? Man sieht, die ganze Konstruktion Philostrats von den Nymphenkindern und ihrem Kultus des Venusbildes ist nachträglich und willkürlich ersonnen. Auch beachte man, daß diese Kinder bei ihm die Liebe der Menschen gar nicht entzünden; sie lieben nur untereinander. Das konnten schließlich auch die wirklichen Deliciae tun, und das Erotenspiel ist auch hier beim Philostrat nur eine Nachahmung des Menschenlebens, keine Beeinflussung desselben.

[243] Furtwängler bei Roscher, Mythol. Lex. I, S. 1368.

[244] Vgl. p. XXII, Anm. 3.

[245] Vgl. p. XXII und die Statuette daselbst Abbildung VI; Helbig, Führer, 3. Aufl. Nr. 1556.