[310] Dies habe ich in den Neuen Jahrbüchern XXVII, S. 596 ff. näher ausgeführt.

[311] Man muß sich klar machen, daß sich an den Kaiser — wie heute etwa an den Papst — direkte Ermahnungen nicht richten ließen; das einzig mögliche Erziehungsverfahren war, dem Allmächtigen die guten Eigenschaften zuzuschreiben, die man von ihm forderte; daher sagt Seneca selbst Epist. 94, 39, daß die laudatio eine Gattung der monitio sei; eben dasselbe sagt uns auch schon Cicero ad fam. XV, 21, 4; später Julian p. 254 B u. C; Apollinaris Sidonius Epist. VIII, 10; vgl. auch Cic. ad Quintum fratrem I, 1, 7 und 18.

[312] Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 348.

[313] Man kann gut sein, auch ohne physisch tapfer zu sein; dies sagt Seneca nicht, aber es liegt dem Satz: L. Bibulus melior quam fortior vir (Ad Marciam 4, 2) zu Grunde.

[314] De ira II, 32.

[315] De constantia 12, 3; De ira I, 16.

[316] De ira II, 33; den Freimut gegen einen Sejan preist Seneca (ad Marciam 22, 4 f.), der gegen den Kaiser scheint ihm unmöglich.

[317] Das aeger nervis steht bei Tacitus 15, 45. Über sein Herzleiden redet Seneca Epist. 26, 54, 58. Aber schon in der Schrift De constantia (16, 4), also etwa 45jährig, schildert er sich selbst als kahlköpfig, schwachsichtig, mit dünnen Hüften und auffälliger Statur; denn man wird diese Schilderung doch wirklich auf ihn beziehen müssen. Eine Büste Senecas (in Berlin) zeigt ihn uns kurzhalsig und kahlköpfig.

[318] Mens serena: De clementia 2, 5, 4.

[319] Nero hatte armenische Gesandte empfangen; Agrippina kam, als sie das hörte, herbei und wollte den kaiserlichen Haut-pas ersteigen. Ehe sie dies konnte, ging ihr Nero auf Senecas Wink entgegen und hielt sie mit einer Begrüßung auf, und die Audienz wurde abgebrochen und verschoben. Agrippina kam nicht wieder: Tacit. Ann. XIII, 5; Waltz S. 204.