[320] Agrippina hatte eigenmächtig, als wäre sie jetzt Kaiser, den verstorbenen Kaiser Claudius zum Gott erhoben. Senecas Satire legt die Sinnlosigkeit dieser Apotheose dar, indem sie nicht nur mit gröblichem, aber siegreichem Witz über die geistige Impotenz des Claudius herfällt, sondern vor allem dem Groll und der Empörung über seine Schandtaten und Justizmorde Worte leiht. Agrippina selbst wird in der Schrift totgeschwiegen; jeder Leser merkte, daß ihr Verfahren das Ziel des Angriffs war. — Der überlieferte Titel Apotheosis ist natürlich richtig. Die Bezeichnung Apocolocyntosis beruht auf falscher Kombination, die auch heute noch gilt, weil gefeierte Gelehrte sie hingenommen haben. Apocolocyntosis heißt „Verwandlung in einen Kürbis“. Daß der Mensch, wenn er gestorben ist, in Tiere oder Pflanzen verwandelt wird, ist jedoch eine ausschließlich pythagoräische Vorstellung, von der die vorliegende Satire nichts weiß und die zu der unterweltlichen Szene, die sich an ihrem Schluß abspielt, durchaus nicht paßt. Es ist also gedankenlos, anzusetzen, eine solche „Verkürbsung“ sei an ihrem Schluß glatt weggefallen. Die Satire ist vollständig.

[321] Patriae tutor und amicorum propugnator, De vita beata 15, 4. Der Ausdruck tutor stammt hier aus Ciceros Schrift De republica II, 51. Seneca kannte diese Schrift genau.

[322] Schon ad Marciam äußert er diese Augustusverehrung programmatisch; oben [Anmerkung 307].

[323] Seneca sagt mit Genugtuung von sich selbst, daß keinem Bürger durch ihn, trotz seiner Machtstellung, die Rechte verkümmert seien; nullius per me libertas deminuta (est), De vita beata 20, 5.

[324] Auf die accusandi rabies, die unter Tiberius herrschte, blickt Seneca jetzt, Benef. 3, 26, 1, als auf etwas Fernstehendes zurück.

[325] Schon ad Marciam 16, 2 steht: Bruto libertatem debemus, d. h. die alte durch Brutus erworbene Freiheit besteht noch; so besteht denn auch die libera civitas unter Senecas eigener Staatsverwaltung, De benef. 2, 12, 2; optimus civitatis status sub rege iusto, ib. 2, 20, 2.

[326] Freilich keine Aufhebung der Kornverteilungen in Rom (De benef. 4, 28, 2), an die überhaupt nicht zu denken war.

[327] Admodum aequa, Tacit. 13, 51. Daher war auch noch im Jahre 62 der Stand der Finanzen befriedigend, Tacit. 15, 18; Waltz S. 411.

[328] Diesen Sinn hat es, wenn der Kaiser, d. h. Seneca, im Jahre 55 den Provinzialverwaltern verbietet, in den Provinzen Spiele zu geben, mit denen sie das Publikum für sich günstig zu stimmen pflegten: Tacit. 13, 31.

[329] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 317 „Zur Phylenordnung Alexandrias“.