[330] Von dem Gros der ägyptischen Bevölkerung, den sogenannten λαογραφούμενοι wurden die zahlreichen Anwohner griechischer und römischer Abstammung, von denen besonders Alexandria erfüllt war, gesondert. Daß die Namen der letzteren, der ἐπικεκριμένοι, in besonderen Listen, τόμοι ἐπικρίσεων, geführt wurden, beginnt aber wiederum im Jahr 54 auf 55; s. Paul M. Meyer, Das Heerwesen der Ptolemäer und Römer in Ägypten, Leipzig 1900, S. 116–122.
[331] Er besuchte als jüngerer Mann in Ägypten seinen Oheim, C. Galerius, der dort 16 Jahre lang an der Spitze der kaiserlichen Verwaltung stand (Genaueres hierüber Revue de philol. 1909, S. 173–177); weiteres oben [Anm. 267] und über Senecas Beziehungen zu Ägypten und zu Claudius Balbillus im Jahre 55 Nipperdey zu Tacit. 13, 22. Auch noch in seinen letzten Lebensjahren hatte Seneca persönlich geschäftliche Interessen in Alexandria: quis illic esset rerum mearum status, überlegt er, als er Handelsschiffe von dort einlaufen sieht, Epist. 77, 3, wo res meae nicht auf Geldgeschäfte, sondern auf Grundbesitz sich bezieht; denn Seneca hatte dort tatsächlich Grundbesitz (s. oben); status aber heißt „Wohlstand“.
[332] θεοῦ διάκονος εἰς τὸ ἀγαθόν.
[333] Vgl. hierzu Rhein. Museum 69, S. 383.
[334] Thyest. 213. Aussprüche über Tyrannei finden sich Oed. 699 ff., 520 ff.; Phoen. 654 f.; Med. 195 f.; Phaedr. 490 f.; Agam. 995 usf. Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 350 f.
[335] Es scheint, daß das vierte Buch De beneficiis von Agrippinas Ermordung noch nichts weiß, also früher fällt; denn die Stelle IV, 31, 2 blickt auf die Bluttaten Caligulas in einer Weise zurück, als biete die Gegenwart nichts Ähnliches.
[336] Daß sich Seneca in De beneficiis an ein großes Publikum richtet, zeigen solche Wendungen wie si quis existimat (I, 15, 1); nemo haec ita interpretetur (I, 14, 2); die Anrede vos, vobis (IV, 13, 1). Er selbst ist praeceptor, praecipit, er gibt monitiones (I, 15); aber er redet dabei zu dem Durchschnittsmenschen, nicht zum vollkommenen Weisen (II, 18, 4). In bezug auf die Sklavenfrage will er den Übermut der menschlichen Gesellschaft zerstoßen, contundere insolentiam hominum (III, 29, 1).
[337] Seneca sagt von sich, daß er die societas generis humani sancit, d. h. das soziale Wirken zum unverbrüchlichen Gesetz erhebt, De benef. 1, 15, 2; über die societas auch 4, 18, 2 f.
[338] Gegen die griechische Behandlungsweise der Wohltätigkeitslehre, z. B. die des Chrysipp, die mehr spitzfindig als praktisch, wendet er sich Benef. I, 3 und 4. Chrysipp ist magnus vir, sed Graecus. Damit ist er für den Praktiker schon verworfen. Was sollen z. B., heißt es, die albernen Redereien über die drei Grazien? Damit ist nichts gewonnen. So weicht denn auch Ton und Ausführung in De beneficiis I-IV von Senecas älteren Schriften De ira und De constantia, die noch mehr den griechisch-sophistischen Geist zeigen, wesentlich ab. In den Büchern V-VII De beneficiis gibt Seneca nur einen Anhang, und in ihnen herrscht gelegentlich wieder mehr der sophistisch schulmäßige Ton.
[339] Römerbrief 13, 9: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς ἑαυτόν, ἡ ἀγάπη τοῦ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται.