[350] De vita beata 23, 5. Auch Epist. 120, 8 tadelt er: multi sunt qui non donant, sed proiciunt. Genaueres über die Art seiner Wohltätigkeit De v. beata 24.

[351] Seneca brachte also der Staatsraison zuliebe ein Gewissensopfer. Wer das beurteilen will, muß seinen Grundsatz kennen, den er wie für diesen Konfliktsfall vortrefflich so formuliert hat: facit (lies faciet) sapiens etiam quae non probabit, ut etiam ad maiora transitum inveniat, nec relinquet bonos mores, sed tempori aptabit et quibus alii utuntur in gloriam aut voluptatem, utetur agendae rei causa. Dies stand in seinen Exhortationes (Lactanz Inst. III, 15, 14), die gewiß auch in Senecas Spätzeit fallen.

[352] Ja, nach weit verbreiteter Anschauung ist der Kaiser selber Gott; der Kaiser Augustus ist der, qui dis genitus et deos geniturus dicatur, Seneca ad Marciam 15, 1.

[353] Kaiser Claudius war, nach Seneca, wie die Fortuna, die leicht zur mala fortuna wird (benef. 1, 15; 6). Straft der Kaiser einen Unschuldigen, so muß man es hinnehmen: rex ... si innocentem (punit), cede fortunae (De ira 2, 30). Man kann sich nicht einmal gegen die Geschenke eines tyrannischen Herrschers wehren: diesen Satz veröffentlicht Seneca, benefic. 2, 18, 6, nachdem er selbst von Nero wider seinen Willen mit Reichtümern überschüttet war.

[354] Es ist nicht wahr, daß Seneca De benef. 7, 20, 3 die Möglichkeit der Ermordung Neros zugesteht; Seneca sagt dort nur: den wahnsinnig gewordenen Tyrannen soll man beseitigen, und denkt dabei nicht an Nero, der trotz seiner Exzesse durchaus nicht als geisteskrank galt, sondern nur an Caligula zurück, der als wirklicher furiosus, d. h. im Irrsinn endete; dessen Beseitigung wird auch De brev. vitae 18, 6 gebilligt, und beide angezogenen Stellen erklären sich gegenseitig.

[355] Wo Seneca in diesen Jahren den Nero erwähnt (in den Briefen tut er es nie), zeigt er sich sehr zurückhaltend; s. Nat. quaest. VI, 17 und 21. Eine Höflichkeit liegt darin, daß er einmal einen geschickten Vers Neros mit Anerkennung zitiert (ib. I, 5, 6). Wenn sich endlich ib. VI, 8, 3 eine lobende Äußerung, insbesondere über Neros veritatis amor, findet, so handelt es sich dort um die von Nero veranstaltete Expedition nach den Nilquellen; Seneca quittiert für diese Unternehmung mit Dank; denn es kann kein Zweifel sein, daß Nero mit ihr einer Anregung Senecas selbst entsprochen hatte. So teilt Seneca denn auch ihr Ergebnis mit. Vgl. oben [Anm. 272].

[356] Nämlich zunächst bei Tacitus. Mutmaßlich ist aber schon in dem Werk des C. Fannius über die exitus occisorum unter Nero, das unfertig blieb, aber bis zu drei Büchern gedieh (Plin. epist. 5, 5), auch Senecas Tod erzählt worden. Vielleicht ist die Schilderung des Tacitus davon abhängig. Wir haben keineswegs nötig, nur an Fabius Rusticus als Quelle zu denken. Vgl. W. Schmidt, De ultimis morientium verbis, Marburg 1914, S. 12.

[357] Noch 50 Jahre später waren sie so bekannt, daß Tacitus sie zu zitieren für unnötig hält (Ann. 15, 63 u. 67). Hätte er es doch trotzdem getan!

[358] Tacit. Ann. 14, 55.

[359] Es ist das goldene quinquennium Neros: Aurelius Victor 5, 2; Epit. 5, 3; Waltz S. 243.