Aber das war nicht nur im Altertum so. Das Christentum hat darin keinen Wandel geschaffen. Das Obszöne gehörte zum Witz durch das ganze Mittelalter (man denke nur an die Fastnachtspiele); es machte sich auch im 16. Jahrhundert erschrecklich breit, ja es reicht noch weiter bis in unsere nächste Nähe. Erst das 19. Jahrhundert hat sich gründlicher davon gesäubert. Diese Dinge bilden ein Stoffgebiet für sich, das wir nicht übersehen dürfen. Wir stellen sein Vorhandensein fest, aber wir wollen nach Möglichkeit vermeiden, es zu betreten.

Drei Arten derjenigen Dichtkunst, die sich nicht in rein ernsthaftem Ton hält, lassen sich, wenn schon die Grenzlinien oft nicht scharf verlaufen, unterscheiden. Oft hat sie nur den Zweck der tendenzlosen Belustigung, was die Griechen u. a. Hilarodia (ἱλαρῳδία) nannten. Man soll nur sorglos lachen. Dahin gehören solche Sachen im Stil der Jobsiade wie der Margites der Griechen oder die Geschichte, wie Odysseus den Zyklopen übertölpelt; dann aber auch das ganze Gebiet der Travestie, die dabei leicht in das Schlüpfrige geht; man denke an Offenbachs Schöne Helena; und diese Spaßmacherei und Ulk wird schließlich kraß realistisch in der Gartendichtkunst der Priapeen.

Anders liegt die Sache beim persönlichen Angriff, wo sich die Bosheit regt. Das Lachen, das da entsteht, ist Schadenfreude, moralische Vernichtung der Zweck. Hier regt sich der Schimpf und greift zu allen Mitteln der Übertreibung und des Grotesken. So fiel schon Nävius über den großen Scipio her, Catull und Calvus über Caesar, Cicero über Antonius, Claudian über Eutrop, den allmächtigen Eunuchen am christlichen Kaiserhof. Tapfer ist es, wenn die Dichter sich dabei offen mit Namen nennen, und Nävius erntete für seine Angriffe Kerkerhaft, Antonius ließ Cicero köpfen. Am häufigsten waren dagegen anonyme Pasquille, die man an die Türen heftete und die das Volk durch die Gassen schrie, so die Verse über den Kaiser Tiberius:

Unhold bist du und hart. Um dir kurz, was ich meine, zu sagen:

Köpfen laß ich mich gleich, wenn eine Mutter dich liebt[402].

Oktavian, der Triumvir, war ein schlechter Feldherr. Die Militärs in Rom hatten ihren Spaß daran, wie kläglich es ihm im Seekrieg mit Sextus Pompejus bei Sizilien erging. Da ging der Vers um:

Beide Seeschlachten verloren!

Beide Flotten! Wie von Sinnen

Würfelt er jetzt täglich: „Lernt’ ich

Doch beim Knobeln das Gewinnen!“