Dieses »sehr große Buch« hieß Autographen-Album, war in rothen Maroquin gebunden und enthielt, in Facsimiles, die handschriftlichen Aufzeichnungen von mehr als tausend Personen, Celebritäten aus aller Welt Enden, zu elf Zwölftel natürlich Franzosen. Deutsche fast gar nicht. Ich gebe Einiges aus diesem Schatz. Die Personen, die jene Aufzeichnungen gemacht, theilen sich, wie mir scheinen will, in sieben Gruppen: die Historischen, die Ernsthaften, die Heiter-Graziösen, die Falsch-Bescheidenen, die Bequemen, die Geistreichen und die bedenklich Geistreichen.

Die Historischen. Den Reigen eröffnet hier Louis Napoleon selbst, mit einem am 5. Dezember 1848 geschriebenen Briefe. Es heißt am Schlusse desselben: Lorsque une révolution est dans le vrai elle produit de grands hommes et de grandes choses, lorsqu’elle est dans le faux elle ne produit que du bruit et des larmes. Das war drei Jahre vor dem Staatsstreich. Was lag alles dazwischen! Ich mußte unwillkürlich auch an die jüngste Phase französischer Entwicklung denken: Lorsqu’elle est dans le faux, elle ne produit que du bruit et des larmes. Neben diesen Zeilen des Vaters befindet sich eine leicht hingeworfene Federzeichnung Lulus: alte Troupiers, die auf Wache ziehen. Darunter in schöner, fast schon ausgeschriebener Handschrift: Louis Napoleon.

Das nächste Blatt bringt Folgendes von der Hand des Bürgerkönigs: J’abdique cette couronne que la voix nationale m’avait appelé à porter, en faveur de mon petit-fils le Comte de Paris. Puisse-t-il réussir dans la grande tâche qui lui échoit aujourd’hui. 24 Février 1848. Louis Philippe. Dies »aujourd’hui«, 23 Jahre vertagt, ist vielleicht heute.

Unmittelbar darunter: Soldati. Ciò che offro a quanti vogliono seguirmi eccolo: fame, freddo, sole, non pane, non caserne, non munizioni, ma avvisaglie continue, stenti, battaglie, marcie forzate e fazioni alla bajonetta. Chi ama la patriami seguite. Garibaldi. So schrieb er 1849. Der Zauber auch dieses Namens ist verblaßt.

Die Ernsthaften. La modestie est une grande lumière, elle laisse l’esprit toujours ouvert et le coeur toujours docile à la vérité. Guizot.

Le rationalisme! c’est l’homme fait Dieu à la place du Dieu fait homme. Molé.

Je ne puis refuser ma signature. Quant à la prose et aux vers, n’y comptez pas. J’adore Homère, Sophocle, Euripide, mais les ingrats ne m’ont rien révélé. J. Ingres.

Sancta Maria, mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc, et in hora mortis nostrae. Louis Veuillot.

Dieser Anruf an die heilige Jungfrau ist mir in einem Autographen-Album fast zu ernsthaft erschienen; das ostensive Karte-Abgeben als »Katholik quand même« verstößt gegen den guten Geschmack.

Viel beweglicher als diese Worte aus der kirchlichen Welt wirken die nachstehenden aus der Bühnenwelt. Das Profane schlägt das Heilige.