Lichtenwalde. Schloss mit herrlichen Parkanlagen, ein Majorat der gräfl. Familie Vitzthum von Eckstädt. Im Dörfchen Schlossschenke. An der Strasse nach Chemnitz steht das Denkmal des vorigen Majoratsherrn, der beim Ueberfall zu Etrepagny 1870 getödtet wurde. Im Park sehr schöne Anlagen mit Statuen, Gruppen etc. Die berühmten Wasserkünste, die von der Schlossmühle aus durch Druckwerk gespeist werden, locken zu Festzeiten grosse Menschenmengen hierher. Schelmisch unter Treppenstufen etc. verborgen, geben dieselben zuweilen zu grosser Heiterkeit Veranlassung. Sonntags öfter Concerte. Im Privatgarten der Herrschaft grosse Treibhäuser, Teppichbeete, Taxuswände etc. Im Schloss, das für gewöhnlich nicht zugänglich ist, gute Gemälde niederländischer Meister. In ein chines. ausgestattetes Zimmer hat man vom Söller aus Einblicke. Schöner Spaziergang an der Schlossmühle vorüber nach dem Harrasdenkmal, das am linken Ufer der Zschopau dem Harrasfelsen gegenüber steht. Wenige Schritte vom Denkmal eine wenig hohe aber sehr starke Eiche.

Nach Frankenberg gehen wir bei der Schlossmühle über den Mühlsteg und vor dem Harrasfelsen unter der Bahn weg am Bahnwärterhäuschen empor auf den Hauenstein, den Harrasfelsen. Zu Ehren der Sage oder wohl mehr des Körner'schen Gedichtes »Harras, der kühne Springer« steht ein eisernes Kreuz. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass ein Sprung in die Zschopau von hier aus ganz unmöglich ist; so schroff der Felsen auch erscheint, so ist doch das Wasser zu fern. Reiter und Pferd würde nicht im Wasser, wohl aber am Felshang zerschmettert sein. Ein Fusspfad gegen Osten führt an die Strasse nach Frankenberg.

Frankenberg. Schwarzes Ross. Deutsches Haus. Stadt Dresden. Rest. Rathskeller. Reichsseidelei. Bürgergarten. Hochwarte. In Cunnersdorf (1½ km) Nerge's vielbesuchtes Gartenrest. 11,000 Einw. Sehr gewerbthätige Stadt. Weberei in Halbwolle und Halbseide. Druckerei. Cigarrenfabrikation. 1½ km entfernt an der Bahn nach Hainichen in der Nähe des stattlichen Lützelthalviaductes liegen die höchst anmuthigen städtischen Anlagen.

Anmerkung. Zurück nach Chemnitz benutzt man am Besten die Bahn. Wer die Partie nach der Mittweidaer Schweiz ausdehnen will, geht auf schönem Wiesenpfad am rechten Zschopauufer nach Sachsenburg. Das hochgelegene Schloss ist jetzt Correctionsanstalt für jugendliche Verbrecher (60 Insassen). Gothische Kapelle. Das Schloss, 1488 von einem Herrn von Schönberg fertig gestellt, ist architektonisch nicht ohne Bedeutung. Das nahe Dorf Sachsenburg war früher Wallfahrtsort. Von hier aus ersteigt man den 350 m hohen Treppenhauer Berg, der früher eine Burg Gozne getragen haben soll. An freien Stellen Blicke auf das Obererzgebirge mit dem Fichtel- und Keilberg. Am Fusse des Schlosses liegt die beliebte Fischerschenke. Man geht nun die Strasse im Thalzug fort nach Krumbach, fährt bei der Spinnerei über und verfolgt einen romantischen Fusspfad erst am Fluss fort und bei einem Bergwasserausfluss hinauf nach Schönborn. Grosses Bergwerk. Beim Obersteiger Erfrischungen. (Inter. Erzstufen.) Von hier die Strasse am Erzpochwerk und an der idyllisch gelegenen Flossschenke vorüber nach Neudörfchen und Mittweida. (Von Frankenberg bis Mittweida 10 km.) Mittweida s. [S. 68].

23. Chemnitz-Flöha (12 km). Erdmannsdorf (6½ km). Cunnersstein (2½ km). Augustusburg (2 km) und zurück nach Erdmannsdorf (2 km).

Am Besten mit Dampf bis Flöha oder Erdmannsdorf (Flöha s. [S. 55]). Erdmannsdorf ist eine beliebte Sommerfrische der Chemnitzer. Bahnhofsrest. Gasthof an der Zschopaubrücke. Hübsche Prommenadenwege am Fluss aufwärts. Schlösschen und Rittergut des Ministers von Könneritz. Der Vogelheerd (1 km), 376 m hoch gelegene Baumgruppe, gewährt hübsche Blicke hinauf ins Centralerzgebirge. Schöne Waldwege (Wegweiser) führen nach dem Cunnersstein, einer imposanten Felsbastei über dem Zschopauthal mit beliebtem Bergrest. Die Fernsicht ist beschränkt, doch hat man sehr fesselnde Thalblicke. Nach Augustusburg sind die Wege gleichfalls markirt.

Schellenberg. Hirsch. Erbgericht. Schlossrest. auf dem Schloss. 1922 Einw. 503 m ü. M. Neuere Stadtkirche mit seltsamem Thurm. Altarbild von Gonne, »Die Jünger in Emmaus«. Dicht über der Stadt ragt auf steilem Porphyrfels die stolze Augustusburg empor, die weithin leuchtende Warte des Erzgebirges. Aeltere Abbildungen zeigen die jetzt ziemlich kahlen Aussenseiten mit hohem Dachstuhl und malerischen Erkern und Galerien. 1568–92 erbaut. Ehemals sah die Burg glänzende Hoffeste, jetzt sind in einigen Gebäuden Gerichtsbehörden untergebracht. August der Starke hielt Bären hier. Der Kopf des letzten Insassen des Bärenzwingers schmückt das Thorhaus: er hatte sich befreit und stattete dem nahen Städtchen einen sehr bedenklichen Besuch ab. In der Capelle befindet sich eine Silbermann'sche Orgel und ein Altargemälde von Kranach d. J., welches die zahlreiche Familie des Kurfürsten Vater August in der bekannten Orgelpfeifengruppirung darstellt. Vom nordöstl. Thurme, auf welchen der Castellan gegen ein kleines Trinkgeld die Fremden gewöhnlich führt, hat man umfassende Blicke auf das Centralerzgebirge und über das Granulitgebirge hinweg nach der norddeutschen Tiefebene, aus der der Oschatzer Colmberg hervorragt. Im Schlossgarten uralte Linde, die der Sage nach verkehrt eingepflanzt wurde, im hinteren Schlosshof liegt der 190 m tiefe Schlossbrunnen, welcher nicht mehr gezeigt wird, seit sich 1876 eine Dame hinabstürzte. (Hinabgegossenes Wasser hörte man nach 21 Secunden fallen.)

Anmerkung. Nach Erdmannsdorf hinab lassen sich die Krümmungen der Strasse durch Fusswege kürzen. Eine dankbare Variante ist folgender Weg: Man geht von Schellenberg hinab nach Hohenfichte (3 km), wo sich die grosse Hauschild'sche Strickgarnfabrik befindet. Von hier am rechten Ufer der Flöha nach der sogenannten Hetzdorfer Schweiz, einer Felsgruppe mit Aussicht auf den nahen Hetzdorfer Viaduct und auf das Flöhathal. Dann geht man über Falkenau nach dem Flöhaer Bahnhof. (Von Hohenfichte ab bis Flöha 11 km.)

Ein stiller, einsamer, waldfrischer Thalzug ist der Lössnitzgrund. Von Hohenfichte bis zur reizend gelegenen Hammermühle (Schenke) hinauf 4 km.