Die Chemnitz-Riesaer Bahnlinie ist die zweitälteste Sachsens. Vor Station Oberlichtenau ist rechts im Wald ein kleiner Thiergarten (Rehe) abbezirkt.
Mittweida. Deutsches Haus. Sächs. Hof. Stadt Hamburg. Stadt Chemnitz. Rest. zum Rathskeller. Zum Schillergarten unfern der städt. Anlagen am Galgenberg und Schwanenteich. Kegels Rest. 9300 Einw. Grosse Barchentwebereien. Woll- und Baumwollspinnerei. Färberei. Thonwaarenfabriken. Maschinenbau. Kratzenfabrik. Im Technikum 400 Studirende.
Sehenswürdigkeiten. Die Stadtkirche mit goth. Chorbau aus Rochlitzer Porphir. Kriegerdenkmal auf dem Gottesacker. Unweit davon ein Grabdenkmal von Rauch, einer Verwandten gewidmet. Ein Genius aus grauem Marmor mit gesenkter Fackel schwebt mit einer verhüllten Frauengestalt empor. Unfern das Denkmal des Schuldirectors Schneider, welches ihm dankbare Schüler errichteten. Mittweida ist der Geburtsort des Theologen Tzschirner, Prof. und Superintendent in Leipzig, und des Bildhauers Johannes Schilling, der das Niederwalddenkmal geschaffen.
Spaziergänge. Nach dem Galgenberg und in die städtischen Anlagen am Schwanenteich, von dem allbeliebten Bürgermeister Voigt geschaffen. Am Galgenberg grosse Cordieritblöcke, die man als eratische Blöcke betrachtet. Zwei davon sind zugänglich gemacht. Nach den städtischen Anlagen im Scheibenbusch geht man durch die Gottesaue oder über die Bellevue. Die hier belegene Rathskanzel und der Försterfelsen sind Felsbasteien über der Zschopau mit romantischen Thalblicken. Die gegenüberliegende (künstl.) Ruine auf dem Carolafelsen nennt sich die Zschopenburg. 2 km von Neudörfchen entfernt liegt die Marienhütte, gleichfalls eine Bastei über der Zschopau mit sehr romantischen Thalbildern.
Unsere Tour führt uns nun über die Rössgener Höhe (mit guter Aussicht) hinab nach der Via mala, ein Promenadenweg am schroffen Abhang der Zschopau. Wo sich das Thal erweitert, liegt Ringethal. Gasthaus. Rococoschlösschen. Das kleine idyllisch gelegene Kirchlein besitzt eine Silbermannsche Orgel. Eine herrliche uralte Linde bedeckt einen guten Theil des Kirchhofs. Von der Lutherlinde, unter der Luther gepredigt haben soll, ist nur noch ein Stumpf vorhanden. Eine Inschrift erzählt von dem Brand des Baumes, der Lutherpredigt und einem wunderbaren Astbruch, der sieben unter dem Baum spielende Kinder unversehrt liess.
Wegweiser zeigen nach dem nahen Raubschloss, einer höchst geschickt aufgemauerten künstl. Ruine. Eine wirkliche Burg Grunadow (oder auch Rochlinti) soll hier gestanden haben und es findet sich auch wirklich noch uraltes Gemäuer. Schöne Thalbilder von den Fensterhöhlen aus.
Ein Fussweg führt hinab zu der nahen, westlich gelegenen Lauenhainer Mühle. Man zieht eine Klingel, worauf Leute aus der Mühle die Fähre zur Ueberfahrt herbeirudern. (Die reizend gelegene Mühle ist auch Schenke.) Die Weiterwanderung im Thalzug abwärts führt uns an dem Pfaffenstein vorüber, von welchem das aufgeregte Volk nach der Lutherpredigt in Ringethal einen kath. Priester gestürzt haben soll. Später passiren wir den sehr ansehnlichen Tannenberger Felsensturz. Wo die Zschopau im scharfen Knie gegen Osten abbiegt hinauf nach Höfchen und
Kriebstein. Die stolze, höchst malerische Burg liegt 45 m über der Zschopau auf schroffer Felszinne. Im Schlosshof alterthümliches Architecturbild. (Ein Gemälde von Prof. Hahn, den Kriebsteiner Schlosshof darstellend, hängt in der Dresdner Galerie.) Im Innern Gemälde auf die Geschichte der Burg bezüglich, darunter ein Bild, auf welchem die Gemahlin des Ritters Staupitz diesen auf dem Rücken aus der Burg trägt. (Ein Seitenstück zu den Weibern von Weinsberg.) Rüstkammer mit Waffen aus der ersten Zeit nach Erfindung des Schiesspulvers. Alte intr. Möbel, Riesenbetten. Die Kapelle ist in den Felsen gehauen. Vom Speisesaal blickt man fast senkrecht in die Zschopau hinab. Vom nahen Jägerhaus romantische Blicke auf das schluchtartige Zschopauthal.
Schloss Ehrenberg, Kriebstein gegenüber, doch höher gelegen, gewährt höchst fesselnde Aussicht auf das trotzige Felsennest mit seinem echt mittelalterlichen Charakter. Im Thalkessel liegt die Niethammer'sche Papierfabrik.