Der Fussweg von Ehrenberg nach Kriebethal führt an einem alten Gemäuer und an schönen Aussichtspunkten vorüber. In Kriebethal erreichen wir die Strasse. Zwischen hier und Waldheim steht der Napoleonsstein. (Napoleon suchte hier nach der Schlacht bei Lützen einen Uebergang für seine Armee.)
Waldheim. Löwe. Schaubes Hotel. Stadt Bremen. Rest. zum Rathskeller. Schützenhaus. Schweizerthal, beide mit Gärten. 7800 Einw. Weberei. Cigarrenfabrikation. Harmonika- u. Möbelfabriken. Nach der Schlacht bei Lützen (1813) zogen sich die Verbündeten über Waldheim zurück. Um die Zschopaubrücke fanden Kämpfe statt. Das ausgedehnte Waldheimer Schloss dient als Strafanstalt. (1500 Insassen.) Zur Besichtigung muss die Erlaubniss der Direction nachgesucht werden. Die erste Insassin des Waldheimer Zuchthauses war ein Mädchen Namens Apel, eines Zeugmachers Tochter aus Lunzenau, bekannt unter dem Spitznamen Prinz Lieschen; sie hatte sich für den jungen Kurprinzen ausgegeben und büsste ihren Uebermuth von 1716 ab mit lebenslänglichem Gefängniss.
Spaziergänge und zwar sehr dankbare besitzt das schöngelegene Waldheim mehrere. Der beliebteste ist nach dem Siegesthurm auf dem Wachberge mit prächtiger Aussicht auf die romantische Umgebung. Zwölf Säulen mit franz. Kanonenkugeln umgeben den stattlichen Thurm. Schöne Anlagen in der Nähe, darunter die sog. goldene Höhe.
Bei der Rückfahrt nach Chemnitz bietet sich vom Zug aus ein anmuthiges Städtebild dicht hinter dem Waldheimer Bahnhof. Bei Station Erlau liegt der vielbesuchte Erlauer Gasthof.
26. Chemnitz-Frankenberg (17 km). Hainichen (19 km). Rosswein (20 km). Döbeln (Haltestelle, 8 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (durch die Mittweidaer Schweiz, 17 km). Chemnitz (18 km).
Von Chemnitz über Lichtenwalde nach Frankenberg siehe Tour 22. Die Eisenbahn überschreitet hinter Frankenberg den Lützelthalviaduct und gewinnt die Hochebene von Hainichen.
Hainichen. Deutsches Haus. Löwe. Post. Rest. zum Rathskeller. Krugs Gartenrest. Feldschlösschen. 8500 Einw. Grossartige Flanellindustrie, die sich schon von Weitem durch bunte Tuchrahmen ankündigt. (Jährlich 250 000 Flanellstücke.) In Hainichen wurde am 4. Juli 1715 Gellert geboren. Dem bedeutendsten deutschen Fabeldichter ist auf dem Markt ein Standbild von Rietschels Hand errichtet. Ausserdem ist seinem Andenken eine Stiftung gewidmet, ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder. (Gellert entstammt dem Hainicher Pfarrhaus, wo er im Kreise seiner zwölf Geschwister seine Jugend verlebte.)
Die Bahn geht von hier im anmuthigen Striegisthal entlang an dem Fabrikdorf Böhrigen vorüber, wo die grosse Lehmann'sche Flanellfabrik inmitten vieler Arbeiterhäuser liegt. Bei Striegis gewinnt sie das Thal der Freiberger Mulde.
Rosswein. Rheinischer Hof. Pragers Hotel. Fischers Gasthaus. Rest. zum Rathskeller. Baums Restaurant. Schützenhaus mit Garten. Pönitz'sche Gartenwirthschaft. 7000 Einw. Lebhafte Fabrikstadt in anmuthiger Lage an der Freiberger Mulde. Tuch- und Cigarrenfabrikation. In der Nähe wird Walkerde abgebaut. Rosswein war einst ein Besitzthum des Klosters Altzelle. Am Rathhaus ein Ross mit Weintraube, welche den Namen der Stadt versinnlichen sollen, der indess slav. Ursprungs sein dürfte. 2 km entfernt liegt Gersdorf, wo noch lebhaft Silberbergbau betrieben wird. Intr. ist der Adamsstollen, auf dem Erze in die nahen Pochwerke verschifft werden. Am Weg dahin prächtige Aussicht auf Stadt und Umgebung; überhaupt gewähren die umliegenden Höhen anmuthige Thalbilder.
Die Bahn wendet sich im Muldenthal zurück nach Striegis und am Fluss abwärts bis vor Döbeln. Die Thalwanderung neben der Bahn und dem Fluss ist abwechslungsreich. Bei Mahlitzsch liegt die sogenannte Kempe am rechten Ufer der Mulde, eine uralte Burgruine, wahrscheinlich sorbischen Ursprungs. Eine andere Strasse führt über Nausslitz, sie steigt bis 230 m an und gestattet öfter freie Rundblicke über die fruchtbare Döbelner Pflege. Mit Dampf fährt man nur bis Haltestelle Döbeln. Der Bahnhof liegt 2 km entfernt.