Döbeln. Gasthof: Die Sonne. 11 800 Einw., sehr alte Stadt, die schon 981 urkundlich erwähnt wird. Getreidehandel. Tuch- und Lederfabriken. Bedeutende Fassfabrik. Wagenbauerei. Die Cigarrenfabrikation liefert jährlich etwa 40 Millionen Stück. In der Nähe der Stadt das Staupitzbad ist das älteste Kiefernnadelbad im Lande. Auf dem Schlossberg stand ehedem eine Burg der Dohnaer Burggrafen, die 1429 von den Hussiten zerstört ward. An derselben Stelle erhebt sich jetzt die stattliche neue Bürgerschule. 1762 lieferte Prinz Heinrich von Preussen den Oestreichern ein siegreiches Gefecht in der Umgebung der Stadt.
Anmerkung. Von Döbeln lässt sich ein sehr dankbarer Abstecher nach dem anmuthigen Leisnig machen (17 km). Man fährt mit Dampf an den Ruinen des Klosters Buch vorüber. Näheres siehe unter Leisnig [Seite 75].
Die Eisenbahn von Döbeln nach Waldheim gewinnt bei Station Limmritz das tiefeingeschnittene Zschopauthal und an grossen Futtermauern entlang folgt sie den romantischen Windungen des Flusses. Waldheim, s. [S. 70]. Von Waldheim geht man zu Fuss nach Kriebethal, dann hinauf nach Ehrenberg oder gleich nach Kriebstein, dann über Höfchen hinab nach der Zschopau und zur Lauenhainer Mühle. Hier überfahren, hinauf nach dem Raubschloss, dann nach Ringethal und über die Viamala nach Mittweida. Von hier mit Dampf. Sämmtliche Punkte finden sich in Tour 25 schon beschrieben.
27. Chemnitz-Cossen (22 km). Wechselburg (2½ km). Rochlitz (über den Rochlitzer Berg, 7 km). Colditz (11 km). Grimma (16 km). Leisnig (22 km). Döbeln (16 km). Waldheim (9½ km). Mittweida (13½ km). Chemnitz (18 km).
Wir fahren an dem bereits beschriebenen Burgstädt vorüber oder gehen im Chemnitzthal entlang nach Cossen. (Siehe Routennetz.) In nächster Nähe der Station Cossen liegt der Göhrener Viaduct, zwar nicht das grösste, wohl aber das imposanteste und architectonisch schönste Brückenbauwerk, das in Sachsen zu finden. Der Mittelbogen hat eine Spannweite von 26 m. Die Länge der Brücke beträgt 412, die Höhe 68 m. Ein anmuthiger Thalweg führt uns am linken Muldenufer nach Alt-Zschillen. Auf halbem Weg dahin, an der Einmündung der Chemnitz schönes Thalbild.
Wechselburg. Sächs. Hof. Goldener Löwe. Marktflecken. 3000 Einw. Gräfl. Schönburg'sches Schloss. Ehemals war hier ein Augustinerkloster Zschillen, das wegen Ueppigkeit der Mönche aufgehoben und in eine Comthurei des Deutschordens verwandelt wurde. Der Name Wechselburg soll durch öfteren Tauschhandel entstanden sein. Die Schlosskirche ist der berühmteste altromanische Bau Sachsens. (1174 erbaut, 1874 restaurirt.) Kanzel mit sehr alten Reliefsculpturen in vortrefflichem Styl. Grabmal des Kirchenstifters Grafen Dedo und seiner Gemahlin. Ueber dem Altar ist eine Kreuzigungsgruppe bemerkenswerth, überhaupt ist die ganze Kirche von hoher kunstgeschichtlicher Bedeutung. Im Schlosspark besuche man die Eulenkluft. (Der jähe Fels trägt ein schwarzes Kreuz.) Eine grosse Porphirplatte, bei Meerane gefunden, wird als ein heidnischer Opferaltar bezeichnet, der dem Götzen Credo gewidmet war. (An der Einsiedelei Ueberfahrt über die Mulde.)
Der Weg führt uns nun durch schöne Waldungen auf den Gipfel des
Rochlitzer Berges. 340 m. Thurm 26 m. Der stattliche Thurm aus rothem Porphir ward 1860 als ein Denkmal an König Friedrich August errichtet. Bergrestaurant. Fernrohr. Orientirungsscheibe.
Man überblickt den Kamm des Erzgebirgs und seine Abdachung vom Auersberg bis zum Kahlenberg bei Altenberg. Im Norden liegt die Norddeutsche Tiefebene mit ihren isolirten Höhen bei Wurzen und Oschatz, nur durch die Sehkraft beschränkt, vor dem Beschauer. Hervortretende Punkte nach dieser Richtung sind Altenburg, Leipzig, die Hohburger Schweiz, der Petersberg bei Halle und der Colmberg bei Oschatz. Bei sehr hellen Tagen erscheint selbst der Brocken als blauer Streif am Horizont. Die nahe Landschaft wird belebt durch sehr zahlreiche Ortschaften (voran Rochlitz) und durch das tiefeingeschnittene waldige Muldenthal. Das Granulitgebiet liegt so ziemlich unbeschränkt im Gesichtskreis.
Der Berg besteht aus porphirischen Aschen und ist ein Vulkankegel. Das gleichsam gebackene Gestein giebt ein treffliches Baumaterial und wird in grossen Steinbrüchen abgebaut, die bis zu 40 m tief sind. Man fertigt auch kleinere Gegenstände aus Rochlitzer Steinmark von gefl. Farbenwirkung an.