Ein schöner Promenadenweg führt mit einigem Umweg hinab nach Rochlitz. Die Strasse ist kürzer.
Rochlitz. Sächs. Hof. Zum Löwen. Rest. zum Rathskeller. Gartenrest. Schweizerhaus. 6000 Einw. Weberei. Schuhwaarenfabrikation. Sauberes und anmuthig gelegenes Städtchen mit einem doppelthürmigen Königl. Schloss. Von den Thürmen heisst einer im Volksmund die Jupen, weil er als Staatsgefängniss diente und »als Rock« die Insassen vor »Frost und Wölfen« schützte. Der Hussitenführer Peter von Sternberg sass 3 Jahre hier gefangen. In der Peterskirche Silbermann'sche Orgel. Die goth. Kunigundenkirche besitzt ältere Schnitzwerke. Rochlitz war früher Residenz der Grafen von Rochlitz, denen Rochlitz, Kriebstein und Gehringswalde zugehörte. An das Sächsische Kurhaus kam die Rochlitzer Herrschaft durch Heirath. Am 3. März 1547 nahm hier im schmalkaldischen Kriege Johann Friedrich der Grossmüthige den Markgrafen Albrecht von Brandenburg während eines Faschingtanzes gefangen.
Anmerkung. Wer hier die Muldenthaltour abbrechen will, geht über Biesern, Seelitz, Kolkau und Zetteritz nach Erlau an die Chemnitz-Riesaer Bahn (11 km). Bei Seelitz hübsche Aussicht auf das Muldenthal und den Rochlitzer Berg. Bei Rittergut Kolkau liegt das anmuthige Kolkauer Thal.
Der Tour treu benutzen wir die Bahn nach Colditz oder gehen mit der Mulde parallel. Schöne Thalbilder. Beim Dorfe Lastau, das im frühesten Mittelalter bedeutender war wie heut, liegt der Burgberg, der eine Sorbenburg Titipuci getragen haben soll. In der Lastauer Mühle Rest.
Colditz. Zum Kreuz. Weisses Haus. Rathskeller. 4300 Einw. Steingutfabriken. Getreidemärkte. Hübsches Landstädtchen mit wohlhabender Umgebung. Das stolze Schloss über der Stadt ist gegenwärtig Versorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke. Zutrittserlaubniss beim Pförtner. Architectonisch sehr inter. Portal. Im ehemaligen Thiergarten im Norden der Stadt, der mit Mauern umgeben, herrliche Promenadenwege. Man geht bis zum Dorf Zschadras, in dem eine Zweiganstalt des Colditzer Irrenhauses untergebracht ist. Hübsche Aussicht auf die Muldenthäler. (Im Freiberger Muldenthal ist Leisnig sichtbar.)
Nach Grimma, oder doch bis Grossbothen empfiehlt sich Fusswanderung. Man geht durch den Thiergarten nach Zschadras, dann nach Collmen und auf den Heideberg. Malerische Thalblicke auf beide Mulden und ihren Zusammenfluss. Nun hinab nach Kleinsermuth und Grosssermuth auf das andere Muldenufer. Wer zu Fuss geht, berührt Nimbschen. (Siehe unten.)
Grimma. Kronprinz. Gold. Löwe. Rathskeller. 8100 Einw. Reizende Lage an dem hier sehr ansehnlichen Muldenfluss. Königl. Schloss. Das Sächs. Regentenhaus hielt hier öfter Hof- und Landtage ab. Albrecht der Beherzte wurde zu Grimma geboren, Friedrich der Weise, der Schirmherr Luthers, erhielt hier seine Erziehung. Melanchthon legte öfter eine grosse Vorliebe für die Stadt an den Tag. Die Fürstenschule ward von Kurfürst Moritz begründet; sie steht noch heut in hoher Blüthe. Ein Seminar nennt sich Dinterianum. (Der grosse Schulmann Dinter war Schüler der Fürstenschule.) Seume lebte längere Zeit in Grimma und trat von hier aus seinen berühmten Spaziergang nach dem Syrakus an. Die gothische Frauenkirche war ursprünglich ein byzantinischer Bau. Glasmalereien von hohem Alter. Ebenso sehenswerth ist das Rathhaus.
Spaziergänge. Nach der reizend an der Mulde gelegenen Gattersburg, einem vielbesuchten Bergrest. Gegen Colditz hin, 2 km entfernt, liegen die Ruinen des Klosters Nimbschen, aus welchem 1523 die Gemahlin Luthers, die Katharina von Bora, entwich. Sie entfloh mit 8 geistlichen Schwestern auf dem Wagen eines Torgauer Bürgers hinter Heringstonnen verborgen. Man zeigt noch den Lutherbrunnen, eine Lutherlinde am Muldenufer u. a. m.
Der Schomerberg über der Mulde gewährt hübsche Blicke auf die Stadt. In derselben Richtung 3 km entfernt liegt Döben, ein Schloss über der Mulde. (Sorbisch Dewin.) Schöne Aussicht auf den gewundenen Muldenfluss. Nach Unterjochung der Slaven sass hier ein kaiserlicher Voigt. Albrecht der Stolze hielt zu Döben seinen Vater Otto den Reichen eine Zeit lang gefangen, weil er sich Dietrich dem Bedrängten gegenüber im Erbe benachtheiligt glaubte. Im Rittersaal fällt besonders ein Riesenofen auf. In der Döbener Kirche inter. Familiengruppe, die ein Hans von Schönfeld eines sonderbaren Ereignisses halber errichten liess. Seine Gemahlin verfiel in einen Scheintod und sollte beerdigt werden, erwachte aber zu rechter Zeit und beschenkte ihren Gemahl noch mit neun Kindern.
Die Fahrt nach Leisnig führt uns zurück nach Grossbothen. 1½ km unterhalb des Zusammenflusses überschreitet die Bahn die vereinigte Mulde und geht dann im Thal der Freiberger Mulde entlang.