Warmbad Wolkenstein liegt 2 km von der Stadt im Hüttengrunde. 458 m ü. M. Der schön eingefasste Quell (30° C.) ist der wärmste Sachsens und hat sich besonders bei rheumatischen Leiden bewährt. 125 möblirte Zimmer von 2 bis 12 Mark per Woche. Bäder zu 75 und 50 Pf. Douchen sind extra zu zahlen. Die Badefrequenz betrug 1880 600 Gäste. Concerte ziehen während der Saison öfter die besseren Bewohner der Umgebung herbei. Schöne Waldpromenaden. 4 km von der Stadt, vom Bad 2½ km liegen die »Neuen drei Brüder«, ein verlassenes Bergwerk, über dem Dorf Gehringswalde. Im Huthaus Schenke. Das Auge beherrscht von hier aus so ziemlich alle höheren Berge des Centralerzgebirgs, als Keil- und Fichtelberg, Hassberg, Auersberg und die drei Basaltkegel, Scheibenberg, Bärenstein und Pöhlberg. Auf der Halde zuweilen Krystalle.
Hinter Wolkenstein passirt der Zug den Punkt des Zusammenflusses der Pressnitz und der Zschopau, die von hier aufwärts bedeutend wasserärmer erscheint. Weiter oben wird das Thal freier.
Warmbad Wiesenbad. 434 m ü. M. Die Quelle (21¾° C.) wird schon seit dem 15. Jahrh. für Heilzwecke benutzt. Im Bad gegen 100 Zimmer. 1880 340 Badegäste. Die Quelle gleicht in ihrer chemischen Zusammensetzung den Heilquellen von Pfeffers, Schlangenbad und Gastein. Schöne Waldpromenaden, die zu anmuthigen Punkten führen. Grosse Flachsspinnerei und Bleicherei unfern des Bades.
Hinter der Stat. Wiesa, einem anmuthig gelegenen Kirchdorf, verlässt die Bahn das Zschopauthal und wendet sich dem Thalzug der Sehma zu. Links wird mehrfach der Pöhlberg sichtbar.
Annaberg. Hôtel Museum. Wilder Mann. Goldne Gans (Gutes Mittelgasthaus.) Kronprinz. Tröger's Gasthaus am Bahnhof. Rest. zum Rathskeller. Bahl's Garten- und Tanzlokal vor dem Buchholzer Thor. Badeanstalt von Wolf.
Annaberg, ziemlich abschüssig an den Gehängen des Pöhlberges gelegen, ist die grösste und wichtigste Stadt des Centralerzgebirgs; die Posamenten-Industrie ist sehr bedeutend und vorwiegend für den Export berechnet. 13 000 Einw. Am Markt 601 m, am Bahnhof 539 m ü. M.
Geschichtliches. Der Bergbau am Schreckenberg scheint ziemlich früh schon begonnen zu haben, doch ward er erst Ende des 15. Jahrh. sehr ergiebig; dies veranlasste Herzog Georg den Bärtigen an der sogenannten wilden Ecke am 21. Sept. 1496 eine Stadt zu begründen, die man Neustadt am Schreckenberg benannte. Indess 5 Jahre später tauschte sie ihren Namen in St. Annaberg um und Kaiser Maxmilian bestätigte den Namenwechsel. Die Glanzperiode des Annaberger Bergbaues fällt in das 16. Jahrh., die Schreckenberger Gruben waren damals die silberreichsten Sachsens. Man prägte die Ausbeute in der Münzgasse in die sog. Engelsgroschen um oder brachte sie auch ungemünzt zur Vertheilung. Die Bergherren sollen sehr üppig gelebt und eine Bäuerin soll sogar Bäder in Wein genommen haben. Die Sage schreibt dieser Ueppigkeit den raschen Verfall des Bergbaues zu, die Gruben versagten im 17. Jahrh. mehr und mehr, einzelne kamen zum Erliegen, 1604 suchte ein grosser Brand die damals fast ganz hölzerne Stadt heim. Kloster, Rathhaus und Schule brannte nieder und selbst die Kirche ward ihrer Thürme und ihres Daches beraubt. Der 30-jähr. Krieg that sein Uebriges, die ehemals reiche Bergstadt zu einer Stätte des Elends zu machen. Einen Nothanker in dieser langen schlimmen Zeit bildete die Spitzenklöppelei. Barbara Uttmann, einer Nürnberger Patricierfamilie entsprossen und an einen reichen Annaberger Bergherrn Uttmann verheirathet, erfand, oder wie man nach einer andern Lesart will, erlernte von einer Brabanterin das Spitzenklöppeln und führte es bereits 1561 unter der Bergbevölkerung ein. 1589 gesellte sich die Posamentirerei dazu, eingeführt durch Georg Einenkel. Im Laufe der Zeit haben sich noch eine ganze Reihe anderer Industrien, meist Luxusindustrien, hier heimisch gemacht, so dass aus der Bergstadt die erste und grösste Fabrikstadt des Obererzgebirges geworden ist. Adam Riese lebte in Annaberg als Bergschreiber, Chr. Friedr. Weisse der Kinderfreund und Genosse Lessings wurde 1726 zu Annaberg geboren; eine milde Stiftung ehrt sein Andenken.
Sehenswürdigkeiten. Hier ist voran die Annenkirche zu nennen; sie ist zwar nicht die schönste, aber was Ausschmückung anlangt, die interessanteste des Landes. Von 1499–1525 durch Erasmus Jacob von Schweinfurt erbaut, gehört ihr Styl der Spätgothik an. Der Thurm wurde nach dem Brande 1604 zum Theil erneuert. Am Hauptaltar Stammbaum Christi, der aus der Brust Abrahams herauswächst. Am Bergaltar, von Bergleuten gestiftet, interessiren gute Holzschnitzereien und Oelgemälde auf Holz. Den neuen Altar, der 1834 erneuert wurde, schmückt besonders ein Bild »Tod Mariäs« nach einem Schongauer'schen Kupferstich. Der Münzaltar in der Chorkapelle des rechten Schiffs wurde 1552 von den Münzern gestiftet, als Hauptschmuck sind Schnitzwerke zu nennen: Maria mit dem Jesuskind von Engeln umgeben. Die Gemälde an den äusseren Flügeln, Bartholomäus, Georg, Katharina und Barbara darstellend, erinnern an den jüngeren Holbein. Der Bäckeraltar ist künstlerisch der unbedeutendste. An sonstigen Gemälden ragen hervor Maria mit dem Christuskind auf der Mondsichel stehend, die Ehebrecherin vor Christus von L. Kranach d. J. Der gleichen Hand soll das ausdrucksvolle Bild in der Sakristei, die H. Katharina, entstammen, zweifellos gehört es dieser Schule an. Auf dem Bild »die Verkündigung« fallen die fein ausgeführten Figuren und die klare, kraftvolle Landschaft auf. Der becherförmige Taufstein entstammt der Grünhainer Klosterkirche. An der Kanzel beachtenswerthe Skulpturen. Die Goldene Pforte, aus der Annaberger Franziskanerkirche hierher versetzt, erinnert an Florentiner Meister. Ein spätgoth. Bogen umschliesst die Figuren der H. Dreieinigkeit, über dem Gesims Adam und Eva, an den Seiten Moses und Johannes der Täufer.
Die Hautreliefs an den Emporen mit Erkern geben prächtiges Zeugniss von einer humoristisch-gesunden Lebensauffassung des Mittelalters. Die ersten 20 Reliefs im Chor stellen die 10 Lebensalter beider Geschlechter dar; jeder Figur ist ein Wappenschild beigegeben, auf welchem, nicht sehr höflich aber mit gutem Humor die Embleme den betreffenden Lebensaltern zugetheilt sind. Den männlichen sind folgende beigegeben: 10 Jahr ein Kalb, 20 Jahr ein Bock, 30 Jahr ein Stier, 40 Jahr ein Leu, 50 Jahr ein Fuchs, 60 Jahr ein Wolf, 70 Jahr ein Hund, 80 Jahr ein Kater, 90 Jahr ein Esel, 100 Jahr Todtenkopf eines Ochsen. Das weibliche Geschlecht ist wie folgt bedacht worden: 10 Jahr eine Wachtel, 20 Jahr eine Taube, 30 Jahr eine Elster, 40 Jahr ein Pfau, 50 Jahr eine Henne, 60 Jahr eine Gans, 70 Jahr ein Geier, 80 Jahr eine Eule, 90 Jahr eine Fledermaus. Der 100jährigen Greisin ist ein Vogeltodtenkopf mit stark entwickeltem Schnabel beigegeben. Von den übrigen 80 Reliefs sind 30 der heiligen Geschichte gewidmet. Der Meister dieser Skulpturen ist Theophilus Ehrenfried. An der Sakristeithür reiche Skulpturen nach gothischen und antiken Motiven. (Besonderes Vergnügen macht in der Regel den Beschauern ein kegelschiebender Engel.) Kunstvolle Schlosserarbeit. In der Sakristei zeigt man eine eisenbeschlagene Geldkiste, welche Tetzel während seiner Annaberger Ablasspredigten benutzt haben soll.