Karlsbad. 4 km vom Bahnhof. Droschke 1 bis 2 fl. Omnibus 30 Kr. Am Bahnhof Passantenhotel. (Bett 1 fl.) Für Touristen eignen sich noch: Sächs. Hof, Bahnhofsrest. Zum Paradies. Drei Fasanen. Goldn. Schild. Hotel Wagner. Rheinischer Hof. Stadt Schneeberg. Rest. zum Hopfenstock. Blauer Stern. Rother Ochse.

Cafés. Pupps Café an der alten Wiese. Salle de Saxe. Sanssouci. Grosse Gartenwirthschaften sind der Posthof, Freundschaftssaal und Schweizersaal.

Concerte, früh am Sprudel sowie in der Kurhalle, Nachmittags in den Cafés und in den zahlreichen Sommergärten. Theatervorstellungen sowohl im Stadttheater als in Suttners Sommertheater.

Karlsbad würde auch, wenn es kein Weltbad wäre, schon durch seine einzig schöne Lage im engen, gekrümmten Thalzug der Tepl die Aufmerksamkeit der Touristen verdienen. Die ständige Einwohnerschaft mag sich auf 11 000 belaufen.

Geschichtliches. Der Begründer des Bades ist Kaiser Karl IV. Die Sage erzählt, er habe einen Hirsch verfolgt, dabei sei eine seiner Rüden in den heissen Sprudel gerathen und so sei die Quelle entdeckt worden. Die Entdeckung ist jedoch in viel frühere Zeiten zu verlegen. Karlsbad erfreute sich von Anfang an grossen Zuspruchs, seine alten Badelisten weisen viele weltberühmte Männer auf, darunter Schiller und Göthe. Der Letztere brauchte die Quellen 12 Jahre durch. 1819 wurden zu Karlsbad unter Metternich die vielangefeindeten Karlsbader Beschlüsse gefasst. In das Jahr 1858 fiel das 500 jähr. Jubiläum der Begründung. Seit dieser Zeit sind grossartige Bauten und Anlagen entstanden, darunter die monumentalen Mühlbrunnen- und Sprudelcolonaden. Gegen 20 000 Badegäste und 50 000 Passanten verkehren jährlich in Karlsbad, in dem sich gegenwärtig 52 Badeärzte niedergelassen haben. Karlsbad ist das frequentirteste Bad in Europa geworden.

Der Sprudel. Der mächtige, geyserartig aufstossende heisse Quell hat seinen natürlichen Ausfluss im Teplbett, eine grosse Quaderfassung zwingt ihn jedoch, neben der Tepl unter einer Halle zum Ausfluss; mehrfach hat er schon seine Fesseln durchbrochen und noch ist es nicht gelungen, ihn für die Dauer zu bändigen; er ist der Urquell aller übrigen, minder heissen Karlsbader Quellen. Schon von Weitem verräth er sich durch seine Dampfsäulen, die namentlich im Winter bei Frosttagen häuserhoch aufsteigen. Schmucke Egerländerinnen in Nationaltracht stehen dabei, halten lange Stäbe mit Bechern hinein und kredenzen das heisse Wasser den zahlreich Harrenden. Das Wasser mit einer natürlichen Wärme von 59° R., enthält schwefelsaure Salze und kohlensaures Natron, sein Geschmack erinnert an dünne Hühnerbrühe. Gegenstände, die man hineinhält, überziehen sich sehr bald mit einer harten Kalksinterkruste und auf diese Eigenschaft hin hat sich eine nicht unbedeutende Industrie entwickelt. Man bietet allerhand incrustierte Spielereien zum Verkauf aus und fertigt auch Schmuckgegenstände aus dem in allen Farben spielenden Sprudelstein.

Zur Gewinnung des Karlsbader Salzes benutzt man den Sprudel doppelt. Einmal liefert er das Wasser, aus dem dasselbe abgedampft wird und dann lässt man ihn durch seine Wärme den Abdampfungsprocess selbst besorgen, indem er, unter den Abdampfungsgefässen hinweggeleitet, dieselben heizen muss.

Die anderen Quellen kommen dem Sprudel mehr oder weniger nahe, sie wirken weniger intensiv und darum werden einige davon von den Aerzten mit Vorliebe empfohlen. Die Wärme stellt sich wie folgt: Bernhardsbrunnen 53, Neubrunnen 49, Felsenkeller 48, Mühlbrunnen 46, Marktbrunnen 36 und Schlossbrunnen 27° R. Während des Erdbebens zu Lissabon 1755 wurden auch die Karlsbader Quellen und besonders der Sprudel in Mitleidenschaft gezogen. Dieser blieb 3 Tage lang völlig aus, um dann mit verstärkter Kraft wieder hervorzubrechen. Die Quellen bewirken im Allgemeinen Regeneration der Säfte und erweisen sich bei Leberleiden besonders von unabschätzbarer hygienischer Bedeutung.

Das Badeleben. Am Besten lässt sich das Treiben der Gäste des Morgens an den Quellen (Sprudel und Mühlbrunnen) beobachten. Vertreter aller Nationen, darunter Orientalen in Nationaltrachten, schreiten in langen Reihen, den Becher am Riemen, den Quellen zu, trinken hier ihr vorgeschriebenes Mass und promeniren dann neben oder in den schönen säulengetragenen Colonaden, während Musikchöre heitere Weisen spielen. ½ Stunde nach der Trinkzeit beleben sich die Cafés und um Mittag die Speisehäuser, in denen der Speisezettel unter ärztlicher Controlle steht und auf die Kurdiät zugeschnitten wird; doch sei bemerkt, dass dieselbe auch für verwöhnte Gaumen noch ganz erträglich ist. Um 4 Uhr wiederholt sich das Schauspiel an den Quellen; im Uebrigen gehört der Nachmittag den geselligen Freuden an. In den schönen Sommergärten spielen wohlgeschulte Kapellen und locken die feine Welt dahin, oder diese unternimmt Ausflüge in die hochromantische Umgebung.