Die Bahn folgt auch ab Stein den Krümmungen des Flusses. Rechts auf einem Felsenvorsprung liegen die Trümmer der Isenburg. Bei Station Niederschlema zweigt sich ein Tract nach Schneeberg ab. An einem Thalkreuz, wo das Schwarzwasser sich in die Mulde ergiesst, liegt
Aue. Erzgeb. Hof. Bahnhofseiche. Blauer Engel. Rathskeller. Rest. zur Lederschürze. Schiesshaus. Brauerei mit Gartenrest. 3000 Einw. Am Bahnhof 348 m ü. M. Feldbau. Klöppelei. Schnupftabaksdosenfabrik. Fabrik hölzerner Pfeifenköpfe. Gessners Maschinenfabrik. Viele Blecharbeiten werden hier gefertigt, auch besteht eine Fachschule für Blecharbeiter und eine Fabrik, die für diese Branche speziell Hilfsmaschinen baut. Das nahe Klösterle beherbergte einst einen Mönchsorden, der schon im 12. Jahrhundert gegründet worden war. 1429 zerstörten die Hussiten das Kloster. Aue liegt im Centrum zweier schöner Thalzüge und ist Eisenbahnkreuzpunkt, daher für Sommerfrische und kleinere Ausflüge sehr geeignet.
Die Bahn verlässt hinter Aue das Muldenthal und strebt im Schwarzwasserthal aufwärts. Links das grosse königl. Blaufarbenwerk Pfannenstiel, später die Dörfer Bernbach (links) und Lauter (rechts). Diese Dörfer mit Beierfeld nennt man kurz die Blechlöffeldörfer. Das Schmieden der Blechlöffel ist eine inter. Hausindustrie. Drei Mann stehen in der Regel am Feuer. Jeder Löffel wird einzeln ausgeschmiedet. Das Verzinnen und Polieren geschieht durch Frauen- und Kinderhände. In Lauter herrscht die Korbflechterei vor, mit der sich etwa 400 Personen befassen. Man fertigt Spahnkörbe und Ruthenkörbe, die letzteren gehen meist nach Süddeutschland. Hinter Lauter wird das Thal freier und zeigt einen sehr freundlichen Charakter.
Schwarzenberg. Rathskeller. Hotel de Saxe. Bauers Rest. am Ottenstein. 3500 Einw. Am Schloss 475 m ü. M. Klöppelei. Baumwollenspinnerei. Drahtzieherei. (Sehr inter. zu sehen; man zieht Draht bis zu den feinsten Sorten.) Korksohlenfabrik. Handschuhnäherei. Das alte Schloss, eine Slavengründung, mag dem 11. Jahrh. entstammen; es war in böhmischem Besitz bis zum Jahre 1459, da es als Heirathsgut einer böhmischen Königstochter (Sidonie) an Albrecht den Beherzten fiel, der einst in der Nähe Schwarzenbergs, am Fürstenberg durch den Köhler Rettung gefunden. »Albertstift«, nennt sich ein Rettungshaus für jugendliche Verbrecher.
Spaziergänge. Die Umgebung Schwarzenbergs ist an Promenaden und schönen Spaziergängen sehr reich und in neuerer Zeit hat sich der Gebirgsverein nach dieser Richtung besonders verdient gemacht. Sehr stark wird das reizend gelegene Bad Ottenstein mit Bauers Restaurant besucht. (Jetzt vorzugsweise Sommerfrische.) In der Nähe Promenaden durch Wald und Fels. (Auch Aussichtsthurm.) Die Todtensteinpromenade gewährt nicht minder schöne Landschaftsbilder. Vom Rockelmann und anderen umliegenden Höhen fesselnde Blicke auf Stadt und Umgebung.
Anmerkung. Der Gebirgsverein von Schwarzenberg, einer der regsamsten des Gebirges, beabsichtigt die Morgenleithe, einen doppelrückigen Höhenzug mit einem Aussichtsthurm zu versehen und hat als Provisorium einen Leitermast aufgestellt. 808 m ü. M. Man geht auf der Eibenstocker Strasse dahin. 5½ km. Der Aussichtspunkt liegt rechts der Strasse (Wegweiser.) Der Punkt liegt inmitten grossartiger Forsten und gewährt ein grosses Halbkreisbild, ähnlich und beinahe ebenso umfassend wie das vom Auersberg. Links schliesst dieses Bild der Auersberg, rechts schliessen es die Höhen bei Marienberg ab. Gegen Norden taucht am Horizont noch der Rochlitzer Berg auf. Inmitten dieses Rahmens liegt der ganze reichgeformte Nordabhang des Centralgebirges. Von den Bergen des Kammes sind sichtbar: der Hassberg, der Spitzberg bei Orpus, der Fichtelberg, der Spitzberg bei Gottesgabe und ferner die ausgedehnte Waldregion gegen Johanngeorgenstadt hin. 1½ km gegen Norden von dem Leitermast entfernt, erhebt sich ein Felsen, der wie eine Bastei über dem Bockauer Thalgrund aufragt. Schöner Blick auf die reichbewegte Landschaft mit dem Muldenthal, auf Zschorlau hinüber und auf das Schneeberger Schachtrevier mit dem Filzteich. Links davon liegt der Kuhberg bei Schönheide. (Von hier bis zur Station Bockau durch das Dorf Bockau 4½ km.) In der Nähe des Bockauer Bahnhofs beginnt die Flossgrabentour. Am Flossgraben entlang und dann nach Aue 7½ km.) Näheres Routennetz.
Wir dringen nun zu Fuss im Schwarzwasserthal aufwärts, (eine Bahn nach Johanngeorgenstadt ist bereits tracirt und wurde Frühjahr 1881 in Angriff genommen) und gelangen in die Schwarzenberger Eisenregion. Bermsgrün bleibt rechts, Crandorf und Grosspöhla links, Erla liegt am Wege.
Anmerkung. Der treffliche Eisenstein, der in dieser Gegend gefunden wird, kommt hier in Hohöfen zur Verhüttung und das gewonnene Eisen auch zum Theil an Ort und Stelle zur Verarbeitung. Man sehe zu, Zeuge zu werden, wenn ein Hohofen zum Abstich gelangt. In feurigen Rinnsalen schiessen die glühenden Ströme den Formen zu, in denen sie zu sogenannten »Gänzen« erhärten. Die Hammerschmiede sind ein lustiges Völkchen, sorglos, treuherzig, zu Schwänken geneigt. Die Bermsgrüner, aus dem bairischen Fichtelgebirge eingewandert, haben noch heut ihre eigenen Sitten nicht ganz aufgegeben und gelten als die muntersten. (Merkwürdiger Dialekt.)
Auf der Weiterwanderung passiren wir die Antonshütte, ehemaliges königl. Hüttenwerk. Grossartige Wasserkraft durch Turbinenbetrieb. Magnetenberg 755 m. Einer starken Krümmung des Schwarzwassers folgend, streifen wir den unteren Theil von Breitenbrunn. (Hohöfen.) Hinter Breitenbrunn beginnt der Granit. Die Strasse steigt mehr und mehr und die Thalgehänge werden niedriger; wir gelangen auf die Kammhöhe. Hier liegt am Fastenberg
Johann-Georgenstadt. Rathskeller. Hotel de Saxe. 4400 Einw. Am Gerichtsamt 748 m ü. M. Der Bergbau ist mehr und mehr zum Erliegen gekommen; jetzt treibt man Kunsttischlerei, Handschuhnäherei, Bandzäckchenfabrikation. Johann-Georgenstadt ist die jüngste Stadt des Erzgebirges, ihre Gründung verdankt dieselbe der jesuitischen Unduldsamkeit, welche unter Kaiser Ferdinand III. in Oestreich florirte; entgegen dem Vertrag wurden die letzten Protestanten aus dem nahen Platten und aus Gottesgabe vertrieben. Kurfürst Johann Georg erbarmte sich ihrer und gab ihnen Grund und Boden auf dem Fastenberg und bald entstand die junge Bergstadt. Das Denkmal Johann Georgs schmückt den hübschen Marktplatz. Am Schillerbrunnen auf dem Markt rettete sich während des grossen Brandes eine Frau vom sicheren Flammentode dadurch, dass sie sich durch ununterbrochene kalte Douchen vor dem Anbrennen schützte; sie war rings von brennenden Holzgebäuden eingeschlossen. Bei jenem Brand am 19. Juli 1867 wurde die Stadt bis auf wenige Häuser verzehrt, doch ist sie weit schöner aus der Asche wieder erstanden. Die neugoth. Kirche ist von Baumeister Arnold. Im Thale unter der Stadt liegt Wittichsthal, eine Zoll- und Durchgangsstätte für Karlsbadreisende.