Kleine Ausflüge. Nach den barocken Felspartien Teufelskanzel, Schneiderfels und Hefenklöse, wie nach dem Teufelsstein im Steinbachthale. Dieser Stein gleicht in der That einer grotesken Höllenburg mit Felsenthürmen und Zinnen.
Anmerkung. Eine inter. Strasse führt von Johann-Georgenstadt an grossen Torfmooren vorüber nach Steinbach. (850 m.) Hier liegt im Forsthaus der Schlüssel zum Thurm des Auersbergs. Bis zum Gipfel 8 km.
Nach der entgegengesetzten Richtung führt ein inter. Weg im Schwarzwasserthal aufwärts. Anmuthige Partien an dem wilden Gewässer, das hier über grosse Felsblöcke schäumt und braust, und ein echtes Bergwasser von Gebirgsscenerien umgeben darstellt. Wir berühren die Orte Jungenhengst und Zwittermühl und erreichen in Seifen den höchsten Kammzug des Erzgebirges, der bis zu 1050 m ansteigt. Die Strasse läuft auf diesem frostigen Plateau mit dem Plattengraben parallel. Die Rauhheit des Klimas findet erst im höchsten Norden Europas ebenbürtige Rivalen. Ackerbau ist ganz unmöglich. Am sogenannten Plattenberg finden sich sogar Bingen, in denen uralter Schnee lagert. Auch soll die isländische Zwergbirke hier und da zu finden sein. Nachdem der Gottesgaber Spitzberg (rechts) passirt ist, gelangt man nach Gottesgabe, s. [S. 106]. Ganze Wegstrecke 16 km. (Der Spitzberg, jetzt bewachsen, gewährte früher umfassende Blicke auf Böhmen.)
Der Tour treu wandern wir am Breitenbach aufwärts die Strasse nach Platten. Unterwegs passiren wir die Dreckschenke, ein vielbesuchtes Wirthshaus, das seinen populären Namen dem ehemals schlechten Zustand der Strasse zu verdanken hat.
Platten. Zum Rathhaus. Weinschank. 2600 Einw. 887 m ü. M. Platten hat in neuerer Zeit kein Brandunglück erlebt und giebt daher wie Katharinenberg und Kupferberg noch das Bild eines früheren erzgeb. Bergstädtchens. (So sahen sie alle aus.) Löffelschmiederei. Handschuhnäherei. Platten war mit der Herrschaft Schwarzenberg sächsisch geworden, doch fiel es bei späterer Grenzregulirung an Böhmen zurück. Am südöstl. Eckhaus des Marktplatzes ist noch ein kursächsisches Wappen zu sehen. Am Plattenberg liegen die Schneebingen, verlassene Zinnbergwerke, in denen der Schnee nie zum Schmelzen gelangt.
Bäringen, unser nächstes Ziel, ist ein armseliges Bergstädtchen mit 1200 Einw. Spitzenklöppelei. Weberei. Eigenartig ist hier die Zucht und Dressur von Gimpeln; die Thiere werden nach einem Leierkasten angelernt, wozu nichts erforderlich ist, als ein langes unverdrossenes Ableiern ein und desselben Stückes. Besonders gelehrige Thiere erlangen Preise bis zu 20 fl.; »reine Pfeifer« sind indess selten.
Von hier führt die Strasse am Bäringer Bach abwärts nach Lichtenstadt, das bereits am Fusse des Erzgebirges liegt. Am Gebirgshang inter. Judenkirchhof mit schöner Aussicht auf das weite Egerthal. Von hier über das grosse Kirchdorf Zettlitz. Guter billiger Gasthof. Die Zettlitzer Wallfahrtskirche ist der hl. Anna geweiht. In der Nähe Tagebaue von Braunkohlen, die zum Theil in Brand gerathen sind.
Carlsbad siehe [Seite 99].
49. Zwickau-Aue (29 km). Grünhain (8½ km). Elterlein (5 km). Annaberg (11 km). Weiter nach dem Kamme zu oder in die Olbernhauer Gegend siehe Routennetz.
Von Aue (siehe Routennetz) wenden wir uns, am Blaufarbenwerk vorüber, nach Oberpfannenstiel. Schöne Waldstrasse. In der Nähe von Oberbernsbach, das wir nicht streifen, herrliche Aussicht auf das Schwarzwasserthal und nach dem Obererzgebirge hinauf.