Kleine Ausflüge von Schneeberg. Nach dem Gleesberg (mit Aussichtsthurm). 570 m ü. M. Thurm 13 m. Man geht vom Markt den Stangenberg hinab, wo Wegweiser die weitere Führung übernehmen. Sehr schöne Rundschau, in welcher Sehma-, Schwarzwasser- und Muldenthal, das ganze Centralerzgebirge, die Abdachung nach Zwickau hinab und die Bergwerksregion mit dem Filzteich und die Waldgegenden nach Eibenstock und Schönheide hinauf einbegriffen sind.
Anmerkung. 2 km von Thurm entfernt liegt im Süd-Süd-Ost der »Gemauerte Stein«. Man kann von diesem Punkte aus direct hinab nach Auerhammer oder an den Flossgraben gehen und die Flossgrabentour beginnen. (S. [S. 134].)
Ferner lohnt sich ein Gang durch das Schneeberger Schachtrevier nach dem Filzteich. Der Teich mit seinem klaren Bergwasser gleicht einem anmuthigen Bergsee, wenn auch die Ufer nicht steil sind. 1785 brach der Damm, die Wasser ergossen sich mit einem Male in die Thäler hinab und richteten namentlich in Zschorlau viel Unheil an. Er dient zum Bergwerksbetrieb. Einen hübschen Ueberblick über den Teich gewährt schon die Halde am Schacht Siebenschlehen.
Wer nicht über den Gleesberg nach Aue geht, benutzt die aussichtsreiche Strasse dahin. Von der Brünnlasschenke anmuthige Rückblicke auf Schneeberg mit seinem stolzen Seminarbau. Hinter dieser Schenke thut sich das Auer Thalbild auf.
Aue s. [S. 120].
Flossgrabentour. An der Mulde aufwärts bei Auerhammer beginnt die Granitregion, wenigstens liegt hier viel Granitgeröll. In Auerhammer Geitners Argentanfabrik, in der man das glänzende Metall nicht nur in den Schmelzöfen herstellt, sondern auch zu Draht und zu Blechen verarbeitet. Den Flossgraben, der vor uns hoch oben am Berge fliesst, erreichen wir auf einem der vielen Wege, die aufwärts führen. (Am sichersten an der Lange'schen Villa vorüber.) Sobald der Graben erreicht, haben wir an ihm einen sicheren Führer durch das wildromantische Muldenthal, durch das auch die Eisenbahn sich ihre Wege gebrochen. Rechts fliesst der Graben und hohe Berghänge mit Felsgruppen erheben sich über uns, links rauscht in der Tiefe die Mulde und dicht am Wege erheben sich alte Baumcolosse und beschatten den schönen Pfad. Den grossen Bogen des Thales, den die Eisenbahn durch einen Tunnel abschneidet, können auch wir durch einen Pfad über die vorspringende Bergnase abkürzen. Unser Pfad senkt sich dann scheinbar allmählig und erreicht am Rechenhaus das Niveau der Mulde. Hier liegt der Bahnhof Bockau.
Bockau (vom Bahnhof bis zur Kirche 3½ km). Zur Sonne, 2100 Einw. Die Einwohner betreiben noch heute den Bau medicinischer Kräuter. (Angelicawurzel, Baldrian, Rhabarber, Huflattig.) Von dem sogenannten Schneeberger Schnupftabak (in Frankreich bekannt unter dem Namen: Tabacco de Montblanc) gehen noch alljährlich 20 000 Schachteln von Bockau in die Welt hinaus; man fertigt ihn aus Veilchen, Niesswurz und Wiesenkräutern. Die alten geheimnisskrämerischen Arzneihändler aus Bockau mit ihren »Buckelapotheken« haben den modernen medicinal-polizeilichen Bestimmungen weichen müssen. Jetzt werden viel Glacehandschuhe hier gefertigt.
Anmerkung. 3½ km oberhalb Bockau liegt die Morgenleithe (s. [S. 121]). Wer nach Schwarzenberg will, kann den schönen Aussichtspunkt ohne sonderlichen Umweg mit aufsuchen.
Von Bockau ab Eisenbahnfahrt oder auch Fusstour am rechten Muldenufer (Mulde zur Linken) über Blauenthal, wo man das Thal verlässt und die alte Strasse hinauf nach Eibenstock wandert.