Franzensbad. British Hotel. Neues Kurhaus. Hotel Müller. Stadt Frankfurt. Post. Hübners Hotel. Stadt Leipzig. Erzherzogin Gisela (für Touristen zu empfehlen). Bahnhofsrest. Rest. zum Brandenburgerthor. Die Badestadt, 1793 erst begründet, bildet fast ein Quadrat und liegt auf einer moorigen Hochebene, die ohne landschaftliche Reize ist, doch hat die Menschenhand in Bezug auf Anlagen und Anpflanzungen der kargen Natur mit Glück nachgeholfen. Trotz der wenig schönen Gegend und trotzdem, dass es viele ebenso wirksame Quellen in glücklicheren Lagen giebt, ist doch Franzensbad eines der ersten Luxusbäder Oesterreichs; es ist vorwiegend ein Frauenbad und das Verhältniss der männlichen Kurgäste verhält sich zu den weiblichen wie 1 zu 3. Sämmtliche Heilquellen (Salz-, Franzens-, Wiesen-, Neu-, Stahl- und Louisenquelle), mit Einschluss des sogenannten kalten Sprudels sind eisenhaltige Glaubersalzwässer mit starkem Gehalt an Kohlensäure. 20 Badeärzte. Circa 8000 Badegäste. Ein Bad in einem der vier grossen öffentlichen Bäder kostet 1 fl. 20 kr., nach 2 Uhr die Hälfte.

Das Badeleben, das einen zuweilen frappirenden Luxus aufweist, entwickelt sich ganz besonders Nachmittags im Stadtpark zwischen 4 und 7 Uhr, wobei die Frauen in den schönsten Toiletten brilliren.

Kurconcerte finden statt: An der Salzquelle von früh 6 bis 7 Uhr, an der Franzensquelle 7 bis 8 Uhr, im Stadtpark Nachmittags von ½5 bis ½7 Uhr. Tanzvergnügen für Badegäste Abends im Kursaal, Sinfonieconcerte in Müllers Hotel.

Sehenswürdigkeiten. Hier sind vor Allem zwei Strassen, die Kaiserstrasse und die Morgenzeile zu nennen, die durch luxuriöse Kaufläden mit ihrem erstaunlichen Prunk und bedenklichen Preisen mit den Läden der Hauptstrassen in Weltstädten wetteifern. Das neue Kurhaus gehört zu den prunkvollsten modernen Renaissancebauten. Im Stadtpark besichtige man das Broncestandbild Kaiser Franz I., welches Schwanthaler modellirte. Schöne neue Kirchenbauten sind die der katholischen wie der evangelischen Gemeinde. (Auch sehenswerthe Synagoge.) Das Sachsenmonument, unfern der Franzensquelle, trägt folgende Inschrift:

Herrlicher Quell, göttliche Gabe,
Bleib kräftig und hell, stärke und labe
Durch verminderten Körperschmerz
Auch das ermattete kranke Herz,
Bis die letzten Frommen
Zum Urquell ew'ger Genesung kommen.

In Loimanns Privatgarten stehen das Adler- und das Limbeckdenkmal. Das erstere ist dem Brunnenarzt Dr. Adler, das zweite dem Egerer Bürgermeister Limbeck gewidmet. (Beides um Franzensbad verdiente Männer.)

Der Umweg nach Eger über den interessanten Schlackenberg, den Kammerbühl, lohnt sich sehr wohl; er liegt im Süden der Stadt (2 km) und erscheint eigentlich nur als ein Hügel. Der Berg ist zweifellos ein erloschener Vulkan, doch haben die regelmässigen Schichtungen seiner Schlacken das Aussehen, als seien sie angeschwemmt. Auf Göthe's Wunsch hin liess Graf Sternberg einen jetzt wieder verfallenen Stollen in den Berg treiben, und man nimmt nun an, dass die Eruptionen unter dem Wasser stattgefunden haben, wodurch allerdings die neptunische Regelmässigkeit der Lavaschichten erklärt wäre. Vom Kammerbühl nach Eger 3 km.

Eger. Kaiser Wilhelm. Bahnhofshotel. Kronprinz Rudolph. Zwei Erzherzöge. Erzherzog Stephan. Zur Sonne. Rest. Kremlings Bastei mit Aussicht auf das schöne Egerthal. Härtels Rest. Zum Schustersprung. Adlers Garten. Brauhaus zu St. Clara an der Franziskanerkirche. Café Postorius. Flussbäder und Wannenbäder an der Eger. Mit Einschluss der Garnison 14 000 Einw. Die vielthürmige Stadt mit ihren alten Gebäuden und engen Gassen giebt im Innern ein echt mittelalterliches Städtebild, doch ist dasselbe von einem weiten Kranz moderner freundlicher Gebäude umlagert.

Geschichtliches. Eger am Knotenpunkt grosser Heerstrassen und am Fusse mehrerer Gebirge gelegen, war schon im frühesten Mittelalter eine höchst wichtige Stadt, wie es jetzt mit seinen 5 Eisenbahnlinien noch immer der Centralpunkt eines grossen Landstriches ist. Als Festung erhielt sie besondere Bedeutung durch ihre Lage an drei Grenzen. Unter den Böhmerkönigen Wenzel und Podibrad fanden Reichstage zu Eger statt. Albrecht der Beherzte verlobte sich zu Eger mit einer böhmischen Königstochter. In den Hussitenkriegen war sie ein Hauptwaffenplatz des Kaisers Sigismund, der hier seine Armeen schlagfertig machte. Im schmalkaldischen Krieg sammelte Kaiser Karl V. eine grosse Armee zu Eger, Wallenstein machte sie zu einem Heerd seiner verheerenden Kriegszüge und so gingen Kriegsdrangsale und Brände in langer Reihenfolge über die Stadt dahin, ohne sie dauernd zu schädigen; dies gelang erst unter Kaiser Ferdinand II., welcher gestattete, dass seine Jesuiten die reichsten und intelligentesten Bürger ihrer evangelischen Glaubenstreue wegen vertreiben durften.

Sehenswürdigkeiten. Das Stadthaus am Ring zählt zu den inter. historischen Stätten des Landes. Hier wurde am 25. Febr. 1634 Wallenstein durch den Irländer Deveroux ermordet. Derselbe Raum, in dem der grosse Feldherr im Schlaf überfallen wurde und die anstossenden Räume bergen jetzt das Egerländische Museum (Eintritt 20 kr.). Man zeigt viele Gegenstände, die sich auf Wallenstein beziehen, so eine der Partisanen, mit welcher er erstochen wurde, ferner ein Portrait des Friedländers, das überaus ernste, harte Züge aufweist und mehrere freilich sehr kunstlose Gemälde, welche die Mordscene darstellen, aber dadurch Interesse gewinnen, dass sie kurz nach der That gemalt, also wenigstens den Glauben an historische Treue beanspruchen dürfen. Ausserdem viele Waffen, Standarten, kunstvolle Schlosserarbeiten, alte Stadtpläne und Ansichten von Eger, originelle Kleidertrachten aus dem Egerland, Einrichtungen von bäuerlichen Wohn- und Schlafstuben, alte, kunstgewerblich-werthvolle Uhren etc., egerländische Mineralien- und Insektensammlung. Das Stadthaus selbst ist inter. durch alte Kreuzgewölbe, Holztreppen etc. Im Hof liegen 300 Steinkugeln, ein Geschenk Kaisers Ferdinand I.