„Das ist natürlich,“ erklärte Frau Wera. „Aber teuer finde ich diese Dienstleistungen trotzdem nicht; wir haben im Vorjahre alles in allem zweiunddreißig Pfund Sterling für Bedienung gezahlt.“

„Wie ist das möglich?“ fragte ich. „So hoch kommt ja in Europa trotz der miserablen Löhne der letzte Diener zu stehen.“

„Weil ein europäischer Diener“ — erklärte Karl — „alles mit seinen Händen verrichtet, während unsere Leute alles durch Maschinen besorgen. Diese Maschinen gehören teilweise zur Einrichtung des Hauses, teilweise werden sie von den Angestellten der Gesellschaft mitgebracht, teilweise nehmen diese die Gegenstände mit sich und vollbringen deren Reinigung in ihrer Anstalt vermittelst der dort vorhandenen Apparate.“

„Ich bin jetzt ganz darauf gefaßt, zu hören,“ sagte ich, „daß diese allgegenwärtige Gesellschaft für Dienstleistungen Ihnen, verehrte Frau, auch die Last der Wartung und Pflege Ihres Kindes von den Schultern nimmt.“

„Mit Verlaub, das besorge ich in der Regel doch selbst,“ war die Antwort. „Aber völlig auf mich angewiesen bin ich dabei keineswegs, und wenn ich wollte, könnte ich die ganze Mühe von mir abwälzen. Es besteht nämlich auch eine Gesellschaft weiblicher Pflegerinnen eigens zu dem Zwecke, um Frauen, die infolge von Krankheit oder Schwäche auf weibliche Unterstützung angewiesen sind, solche jederzeit bieten zu können. Diese Gesellschaft ist der Hauptsache nach geradeso organisiert, wie die Association für persönliche Dienstleistungen; sie hat ebenfalls ihre Wachtstuben, man kann sich auch mit ihr wegen regelmäßiger Dienstleistungen in Verbindung setzen, und ich brauchte mich daher um mein Kind nicht mehr zu kümmern, als dies, wie ich aus meiner Kindheit weiß, europäische Damen zu thun pflegen. Dies widerspräche jedoch meinen Neigungen. Bis vor wenigen Monaten hatte die Frauengesellschaft allerdings ziemlich viel auch in unserem Hause zu thun, und wenn es Sie interessiert, kann ich Ihnen mitteilen, daß mich die zur Wartung meines Knaben in dessen erstem Lebensjahre in Anspruch genommene Hilfe siebenundzwanzig Pfund Sterling kostete; jetzt aber haben diese Helferinnen so gut als nichts bei mir zu thun; das Pflegen und Warten meines Kindes ist mein Geschäft.“

„Also tragen Sie Ihr Kind, das ja mit vierzehn Monaten noch schwerlich weite Ausflüge machen kann, bei Ihren Ausgängen, oder schieben Sie es im Rollwägelchen vor sich her?“ fragte ich.

„Bewahre! Wozu hätten wir denn die Krippe und den Kindergarten in der Nachbarschaft? Wenn ich ausgehe, gebe ich meinen Kleinen dorthin, wo er unter vortrefflicher Pflege und Aufsicht steht. Doch auch, wenn ich zu Hause bin, lasse ich Paulchen tagsüber sehr viel dort, denn man will, man sei noch so zärtliche Mutter, etwas für sich selber thun, lesen, sich unterhalten, am öffentlichen Leben teilnehmen u. s. w., wobei Kinder stören; aber den größten Teil der Zeit behalte ich ihn unter meinen eigenen Augen.“

„Sie sprachen vorher von den Mitgliedern der Frauengesellschaft, die solcherart Geld verdienen; wie ich zu wissen glaube, haben alle Frauen Freilands Anspruch auf Versorgung durch das Gemeinwesen — wozu brauchen also die fraglichen Frauen derartigen Verdienst?“

„Freilich besitzt jede freiländische Frau Versorgungsrecht; aber unter diesem Titel wird nicht mehr gezahlt, als drei Zehntel des Durchschnittsverdienstes eines freiländischen Arbeiters und es giebt eben Frauen, die mehr haben wollen; außerdem mag bei vielen der Wunsch ausschlaggebend sein, sich irgendwie außer Hause zu beschäftigen, und da es nicht jedem gegeben ist, dies auf dem Gebiete geistiger Thätigkeit zu thun, so liegt den meisten Frauen nichts näher, als die Pflege hilfsbedürftiger Mitschwestern und Kinder. Jene Frauen, die das Zeug zu geistiger Thätigkeit in sich verspüren, wählen mit Vorliebe den Beruf der Lehrerin, was natürlich nicht ausschließt, daß alle anderen Berufe ihnen eben so offen stehen.“

Unter diesen Gesprächen war es sieben Uhr abends geworden und es erschien ein Angestellter der Speisegesellschaft mit der Meldung, daß das Abendmahl angelangt sei.