„Allerdings,“ erklärte ich. „Aber abgesehen davon, daß ich darin, wenn an die Benutzung einer aller Welt gehörigen Sache die Bedingung geknüpft wird, deren Gebrauch müsse aller Welt zugänglich sein, kein Unrecht zu erblicken vermag, abgesehen davon ist es gar nicht das, was irgendwen hindert, auf eigene Faust zu arbeiten Sollte sich ein Sonderling finden, der Lust bezeugte, eine Arbeit für sich allein zu betreiben, so würde wohl alle Welt hier über ihn verwundert den Kopf schütteln, sich aber schwerlich jemand finden, der sich ihm zu dem Zwecke aufdrängte, an seiner Thorheit teilzunehmen.“

„Was man nicht alles lernt, wenn man alt genug wird!“ rief Professor Tenax. „Also auf eigene Faust zu arbeiten, ist eine so unermeßliche Thorheit, daß hier in diesem Lande der alles durchdringenden Vernunft sich niemand findet, der derselben fähig wäre? Merkwürdig nur, daß wir da draußen all die Jahrtausende unserer bisherigen Kultur hindurch just das Gegenteil von dem vor uns sahen, was hier mit einemmale als das einzig Mögliche hingestellt wird. Möchten Sie mir nicht erklären, woher dieser Umschwung in den Anschauungen und Neigungen der Menschen hier so urplötzlich eingetreten ist?“

„Es ist das kein Umschwung der Anschauungen und Neigungen, sondern ein solcher der äußeren Existenzbedingungen,“ antwortete Karl. „Auch da draußen würde jedermann lieber mit vereinten Kräften mehr und besseres, als vereinzelt weniger und schlechteres erzeugen, wenn er nur die Mittel dazu hätte, nämlich das zu großer Produktion erforderliche große Kapital. Hier wo diese Möglichkeit für jedermann gegeben ist, zwingt den Arbeiter sein eigener Vorteil, sich einer großen Vereinigung von Arbeitskräften anzufügen, weil er nur in dieser Vereinigung jene großartigen Arbeitsbehelfe handhaben und ausnutzen kann, die den Ertrag seiner Arbeit verzehnfachen und verfünfzigfachen.“

Abermals wechselte Professor Tenax das Thema und fragte, schon einigermaßen gereizt, ob wir denn auch rechtfertigen könnten, daß Produzenten, die unter allem erdenklichen Aufwande von Fleiß und Geschicklichkeit ihr Geschäft in Blüte gebracht hätten, durch die sogenannte Freizügigkeit der Arbeitskräfte gezwungen würden, jeden Unhold in ihrer Mitte aufzunehmen, der ihnen die Ehre erweisen wolle, an den Früchten ihrer Arbeit teilzunehmen. „Wenn ich nicht einmal das Recht habe, mir die Genossen meiner Arbeit nach meinem Geschmacke auszuwählen, so ist das nicht Freiheit, sondern Galeerensklaverei.“

„Also wählen sich in der bürgerlichen Welt die Arbeiter ihre Genossen nach ihrem Geschmacke?“ fragte nun ich, Spott mit Spott zurückgebend. „Davon habe ich in europäischen Fabriken nichts bemerkt.“

„Aber in Europa hat wenigstens der Arbeitgeber oder dessen Stellvertreter das Recht, sich die Leute anzusehen, bevor er sie aufnimmt.“

„Richtig. Doch thut er dies nicht auf ihre Liebenswürdigkeit und ihre gefälligen Umgangsformen hin, sondern sieht sie bloß darauf an, ob sie ihm für die Arbeit, zu welcher sie sich anbieten, geeignet erscheinen oder nicht; das thun unsere Direktoren auch, und der Unterschied liegt bloß darin, daß diese unsere Direktoren, welche zwar nicht über die Aufnahme, wohl aber über die Verwendung jeglicher Arbeitskraft zu entscheiden haben, Beauftragte nicht eines den Arbeitern fremd und kalt gegenüberstehenden Arbeitgebers, sondern der Arbeiter selbst sind. Schlimmer also, als in der bürgerlichen Welt, ist es bei uns in diesem Punkte auf keinen Fall.“

„Aber auch nicht um vieles besser,“ knurrte Professor Tenax; „und ihr rühmt euch doch, die beste aller Welten eingerichtet zu haben.“

„Daß ich nicht wüßte,“ erklärte Karl. „Wir glauben, die den derzeitigen Existenzbedingungen der Menschheit entsprechende bestmögliche Ordnung eingeführt zu haben; das absolut Beste, an und für sich Vollkommene zu erreichen, überlassen wir den Göttern. Solange die Menschen nicht Engel geworden sind — und wir maßen uns nicht an, sie dazu machen zu können — werden sie etwaige Folgen ihrer Fehler zu ertragen haben. Und wenn daher einzelne Genossen nicht in allen Stücken eines Herzens und eines Sinnes mit den übrigen sind, so müssen das beide Teile als etwas Unabwendbares hinnehmen, ohne sich das Recht anzumaßen, um dieser mangelnden vollkommenen Harmonie willen den andern Teil in seinem Rechte zu kränken.“

„Aber begreifen Sie denn nicht,“ rief Professor Tenax, „daß es unter Umständen geradezu unleidlich werden kann, sich an Personen gekettet zu sehen, die einem — gleichviel aus welchem Grunde — nun einmal zuwider sind?“