Zum Betriebe der in dieser Landwirtschaft in Gebrauch stehenden Maschinen wurde zwar vorläufig noch Dampfkraft verwendet; es war aber die Herstellung einer großartigen elektrischen Kraftanlage im Werke, die künftighin die Dampfmotoren überflüssig machen sollte. Die Triebkraft für die elektrischen Dynamos lieferte der Danafluß, der, verstärkt durch zwei mächtige Gebirgsbäche, die sich unterhalb des großen Wasserfalls mit ihm vereinen, am unteren Ende des Tafellandes, welches wir seiner Bestimmung entsprechend, Kornland genannt hatten, in einer Reihe gewaltiger Stromschnellen und Katarakte dem Tieflande zueilt. Und zwar wurde zu Zwecken der Betriebe von Kornland nicht etwa der große Wasserfall von 90 Meter Fallhöhe am Ausgange des Danaplateaus benutzt, sondern eben jene Stromschnellen und kleineren, aber zahlreichen Katarakte, von denen soeben die Rede gewesen. Diese ergeben insgesamt eine Fallhöhe von 265 Metern, und da der Fluß hier bereits gewaltige Wassermassen führt, so war durch entsprechende Kombination von Turbinen und elektrischen Kraftmaschinen ein Gesamteffekt von 5 bis 600000 Pferdekräften zu erzielen, weit mehr, als zur Bewirtschaftung des gesamten Bodens von Kornland selbst bei intensivster Kultur erforderlich sein konnte. Die für das nächste Jahr veranschlagten Kraftanlagen waren auf 40,000 indizierte Pferdekräfte berechnet. Gut isolierte, starke Kupferstränge sollten die von 20 riesigen Turbinen auf 200 Dynamomaschinen erzeugten elektrischen Ströme in die Wirtschaftsgebäude und über den zu bewirtschaftenden Boden leiten, wo die in diesen Strömen abgelagerte Kraft alle landwirtschaftlichen Arbeiten — vom Pflügen angefangen bis zum Dreschen, Reinigen und Transportieren des Getreides — zu vollbringen hatte. Denn auch ein Netz elektrischer Bahnen gehörte mit zum Systeme dieser landwirtschaftlichen Anlage.
Der große Danakatarakt aber mit seiner, auf 124000 indizierte Pferdekräfte berechneten Wasserkraft diente zunächst elektrischen Beleuchtungszwecken in Edenthal und in den am Danaplateau gelegenen Städten. Einstweilen genügten zu öffentlichen Beleuchtungszwecken 5000, auf 35 Meter hohen Masten angebrachte Kontaktlampen von je 2000 Kerzen Lichtstärke, die insgesamt 12000 Pferdekräfte erforderten; zur Beleuchtung der Wohnhäuser und einzelner, auch bei Nacht in Betrieb stehender Fabriketablissements standen 420000 Glühlampen in Verwendung, die 40000 Pferdekräfte beanspruchten, so daß insgesamt 52000 Pferdekräfte von den elektrischen Kraftmaschinen am großen Katarakte erzeugt werden mußten, die jedoch tagsüber auch zum Betriebe eines Eisenbahnnetzes von insgesamt 340 Kilometer Ausdehnung Verwendung fanden, welches die Hauptverkehrsadern und belebteren Straßenzüge im Danaplateau und in Edenthal durchzog. Bloß abends und nachts, wenn die Beleuchtung funktionierte, mußte der Eisenbahnbetrieb aus besonderen, einige tausend Pferdekraft abgebenden Dynamos gespeist werden. Im ganzen waren solcherart nahezu zwei Fünfteile der verfügbaren Gesamtkraft bis zum Schlusse des fünften Jahres von Freiland zur Ausnutzung gelangt; die noch erübrigenden drei Fünfteile blieben vorläufig noch unverwendet und bildeten die Reserve für zukünftige Verwendungsarten der gleichen Kraftquelle.
Ebenfalls in das vierte und fünfte Jahr Freilands fiel der Ausbau eines Kanalnetzes und mehrerer Wasserleitungen, für Edenthal sowohl als für das Danaplateau. Ersteres diente bloß zur Abfuhr der Meteorwässer in den Dana, während das Spülwasser und der Unrat durch ein System pneumatischer Aufsaugung vermittelst mächtiger Saugwerke in gußeisernen Röhren abgeleitet, dann desinfiziert und als Dünger verwertet wurden. Die Wasserleitungen wurden unter Benutzung der besten Hochgebirgsquellen mit einer Leistungsfähigkeit von vorläufig 1 Million Hektoliter täglich angelegt und sowohl zur Speisung zahlreicher öffentlicher Brunnen, als auch zur Einleitung in sämtliche Privathäuser benutzt. Durch Einbeziehung neuer Quellen war die Ergiebigkeit dieser Leitung in kurzer Frist zu verdoppeln und zu verdreifachen. Gleichzeitig waren alle Straßen makadamisiert worden, so daß nach jeder Richtung für die Reinlichkeit und Gesundheit der jungen Städte bestens vorgesorgt war.
Die Unterrichtsverwaltung hatte inzwischen nicht minder gewaltige Anstrengungen gemacht. Es hatte sich eine dahingehende öffentliche Meinung entwickelt, daß die Jugend von Freiland ohne Unterschied des Geschlechts und späteren Berufs einen Unterricht zu genießen habe, der mit Ausnahme der lateinischen und griechischen Sprachstudien demjenigen ungefähr entsprechen solle, der beispielsweise in den sechs ersten Gymnasialklassen Deutschlands erteilt wird. Zu diesem Behufe sollten Knaben wie Mädchen vom 6. bis 16. Jahre die Schule besuchen, wo sie nach Erledigung der Elementarkenntnisse in Sprachlehre, Litteraturgeschichte, Geschichte, Kulturgeschichte, Physik, Naturgeschichte, Geometrie und Algebra unterwiesen wurden.
Nicht minderes Gewicht als auf die geistige und moralische wurde auf die körperliche Ausbildung gelegt, ja es war Grundsatz in Freiland, daß letztere vorauszugehen habe, indem ein gesunder harmonisch entwickelter Körper die Voraussetzung eines gesunden, harmonisch entwickelten Geistes sei. Und auch bei der geistigen Ausbildung wurde weniger auf die Ansammlung von Kenntnissen, als auf die Anregung des jungen Geistes zu selbständigem Denken gesehen, daher nichts ängstlicher und sorgfältiger gemieden ward, als Überbürdung mit geistiger Arbeit. Kein Kind sollte — die häuslichen Repetitionen mit eingerechnet — länger als höchstens 6 Stunden täglich geistig beschäftigt sein; die Unterrichtsstunden für alle geistigen Lehrfächer waren daher auf 3 Stunden täglich beschränkt, während 2 andere Schulstunden täglich körperlichen Übungen — dem Turnen, Laufen, Tanzen, Schwimmen, Reiten, bei Knaben außerdem dem Fechten, Ringen und Schießen — gewidmet wurden. Ein fernerer Grundsatz des freiländischen Unterrichtswesens war, daß auch die Kinder so wenig wie die Erwachsenen zur Thätigkeit gezwungen werden sollten; einer zielbewußten, konsequenten und in ihren Mitteln nicht beschränkten Pädagogik — so meinten wir — könne es unmöglich schwer fallen, das lenkbare Kindergemüt zu freiwilliger und freudiger Erfüllung vernünftig bemessener Pflichten zu bringen. Und auch darin gab uns die Erfahrung Recht. Unsere Unterrichtsleitung mußte es sich zwar in hohem Grade angelegen sein lassen, den Unterricht anregend zu gestalten; nachdem ihr dies aber einmal gelungen war, lernten unsere Jungen und Mädchen in der halben Zeit doppelt so viel und gründlich, als ihre physisch und geistig mißhandelten europäischen Altersgenossen. Der Unterricht wurde — abermals aus Rücksichten der Gesundheit — so weit nur immer möglich im Freien erteilt. Die Schulhäuser waren daher sämtlich entweder inmitten großer Gärten oder am Waldessaum errichtet, und die naturwissenschaftlichen Disziplinen wurden regelmäßig, andere häufig, mit Ausflügen in die Umgebung in Verbindung gebracht. Dafür bot aber auch unsere Schuljugend ein anderes Bild, als wir es in der alten Heimat und insbesondere in deren Großstädten zu sehen gewohnt waren. Rosige, von Gesundheit, Kraft und Lebensfreude strotzende Gesichter und Gestalten, Selbstvertrauen und sichere Intelligenz aus jeder Miene, aus jeder Geberde hervorleuchtend — so traten unsere Kinder in den Ernst des Lebens ein.
Natürlich erforderte eine derartige Organisation des Unterrichts ein sehr zahlreiches und tüchtiges Lehrpersonal. In der That kam in Freiland durchschnittlich schon auf je 15 Schulkinder je eine Lehrkraft, und um die Auswahl unter den besten Intelligenzen des Landes zu haben, mußten hohe Gehalte gezahlt werden. Für die vier ersten Klassen — in denen überwiegend Mädchen oder junge Witwen unterrichteten — betrug der Jahresgehalt zwischen 1400 bis 1800, für die sechs anderen Klassen — in denen hinwieder die männlichen Lehrkräfte überwogen — 1800 bis 2400 Stundenäquivalente; im fünften Jahre der Gründung waren das, in Geld umgerechnet, Gehalte zwischen 350 und 600 Pfd. Sterling.
Aber auch mit seinem sehr umfangreichen Bedarfe an höheren Intelligenzen wollte Freiland auf eigenen Füßen stehen. Es wurde daher schon im dritten Jahre eine Hochschule errichtet, an welcher sämtliche Wissenszweige, die in Europa an Universitäten, Akademien und technischen Lehranstalten gelehrt werden, gesammelt vertreten waren. Alle Lehrfächer waren mit einer Freigebigkeit ausgestattet, von welcher man außerhalb Freilands kaum eine Vorstellung besitzt. Unsere Sternwarte, unsere Laboratorien und Sammlungen verfügten über geradezu unbegrenzte Mittel und kein Gehalt war zu hoch, um eine glänzende Lehrkraft heranzuziehen und festzuhalten. Das nämliche gilt von den technischen und nicht minder von den landwirtschaftlichen und merkantilistischen Lehrkanzeln und Lehrmitteln unserer Hochschule. Der Unterricht an dieser war in allen Fächern durchaus frei und, gleich demjenigen in den unteren Schulen, unentgeltlich. Im fünften Jahre der Gründung Freilands besuchten 7500 Hörer die Hochschule; die Zahl ihrer Lehrkanzeln war 215, ihr Jahresbudget hatte die Höhe von 2½ Millionen Pfd. Sterling erreicht und war andauernd in rapidem Wachstum begriffen.
Die Mittel zu all diesen gewaltigen Ausgaben lieferte überreichlich die vom Gesamteinkommen aller Produzenten erhobene prozentuelle Abgabe, denn dieses Gesamteinkommen wuchs unter dem verdoppelten Einflusse der Bevölkerungszunahme und der steigenden Arbeitsergiebigkeit in riesigem Maße. Als die Eisenbahn zur Küste fertig war und ihre Wirkung sich fühlbar zu machen begann, stieg der Wert des durchschnittlichen Ertrags einer Arbeitsstunde rasch auf 6 Sh., und da um diese Zeit — zu Ende des fünften Jahres von Freiland — 280000 Arbeiter im Tagesdurchschnitt während 6 Stunden, d. i. 1800 Stunden im Jahre produktiv beschäftigt waren, so bezifferte sich in jenem Jahre der Gesamtwert des Arbeitsertrages von Freiland auf 280000 × 1800 × 6 Sh., d. i. auf rund 150 Millionen Pfd. Sterling. Davon reservierte sich nun das Gemeinwesen eine Abgabe in der Höhe von 35 Prozent, d. i. in runder Summe 52½ Millionen Pfd. Sterling und dieses war die Quelle, aus welcher nach Abzug der zur Deckung der Versorgungsansprüche erforderlichen, allerdings die größere Hälfte beanspruchenden Beträge, die als wünschenswert erkannten Ausgaben bestritten wurden.
Ja, das Wachstum der Einnahmen war ein so gesichertes und hatte so bedeutenden Umfang erreicht, daß die Verwaltung von Freiland sich am Ende dieses fünften Jahres entschloß, den Vertretungskörpern, die zu diesem Behufe zu einer gemeinsamen Sitzung einberufen wurden, zwei Maßregeln von entscheidender Bedeutung vorzuschlagen: erstlich, die den Associationen einzuräumenden Kredite hinfort von der Zustimmung der Zentralbehörde unabhängig zu machen; und zum zweiten die sämtlichen, bis dahin von neueintretenden Mitgliedern freiwillig gezahlten Beiträge zurückzuerstatten und künftighin derlei Beiträge nicht mehr entgegenzunehmen.
Aus den im 8. Kapitel dargelegten Gründen waren bisher Umfang und Reihenfolge der Produktivkredite von der Entscheidung der Zentralverwaltung abhängig gewesen; jetzt, da die Ausrüstung mit kapitalistischen Arbeitsbehelfen und damit die Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens eine genügend hohe Stufe erreicht hatte, wurde auch diese Schranke des freien Selbstbestimmungsrechtes für unnötig erachtet; die Associationen mochten fordern, was ihnen nützlich dünkte, die Kapitalkraft des Landes schien auch den umfangreichsten, irgend zu erwartenden Kreditansprüchen gewachsen. Und in der That erwies sich diese Zuversicht als wohlbegründet. In den diesem Beschlusse unmittelbar folgenden Jahren ereignete es sich zwar zu zwei verschiedenen Malen, daß infolge unvermittelt eintretender großartiger Kapitalbedürfnisse der zur Deckung derselben bestimmte Teil der öffentlichen Abgaben um einige Prozente über das normale Maß gesteigert werden mußte; das wurde jedoch angesichts des stetigen Wachstums aller Produktionserträge ohne die geringste Beschwerde ertragen und späterhin genügten die vom Gemeinwesen angelegten Reserven, um selbst dieses Element der Schwankung aus dem Verhältnisse zwischen Kapitalbedarf und öffentlichem Einkommen zu beseitigen.