„Teufel noch einmal! Lodoiska, Sie gehen ja rasch zu Werke! Doch, ich mache mir nichts daraus, weil Sie ein Weib sind, und was schon vor so vielen Jahren geschehen ist, dessen erinnere ich mich nicht mehr. Wenn Sie leichtgläubig waren, so ist es nur Ihre Schuld. Aber woraus ich mir viel mache, und was ich nie erlauben werde, ist: wenn man in meine Geheimnisse eindringt, wenn man meinen Briefwechsel stört, und sich auf eine strafwürdige Art in das Haus meiner Herrschaft einschleicht.“

Lodoiska antwortete nicht; sie warf nur einen Blick auf Werner, in dem sich die auffallendste Bosheit malte, gleichsam als Triumph einer schon gewissen Rache.

„Ich wiederhole es Ihnen, fuhr Werner fort, daß ich Ihrer Ränke und Spielereien müde bin. Schon zwei meiner Briefe haben Sie aufgehalten; denn wer anders, als Sie, könnte es gethan haben? Ich weiß zwar noch nicht, durch welche Mittel Sie Ihre Absicht erreichten; aber sein Sie überzeugt, wenn ich einst Jemanden auf der That ertappen sollte, sein Prozeß würde nicht lange dauern, und sein Rücken würde sich über meine Dazwischenkunft eben nicht zu erfreuen haben.“

— Wie! so grausam wolltest du verfahren, und selbst mit dem armen Ladislaus? sagte Lodoiska spottend und mit einem boshaften Lächeln. —

„O, bei allen Teufeln! lassen Sie ihn kommen — mit ihm vor allen Andern. Ich habe eine gute Jagdflinte, mit welcher er genaue Bekanntschaft machen, und gegen welche seine Faust nichts ausrichten soll.“

— Werner, ich wiederhole es dir zum letzten Male, du gehst mit starken Schritten deinem nahen Untergange entgegen. —

„Und Sie, Lodoiska, dem Ende Ihrer verbrecherischen Intriguen. Ich werde sie nicht länger ertragen, und wenn auch ein vierter Brief nicht an den Obersten gelangt, so wollen wir sehen, ob ich mit Hülfe der Obrigkeit nicht Recht erlangen kann.“

— Unsinniger! worauf willst du deine Klage gründen? Soll ich für deine Thorheit verantwortlich gemacht werden? Wem willst du es einbilden, daß ich im Stande bin, den Briefwechsel zwischen dir und deinem Herrn zu hindern? Du wirst vor den Augen der Welt zum Gelächter werden! Armer Schwächling, die Strafe für deine Kühnheit soll dir dann auf dem Fuße folgen. —

„Lodoiska, Sie können mir vorreden, was Sie wollen. Ich weiß, daß ich einiges Unrecht gegen Sie begangen habe, wenn es nämlich unrecht ist, einen jungen Offizier und ein hübsches Mädchen einander näher zu bringen; aber ich beschwöre Sie, vergessen Sie das Geschehene, und lassen Sie mich in Ruhe.“

— Ich habe dir versprochen, dich in Ruhe zu lassen, ja, habe dir Belohnungen angeboten, wenn du dich anheischig machen wolltest, den Obersten nicht von meinem Hiersein zu benachrichtigen. Wie kannst du mir eine solche Kleinigkeit abschlagen? Laß ihn zurückkommen, und erlaube, daß ich ihn zum letzten Male sehen darf; sein Glück, seine Ruhe, ja sein Leben hängt davon ab. Uebrigens wirst du mir vergeblich entgegenstreben, denn mir stehen Mittel zu Gebote, denen du nicht zu widerstehen vermagst. Aber zittere, wenn dir ein einziges Wort entschlüpft, wodurch die glückliche Nebenbuhlerinn, welche meine Stelle an Alfreds Seite einnimmt, von meinem Verhältnisse benachrichtigt wird. Deine Unvorsichtigkeit würde dir das Leben kosten; ja Werner, ich würde dich auf der Stelle aufopfern! —