— Vampyre! Hier sollen Vampyre sein? rief der Oberst. Wer kann die scheußlichen Mährchen Ungarns und Griechenlands hierher verbreitet haben? —

Bei diesen Worten konnte der Oberst sich nicht enthalten, seinen Blick auf Lodoiska zu richten. Er sahe, daß sie außer aller Fassung war. Ihre Gesichtszüge drückten den höchsten Schrecken aus, ihr Mund stand halb geöffnet, ihre Augen waren unbeweglich, und mit einer schnellen Bewegung, die sie aber wieder unterdrückte, schien sie im Begriff gewesen zu sein, sich zu entfernen.

Der Oberst erklärte sich mit Leichtigkeit diesen Schrecken Lodoiska’s. Es war fast unmöglich, daß ein Mädchen aus der Wallachei nicht an die Vampyre glaubte, und sehr häufig hatte sie mit ihm darüber gesprochen, ihm die seltsamsten Geschichten über diesen Gegenstand erzählt. Konnte er sich also wundern, daß sie außer sich gerieth, als so unerwartet die Rede auf die fürchterlichen Vampyre kam? Aus Rücksicht für sie hätte er gern dem Gespräche abermals eine andere Wendung gegeben; aber es war zu spät. Herr von Krauthof beantwortete die an ihn gerichtete Frage.

„Einem Unglücklichen, der nicht mehr am Leben ist, verdanken wir den in dieser Gegend verbreiteten Schrecken. Ihr Bedienter Werner erzählte seinen Freunden die Geschichte von diesen Unholden, welche nach dem menschlichen Blute dürsten, bei Gelegenheit des sonderbaren Todes einer jungen Bäuerin aus dem Dorfe. Aber mein Gott, fuhr er fort, sich an Lodoiska wendend, Madame, fürchten Sie sich denn auch vor solchen Narrheiten? Sie haben ohne Zweifel zu viel Verstand, als daß Sie an diese Unholde, diese Vampyre glauben könnten, die ohne Zweifel nur in dem Gehirn desjenigen ihr Dasein hatten, der zuerst von ihnen sprach.“

Hier warf die Fremde einen so finsteren Blick auf den Herrn von Krauthof, von einem so scheußlichen Lächeln begleitet, daß er ungeachtet seiner Zuversichtlichkeit ganz erschrocken in seiner Rede inne hielt, und mit der Sprache zugleich die Lust zum Plaudern verlor, die ihn sonst nie verließ.

Der Arzt glaubte nun gleichfalls über diesen Gegenstand sprechen zu müssen, und scherzte über diese abscheulichen Mährchen. Er forderte die Vampyre heraus, den Schlaf eines muthigen Mannes zu stören, und hätte noch lange so fortgefahren, wenn ihn nicht die wiederholten Winke des Obersten davon abgehalten hätten. Hierauf folgte ein Augenblick des Stillschweigens, als plötzlich auch Helene das Wort nahm:

„Warum, sagte sie, wollen wir so hartnäckig diese Geheimnisse bestreiten? Wie abscheulich sie auch sein mögen, kennen wir alle Mittel der Vorsehung, wodurch sie uns zu betrüben im Stande ist? Ich glaube an die Möglichkeit, daß es Vampyre geben kann, und vielleicht habe ich gar einem Ungeheuer dieser Art den unerwarteten Tod meines Sohns zu verdanken .....“

Die Fremde stößt bei diesen Worten einen lauten durchdringenden Schrei aus. Sie steht mit Heftigkeit auf, will einen Schritt vorwärts thun, und fällt ohne Bewußtsein auf den Fußboden nieder. —

Siebenzehntes Kapitel.

Während der gefühllose Herr von Krauthof sich vergebens in allerhand Vermuthungen verlor, durch welche Ursache die Ohnmacht der schönen Fremden hervorgebracht sein könnte, waren Helene, ihr Mann und der Arzt eifrig beschäftigt, Lodoiska’n in’s Leben zurückzurufen. Aber ihre Bemühungen waren fruchtlos, und der Oberst benutzte diese Augenblicke, den lächerlichen Edelmann zurechtzuweisen.