Helene erwiederte mit einem schwermüthigen Lächeln: „Ich weiß, daß man mich in dieser Hinsicht täuschen will; wenn ich alle meine Gedanken offenbaren wollte, so würde man mich für kindisch halten; allein ich bin überzeugt, daß ich mich nicht irre, und ich weiß am besten, welches Uebel mich peinigt.“
— Diese Worte, erwiederte Wildenau, beweisen, daß Sie uns irgend Etwas verschweigen wollen. Aber das ist nicht gut, es könnte die gefährlichsten Folgen haben. Scheuen Sie sich nicht, uns Ihr Geheimniß zu entdecken, was es auch sei; Sie leiten mich dadurch vielleicht auf die richtige Spur, Ihnen Ihre Gesundheit wiederzugeben. —
Helene weigerte sich lange hartnäckig, die Meinung, welche sie von ihrem Zustande hatte, zu entdecken, bis sich der Oberst mit dem Arzte vereinigte, und sie so dringend bat, daß sie endlich erklärte: sie wolle ihr Geheimniß ihrem Manne mittheilen, aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß dieser es gänzlich für sich behalten wolle. Dieß war zwar nicht das, was Wildenau wünschte, allein er mußte sich darein fügen, und entfernte sich augenblicklich, mit dem Versprechen, morgen wiederzukommen.
Als Helene sich mit ihrem Manne allein befand, verbarg sie ihr Gesicht in ihren Händen, gleichsam aus Furcht, befragt zu werden. Auch Alfred fürchtete, sie zu fragen, weil er glaubte, daß seine Frau vielleicht von seinen früheren Verhältnissen zu Lodoiska Kenntniß erhalten habe, und daß der Kummer darüber die Ursache ihres langsamen Dahinschmachtens sei. Indessen mußte er sich doch endlich entschließen, das Wort zu nehmen, und er fragte daher Helenen, ob sie ihm nun ihr Geheimniß anvertrauen wolle.
„Ach Alfred! wie kann ich mich entschließen, dir meine Gedanken mitzutheilen? Was wirst du von mir denken, wenn du erst meinen Wahnsinn kennst?“
— Wie so, liebe Helene? Ich hoffe doch nicht, daß du an meiner Liebe zu dir zweifelst? —
„Nein, Alfred, warum sollte ich dieß thun? Es ist keinesweges bei meinen Träumereien von ähnlichen Gegenständen die Rede, sondern ich werde von einer schrecklichen Erscheinung verfolgt ..... O, wie lächerlich werde ich dir vorkommen!“
— Nein, nein, Helene! fürchte nichts, sagte der Oberst mit der äußersten Zufriedenheit, da er gewiß war, daß sie gegen ihn keinen Verdacht geschöpft habe. —
„Nun wohlan! Sei es nun Schwäche, oder Aberglauben, oder irgend eine andere Ursache, genug, es scheint mir, als wenn ich alle Nächte von einem schrecklichen Ungeheuer verfolgt werde, das sich über mich hinlegt, mit seinem häßlichen stinkenden Munde den meinigen berührt, und mir so das Blut aus den Adern saugt. Kurz, ich werde von einem Vampyre gequält. Glaube es mir sicher, derselbe Dämon hat schon den Tod unseres Sohnes, so wie einer jungen Bäuerin aus dem Dorfe verursacht, obgleich bei der letztern auf eine plötzliche und gewaltsame Weise.“
— Sprichst du wirklich im Ernst, Helene? Suchst du nicht vielleicht mit mir durch eine solche Entdeckung zu scherzen? —