„Ist sie allein? Ist er nicht mehr da, der furchtbare Mann, dessen Anblick ich nicht mehr ertragen kann?“

Mit diesen Worten öffnete sie die Thür.

„Aber von wem sprechen Sie denn?“ fragte der Oberst.

— Von wem ich spreche? Von dem Geistlichen! Seitdem ich mein Vaterland verlassen habe, ist es mir unmöglich, in der Gegenwart von seines Gleichen auszuhalten; denn ich bin auf ewig von ihnen geschieden. —

Gerührt von dem Aberglauben dieser Unglücklichen, den er ihrem Versuche zuschrieb, sich das Leben zu nehmen, setzte der Oberst dieses Gespräch nicht fort, und sagte nur noch, daß kein Fremder im Zimmer sei.

„Dann will ich Ihnen folgen, fuhr Lodoiska fort; aber versprechen Sie mir, Alfred, wenn Sie nicht Zeuge des schrecklichsten Auftritts sein wollen, mich vor jedem Zusammentreffen mit einem Geistlichen zu bewahren. Ach, dieß ist wahrlich das Geringste, was Sie für mich thun können!“

Voller Mitleiden versprach der Oberst, was sie wünschte, und kehrte dann mit ihr zu Helenen zurück, die schon nach ihrem Anblick verlangte.

„Der Arzt, sagte sie, hat mir so eben neue Hoffnung zu meiner Genesung gemacht, und ich würde mich selbst über meinen Zustand täuschen, so lange es Tag ist; aber die schreckliche Nacht ist die gewisse Ursache meines Todes. (Lodoiska bebte unwillkührlich zusammen). Ich weiß am besten, daß es mit meinem Leben bald zu Ende sein wird; vorher aber habe ich noch einige Bitten, deren Erfüllung allein mich mit Ruhe sterben lassen kann.“

— Ach, theure Helene! rief der Oberst lebhaft, ohne sich durch Lodoiska’s Gegenwart stören zu lassen; gieb dich doch nicht so schwarzen Gedanken hin. Du wirst noch lange zum Glück deiner Familie leben, und deine Wünsche selbst erfüllen können. —

„Der eine meiner Wünsche, lieber Alfred, kann nicht durch mich selbst erfüllt werden, weil er mein Begräbniß betrifft. Ich will nach meinem Tode neben meinem Sohne, auf dem Kirchhofe zu R...., ruhen; jede andere Erde würde mir fremd sein, und nur dort soll man mich begraben.“