„Mein Versprechen, sagen Sie?“
— Ja, Ihr Versprechen, das Sie mit Ihrem Blute unterzeichneten, und das Sie unwiderruflich an mich fesselt. —
„Ist dieß der Augenblick, mich daran zu erinnern? Und wie auch meine geheimen Empfindungen sein mögen, sehen Sie nicht, daß ich Trauerkleider trage? Denken Sie nicht an die schmerzliche Begebenheit, die vor Kurzem Statt fand?“
— Ich weiß, daß Sie, obgleich Sie behaupten, nichts als mein Glück zu wünschen, noch nie angestanden haben, meinem Herzen eine neue Wunde zu schlagen. Ich weiß, daß Sie mich schändlich betrogen haben; dieß ist der einzige Umstand aus der Vergangenheit, dessen ich mich noch erinnere, der Sie vernichten muß, und über den Sie auf ewig seufzen werden! —
„Ich wünschte, Sie wieder zu sehen, Lodoiska; aber ich wußte nicht vorher, daß dieß nur geschehen würde, um Ihre Vorwürfe anzuhören. Wie ungerecht sind Sie, und wie wenig kennen Sie mich!“
Ein Strahl von Freude glänzte in den Augen der Fremden, und ihre Lippen verschlangen einige Worte, die sie auszusprechen im Begriff war. Es folgte ein Augenblick des Schweigens, der nicht ohne Süßigkeit für sie war, und schon erschien eine gewisse Heiterkeit auf ihrer Stirn, die seit langer Zeit davon verscheucht gewesen war, als ein bitterer Gedanke Alles wieder zerstörte. Lodoiska’s Blick wurde wilder, und sie legte ihre Hand auf ihr Herz, gleichsam um dessen schmerzliches Klopfen zu unterdrücken.
„Auch ich wünschte Sie wiederzusehen, Alfred, sagte sie, weil es mir schien, als wenn Sie noch derselbe sein könnten, wie früher; aber ich besitze jetzt keinen von den Reizen mehr, die Sie vormals entzückten.“
— Ich liebte damals die vortrefflichen Eigenschaften Ihres Herzens eben so sehr, als Ihre Reize. Die Zeit konnte Ihnen einen kleinen Theil der letzteren rauben; aber vermochte sie etwas gegen die inneren Vorzüge Ihrer Seele? —
„Ich kann Ihnen nichts darauf antworten, Alfred. Unsere Unterhaltung, die uns nur Kummer verursacht, hat schon viel zu lange gedauert. Leben Sie wohl, ich muß mich entfernen. Erwarten Sie, was die Vorsehung entscheiden wird. Ach, wie schrecklich ist das Schicksal, womit mich ihr Zorn belastet hat!“
— Ja, lassen wir die Zeit ruhig verstreichen; wir werden uns einst wieder vereinigen, und dann .... —