^2 Die rechtliche Aufloesung der Boeotischen Eidgenossenschaft erfolgte uebrigens wohl noch nicht jetzt, sondern erst nach der Zerstoerung Korinths (Paus. 7, 14, 4; 16, 6.)
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Chalkis ward mit achaeischer, die orestische Landschaft mit epeirotischer Mannschaft, die dassaretischen und illyrischen Kastelle an der makedonischen Westgrenze von den Truppen des Gnaeus Sicinius besetzt, und sowie die Schiffahrt wieder begann, erhielt Larisa eine Besatzung von 2000 Mann. Perseus sah dem allem untaetig zu und hatte keinen Fussbreit Landes ausserhalb seines eigenen Gebietes inne, als im Fruehling oder nach dem offiziellen Kalender im Juni 583 (171) die roemischen Legionen an der Westkueste landeten. Es ist zweifelhaft, ob Perseus namhafte Bundesgenossen gefunden haben wuerde, auch wenn er soviel Energie gezeigt haette, als er Schlaffheit bewies; unter diesen Umstaenden blieb er natuerlich voellig allein, und jene weitlaeufigen Propagandaversuche fuehrten vorlaeufig wenigstens zu gar nichts. Karthago, Genthios von Illyrien, Rhodos und die kleinasiatischen Freistaedte, selbst das mit Perseus bisher so eng befreundete Byzanz, boten den Roemern Kriegsschiffe an, welche diese indes ablehnten. Eumenes machte sein Landheer und seine Schiffe mobil. Koenig Ariarathes von Kappadokien schickte ungeheissen Geiseln nach Rom. Perseus’ Schwager, Koenig Prusias II. von Bithynien, blieb neutral. In ganz Griechenland ruehrte sich niemand. Koenig Antiochos IV. von Syrien, im Kurialstil “der Gott, der glaenzende Siegbringer” genannt zur Unterscheidung von seinem Vater, dem “Grossen”, ruehrte sich zwar, aber nur um dem ganz ohnmaechtigen Aegypten waehrend dieses Krieges das syrische Kuestenland zu entreissen.
Indes wenn Perseus auch fast allein stand, so war er doch ein nicht veraechtlicher Gegner. Sein Heer zaehlte 43000 Mann, darunter 21000 Phalangiten und 4000 makedonische und thrakische Reiter, der Rest groesstenteils Soeldner. Die Gesamtmacht der Roemer in Griechenland betrug zwischen 30- und 40000 Mann italischer Truppen, ausserdem ueber 10000 Mann numidischen, ligurischen, griechischen, kretischen und besonders pergamenischen Zuzugs. Dazu kam die Flotte, die nur 40 Deckschiffe zaehlte, da ihr keine feindliche gegenueberstand - Perseus, dem der Vertrag mit Rom Kriegsschiffe zu bauen verboten hatte, richtete erst jetzt Werften in Thessalonike ein -, die aber bis 10000 Mann Truppen an Bord hatte, da sie hauptsaechlich bei Belagerungen mitzuwirken bestimmt war. Die Flotte fuehrte Gaius Lucretius, das Landheer der Konsul Publius Licinius Crassus. Derselbe liess eine starke Abteilung in Illyrien, um von Westen aus Makedonien zu beunruhigen, waehrend er mit der Hauptmacht wie gewoehnlich von Apollonia nach Thessalien aufbrach. Perseus dachte nicht daran, den schwierigen Marsch zu stoeren, sondern begnuegte sich, in Perrhaebien einzuruecken und die naechsten Festungen zu besetzen. Am Ossa erwartete er den Feind und unweit Larisa erfolgte das erste Gefecht zwischen den beiderseitigen Reitern und leichten Truppen. Die Roemer wurden entschieden geschlagen. Kotys mit der thrakischen Reiterei hatte die italische, Perseus mit der makedonischen die griechische geworfen und zersprengt; die Roemer hatten 2000 Mann zu Fuss, 2000 Reiter an Toten, 600 Reiter an Gefangenen verloren und mussten sich gluecklich schaetzen, unbehindert den Peneios ueberschreiten zu koennen. Perseus benutzte den Sieg, um auf dieselben Bedingungen, die Philippos erhalten hatte, den Frieden zu erbitten; sogar dieselbe Summe zu zahlen war er bereit. Die Roemer schlugen die Forderung ab; sie schlossen nie Frieden nach einer Niederlage, und hier haette der Friedensschluss allerdings folgeweise den Verlust Griechenlands nach sich gezogen. Indes anzugreifen verstand der elende roemische Feldherr auch nicht; man zog hin und her in Thessalien, ohne dass etwas von Bedeutung geschah. Perseus konnte die Offensive ergreifen; er sah die Roemer schlecht gefuehrt und zaudernd; wie ein Lauffeuer war die Nachricht durch Griechenland gegangen, dass das griechische Heer im ersten Treffen glaenzend gesiegt habe - ein zweiter Sieg konnte zur allgemeinen Insurrektion der Patriotenpartei fuehren und durch die Eroeffnung eines Guerillakrieges unberechenbare Erfolge bewirken. Allein Perseus war ein guter Soldat, aber kein Feldherr wie sein Vater; er hatte sich auf einen Verteidigungskrieg gefasst gemacht, und wie die Dinge anders gingen, fand er sich wie gelaehmt. Einen unbedeutenden Erfolg, den die Roemer in einem zweiten Reitergefecht bei Phalanna davontrugen, nahm er zum Vorwand, um nun doch, wie es beschraenkten und eigensinnigen Naturen eigen ist, zu dem ersten Plan zurueckzukehren und Thessalien zu raeumen. Das hiess natuerlich soviel, als auf jeden Gedanken einer hellenischen Insurrektion verzichten; was sonst sich haette erreichen lassen, zeigt der dennoch erfolgte Parteiwechsel der Epeiroten. Von beiden Seiten geschah seitdem nichts Ernstliches mehr; Perseus ueberwand den Koenig Genthios, zuechtigte die Dardaner und liess durch Kotys die roemisch gesinnten Thraker und die pergamenischen Truppen aus Thrakien hinausschlagen. Dagegen nahm die roemische Westarmee einige illyrische Staedte, und der Konsul beschaeftigte sich damit, Thessalien von den makedonischen Besatzungen zu reinigen und sich der unruhigen Aetoler und Akarnanen durch Besetzung von Ambrakia zu versichern. Am schwersten aber empfanden den roemischen Heldenmut die ungluecklichen boeotischen Staedte, die mit Perseus hielten; die Einwohner sowohl von Thisbae, das sich ohne Widerstand ergab, sowie der roemische Admiral Gaius Lucretius vor der Stadt erschien, wie von Haliartos, das ihm die Tore schloss und erstuermt werden musste, wurden von ihm in die Sklaverei verkauft, Koroneia von dem Konsul Crassus gar der Kapitulation zuwider ebenso behandelt. Noch nie hatte ein roemisches Heer so schlechte Mannszucht gehalten wie unter diesen Befehlshabern. Sie hatten das Heer so zerruettet, dass auch im naechsten Feldzug 584 (170) der neue Konsul Aulus Hostilius an ernstliche Unternehmungen nicht denken konnte, zumal da der neue Admiral Lucius Hortensius sich ebenso unfaehig und gewissenlos erwies wie sein Vorgaenger. Die Flotte lief ohne allen Erfolg in den thrakischen Kuestenplaetzen an. Die Westarmee unter Appius Claudius, dessen Hauptquartier in Lychnidos im dassaretischen Gebiet war, erlitt eine Schlappe ueber die andere; nachdem eine Expedition nach Makedonien hinein voellig verunglueckt war, griff gegen Anfang des Winters der Koenig mit den an der Suedgrenze durch den tiefen, alle Paesse sperrenden Schnee entbehrlich gewordenen Truppen den Appius seinerseits an, nahm ihm zahlreiche Ortschaften und eine Menge Gefangene ab und knuepfte Verbindungen mit dem Koenig Genthios an; ja er konnte einen Versuch machen, in Aetolien einzufallen, waehrend Appius sich in Epeiros von der Besatzung einer Festung, die er vergeblich belagert hatte, noch einmal schlagen liess. Die roemische Hauptarmee machte ein paar Versuche, erst ueber die Kambunischen Berge, dann durch die thessalischen Paesse in Makedonien einzudringen, aber sie wurden schlaff angestellt und beide von Perseus zurueckgewiesen. Hauptsaechlich beschaeftigte der Konsul sich mit der Reorganisierung des Heeres, die freilich auch vor allen Dingen noetig war, aber einen strengeren Mann und einen namhafteren Offizier erforderte. Abschied und Urlaub waren kaeuflich geworden, die Abteilungen daher niemals vollzaehlig; die Mannschaft ward im Sommer einquartiert, und wie die Offiziere im grossen Stil, stahlen die Gemeinen im kleinen; die befreundeten Voelkerschaften wurden in schmaehlicher Weise beargwohnt - so waelzte man die Schuld der schimpflichen Niederlage bei Larisa auf die angebliche Verraeterei der aetolischen Reiterei und sandte unerhoerterweise deren Offiziere zur Kriminaluntersuchung nach Rom; so draengte man die Molotter in Epeiros. durch falschen Verdacht zum wirklichen Abfall; die verbuendeten Staedte wurden, als waeren sie erobert, mit Kriegskontributionen belegt, und wenn sie auf den roemischen Senat provozierten, die Buerger hingerichtet oder zu Sklaven verkauft - so in Abdera und aehnlich in Chalkis. Der Senat schritt sehr ernstlich ein ^3: er befahl die Befreiung der ungluecklichen Koroneier und Abderiten und verbot den roemischen Beamten, ohne Erlaubnis des Senats Leistungen von den Bundesgenossen zu verlangen. Gaius Lucretius ward von der Buergerschaft einstimmig verurteilt. Allein das konnte nicht aendern, dass das Ergebnis dieser beiden ersten Feldzuege militaerisch null, politisch ein Schandfleck fuer die Roemer war, deren ungemeine Erfolge im Osten nicht zum wenigsten darauf beruhten, dass sie der hellenischen Suendenwirtschaft gegenueber sittlich rein und tuechtig auftraten. Haette an Perseus’ Stelle Philippos kommandiert, so wuerde dieser Krieg vermutlich mit der Vernichtung des roemischen Heeres und dem Abfall der meisten Hellenen begonnen haben; allein Rom war so gluecklich, in den Fehlern stets von seinen Gegnern ueberboten zu werden. Perseus begnuegte sich in Makedonien, das nach Sueden und Westen eine wahre Bergfestung ist, gleichwie in einer belagerten Stadt sich zu verschanzen.
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^3 Der kuerzlich aufgefundene Senatsbeschluss vom 9. Oktober 584 (170), der die Rechtsverhaeltnisse von Thisbae regelt (Eph. epigr. 1872, S. 278 f.; AM 4, 1889, S. 235f.), gibt einen deutlichen Einblick in diese Verhaeltnisse.
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Auch der dritte Oberfeldherr, den Rom 585 (169) nach Makedonien sandte, Quintus Marcius Philippus, jener schon erwaehnte ehrliche Gastfreund des Koenigs, war seiner keineswegs leichten Aufgabe durchaus nicht gewachsen. Er war ehrgeizig und unternehmend, aber ein schlechter Offizier. Sein Wagestueck, durch den Pass Lapathus westlich von Tempe den Uebergang ueber den Olympos in der Art zu gewinnen, dass er gegen die Besatzung des Passes eine Abteilung zurueckliess und mit der Hauptmacht durch unwegsame Abhaenge nach Herakleion zu den Weg sich bahnte, wird dadurch nicht entschuldigt, dass es gelang. Nicht bloss konnte eine Handvoll entschlossener Leute ihm den Weg verlegen, wo dann an keinen Rueckzug zu denken war, sondern noch nach dem Uebergang stand er mit der makedonischen Hauptmacht vor sich, hinter sich die stark befestigten Bergfestungen Tempe und Lapathus, eingekeilt in eine schmale Strandebene und ohne Zufuhr wie ohne Moeglichkeit zu fouragieren, in einer nicht minder verzweifelten Lage, als da er in seinem ersten Konsulat in den ligurischen Engpaessen, die seitdem seinen Namen behielten, sich gleichfalls hatte umzingeln lassen. Allein wie damals ihn ein Zufall rettete, so jetzt Perseus’ Unfaehigkeit. Als ob er den Gedanken nicht fassen koenne, gegen die Roemer anders als durch Sperrung der Paesse sich zu verteidigen, gab er sich seltsamerweise verloren, sowie er die Roemer diesseits derselben erblickte, fluechtete eiligst nach Pydna und befahl, seine Schiffe zu verbrennen und seine Schaetze zu versenken. Aber selbst dieser freiwillige Abzug der makedonischen Armee befreite den Konsul noch nicht aus seiner peinlichen Lage. Er ging zwar ungehindert vor, musste aber nach vier Tagemaerschen wegen Mangels an Lebensmitteln sich wieder rueckwaerts wenden; und da auch der Koenig zur Besinnung kam und schleunigst umkehrte, um in die verlassene Position wieder einzuruecken, so waere das roemische Heer in grosse Gefahr geraten, wenn nicht zur rechten Zeit das unueberwindliche Tempe kapituliert und seine reichen Vorraete dem Feind ueberliefert haette. Die Verbindung mit dem Sueden war nun zwar dadurch dem roemischen Heere gesichert; aber auch Perseus hatte sich in seiner frueheren wohlgewaehlten Stellung an dem Ufer des kleinen Flusses Elpios stark verbarrikadiert und hemmte hier den weiteren Vormarsch der Roemer. So verblieb das roemische Heer den Rest des Sommers und den Winter eingeklemmt in den aeussersten Winkel Thessaliens; und wenn die Ueberschreitung der Paesse allerdings ein Erfolg und der erste wesentliche in diesem Krieg war, so verdankte man ihn doch nicht der Tuechtigkeit des roemischen, sondern der Verkehrtheit des feindlichen Feldherrn. Die roemische Flotte versuchte vergebens Demetrias zu nehmen und richtete ueberhaupt gar nichts aus. Perseus’ leichte Schiffe streiften kuehn zwischen den Kykladen, beschuetzten die nach Makedonien bestimmten Kornschiffe und griffen die feindlichen Transporte auf. Bei der Westarmee stand es noch weniger gut; Appius Claudius konnte mit seiner geschwaechten Abteilung nichts ausrichten, und der von ihm begehrte Zuzug aus Achaia ward durch die Eifersucht des Konsuls abgehalten zu kommen. Dazu kam, dass Genthios sich von Perseus durch das Versprechen einer grossen Geldsumme hatte erkaufen lassen, mit Rom zu brechen, und die roemischen Gesandten einkerkern liess; worauf uebrigens der sparsame Koenig es ueberfluessig fand, die zugesicherten Gelder zu zahlen, da Genthios nun allerdings ohnehin gezwungen war, statt der bisherigen zweideutigen eine entschieden feindliche Stellung gegen Rom einzunehmen. So hatte man also einen kleinen Krieg mehr neben dem grossen, der nun schon drei Jahre sich hinzog. Ja haette Perseus sich von seinem Golde zu trennen vermocht, er haette den Roemern noch gefaehrlichere Feinde erwecken koennen. Ein Keltenschwarm unter Clondicus, 10000 Mann zu Pferde und ebenso viele zu Fuss, bot in Makedonien selbst sich an, bei ihm Dienste zu nehmen; allein man konnte sich ueber den Sold nicht einigen. Auch in Hellas gaerte es so, dass ein Guerillakrieg sich mit einiger Geschicklichkeit und einer vollen Kasse leicht haette entzuenden lassen; allein da Perseus nicht Lust hatte zu geben und die Griechen nichts umsonst taten, blieb das Land ruhig.
Endlich entschloss man sich in Rom, den rechten Mann nach Griechenland zu senden. Es war Lucius Aemilius Paullus, der Sohn des gleichnamigen Konsuls, der bei Cannae fiel; ein Mann von altem Adel, aber geringem Vermoegen und deshalb auf dem Wahlplatz nicht so gluecklich wie auf dem Schlachtfeld, wo er in Spanien und mehr noch in Ligurien sich ungewoehnlich hervorgetan. Ihn waehlte das Volk fuer das Jahr 586 (168) zum zweitenmal zum Konsul seiner Verdienste wegen, was damals schon eine seltene Ausnahme war. Er war in jeder Beziehung der rechte: ein vorzueglicher Feldherr von der alten Schule, streng gegen sich und seine Leute und trotz seiner sechzig Jahre noch frisch und kraeftig, ein unbestechlicher Beamter - “einer der wenigen Roemer jener Zeit, denen man kein Geld bieten konnte”, sagt ein Zeitgenosse von ihm - und ein Mann von hellenischer Bildung, der noch als Oberfeldherr die Gelegenheit benutzte, um Griechenland der Kunstwerke wegen zu bereisen.
Sowie der neue Feldherr im Lager bei Herakleion eingetroffen war, liess er, waehrend Vorpostengefechte im Flussbett des Elpios die Makedonier beschaeftigten, den schlecht bewachten Pass bei Pythion durch Publius Nasica ueberrumpeln; der Feind war dadurch umgangen und musste nach Pydna zurueckweichen. Hier, am roemischen 4. September 586 (168) oder am 22. Juni des Julianischen Kalenders - eine Mondfinsternis, die ein kundiger roemischer Offizier dem Heer voraussagte, damit kein boeses Anzeichen darin gefunden werde, gestattet hier die genaue Zeitbestimmung - wurden beim Traenken der Rosse nach Mittag zufaellig die Vorposten handgemein, und beide Teile entschlossen sich, die eigentlich erst auf den naechsten Tag angesetzte Schlacht sofort zu liefern. Ohne Helm und Panzer durch die Reihen schreitend ordnete der greise Feldherr der Roemer selber seine Leute. Kaum standen sie, so stuermte die furchtbare Phalanx auf sie ein; der Feldherr selber, der doch manchen harten Kampf gesehen hatte, gestand spaeter ein, dass er gezittert habe. Die roemische Vorhut zerstob, eine paelignische Kohorte ward niedergerannt und fast vernichtet, die Legionen selbst wichen eilig zurueck, bis sie einen Huegel erreicht hatten, bis hart an das roemische Lager. Hier wandte sich das Glueck. Das unebene Terrain und die eilige Verfolgung hatte die Glieder der Phalanx geloest; in einzelnen Kohorten drangen die Roemer in jede Luecke ein, griffen von der Seite und von hinten an, und da die makedonische Reiterei, die allein noch haette Hilfe bringen koennen, ruhig zusah und bald sich in Massen davonmachte, mit ihr unter den ersten der Koenig, so war in weniger als einer Stunde das Geschick Makedoniens entschieden. Die 3000 erlesenen Phalangiten liessen sich niederhauen bis auf den letzten Mann; es war, als wolle die Phalanx, die ihre letzte grosse Schlacht bei Pydna schlug, hier selber untergehen. Die Niederlage war furchtbar; 20000 Makedonier lagen auf dem Schlachtfeld, 11000 wurden gefangen. Der Krieg war zu Ende, am fuenfzehnten Tage nachdem Paullus den Oberbefehl uebernommen hatte; ganz Makedonien unterwarf sich in zwei Tagen. Der Koenig fluechtete mit seinem Golde - noch hatte er ueber 6000 Talente (10 Mill. Taler) in seiner Kasse - nach Samothrake, begleitet von wenigen Getreuen. Allein da er selbst von diesen noch einen ermordete, den Euandros von Kreta, der als Anstifter des gegen Eumenes versuchten Mordes zur Rechenschaft gezogen werden sollte, verliessen ihn auch die koeniglichen Pagen und die letzten Gefaehrten. Einen Augenblick hoffte er, dass das Asylrecht ihn schuetzen werde; allein selbst er begriff, dass er sich an einen Strohhalm halte. Ein Versuch, zu Kotys zu fluechten, misslang. So schrieb er an den Konsul; allein der Brief ward nicht angenommen, da er sich darin Koenig genannt hatte. Er erkannte sein Schicksal und lieferte auf Gnade und Ungnade den Roemern sich aus mit seinen Kindern und seinen Schaetzen, kleinmuetig und weinend, den Siegern selbst zum Ekel. Mit ernster Freude und mehr der Wandelbarkeit der Geschicke als dem gegenwaertigen Erfolg nachsinnend empfing der Konsul den vornehmsten Gefangenen, den je ein roemischer Feldherr heimgebracht hat. Perseus starb wenige Jahre darauf als Staatsgefangener in Alba am Fuciner See ^4; sein Sohn lebte in spaeteren Jahren in derselben italischen Landstadt als Schreiber.