Man erreichte seinen Zweck. Das makedonische Land hat zweimal noch auf den Ruf von Prinzen aus dem alten Herrscherhause zu den Waffen gegriffen, und ist uebrigens von jener Zeit bis auf den heutigen Tag ohne Geschichte geblieben.

Aehnlich ward Illyrien behandelt. Das Reich des Genthios ward in drei kleine Freistaaten zerschnitten; auch hier zahlten die Ansaessigen die Haelfte der bisherigen Grundsteuer an ihre neuen Herren, mit Ausnahme der Staedte, die es mit den Roemern gehalten hatten und dafuer Grundsteuerfreiheit erhielten - eine Ausnahme, die zu machen Makedonien keine Veranlassung bot. Die illyrische Piratenflotte ward konfisziert und den angeseheneren griechischen Gemeinden an dieser Kueste geschenkt. Die ewigen Quaelereien, welche die Illyrier den Nachbarn namentlich durch ihre Korsaren zufuegten, hatten hiermit wenigstens auf lange hinaus ein Ende.

Kotys in Thrakien, der schwer zu erreichen und gelegentlich gegen Eumenes zu brauchen war, erhielt Verzeihung und seinen gefangenen Sohn zurueck.

So waren die noerdlichen Verhaeltnisse geordnet und auch Makedonien endlich von dem Joch der Monarchie erloest - in der Tat, Griechenland war freier als je, ein Koenig nirgend mehr vorhanden.

Aber man beschraenkte sich nicht darauf, Makedonien Sehnen und Nerven zu zerschneiden. Es war im Senat beschlossen, die saemtlichen hellenischen Staaten, Freund und Feind, ein fuer allemal unschaedlich zu machen und sie miteinander in dieselbe demuetige Klientel hinabzudruecken. Die Sache selbst mag sich rechtfertigen lassen; allein die Art der Ausfuehrung namentlich gegen die maechtigeren unter den griechischen Klientelstaaten ist einer Grossmacht nicht wuerdig und zeigt, dass die Epoche der Fabier und Scipionen zu Ende ist. Am schwersten traf dieser Rollenwechsel denjenigen Staat, der von Rom geschaffen und grossgezogen war, um Makedonien im Zaum zu halten, und dessen man jetzt nach Makedoniens Vernichtung freilich nicht mehr bedurfte, das Reich der Attaliden. Es war nicht leicht, gegen den klugen und besonnenen Eumenes einen ertraeglichen Vorwand zu finden, um ihn aus seiner bevorzugten Stellung zu verdraengen und ihn in Ungnade fallen zu lassen. Auf einmal kamen um die Zeit, da die Roemer im Lager bei Herakleion standen, seltsame Geruechte ueber ihn in Umlauf; er stehe mit Perseus im heimlichen Verkehr; ploetzlich sei seine Flotte wie weggeweht gewesen; fuer seine Nichtteilnahme am Feldzug seien ihm 500, fuer die Vermittlung des Friedens 1500 Talente geboten worden, und nur an Perseus’ Geiz habe sich der Vertrag zerschlagen. Was die pergamenische Flotte anlangt, so ging der Koenig mit ihr, als die roemische sich ins Winterquartier begab, gleichfalls heim, nachdem er dem Konsul seine Aufwartung gemacht hatte. Die Bestechungsgeschichte ist so sicher ein Maerchen wie nur irgendeine heutige Zeitungsente; denn dass der reiche, schlaue und konsequente Attalide, der den Bruch zwischen Rom und Makedonien durch seine Reise 582 (172) zunaechst veranlasst hatte, und fast deswegen von Perseus’ Banditen ermordet worden waere, in dem Augenblick, wo die wesentlichen Schwierigkeiten eines Krieges ueberwunden waren, an dessen endlichem Ausgang er ueberdies nie ernstlich gezweifelt haben konnte, dass er seinen Anteil an der Beute seinem Moerder um einige Talente verkauft und das Werk langer Jahre an eine solche Erbaermlichkeit gesetzt haben sollte, ist denn doch nicht bloss gelogen, sondern sehr albern gelogen. Dass kein Beweis weder in Perseus’ Papieren noch sonst sich vorfand, ist sicher genug; denn selbst die Roemer wagten nicht, jene Verdaechtigungen laut auszusprechen. Aber sie hatten ihren Zweck. Was man wollte, zeigt das Benehmen der roemischen Grossen gegen Attalos, Eumenes’ Bruder, der die pergamenischen Hilfstruppen in Griechenland befehligt hatte. Mit offenen Armen ward der wackere und treue Kamerad in Rom empfangen und aufgefordert, nicht fuer seinen Bruder, sondern fuer sich zu bitten - gern werde der Senat ihm ein eigenes Reich gewaehren, Attalos erbat nichts als Aenos und Maroneia. Der Senat meinte, dass dies nur eine vorlaeufige Bitte sei und gestand sie mit grosser Artigkeit zu. Als er aber abreiste, ohne weitere Forderungen gestellt zu haben, und der Senat zu der Einsicht kam, dass die pergamenische Regentenfamilie unter sich nicht so lebe, wie es in den fuerstlichen Haeusern hergebracht war, wurden Aenos und Maroneia zu Freistaedten erklaert. Nicht einen Fussbreit Landes erhielten die Pergamener von der makedonischen Beute; hatte man nach Antiochos’ Besiegung Philippos gegenueber noch die Formen geschont, so wollte man jetzt verletzen und demuetigen. Um diese Zeit scheint der Senat Pamphylien, ueber dessen Besitz Eumenes und Antiochos bisher gestritten, unabhaengig erklaert zu haben. Wichtiger war es, dass die Galater, bisher im wesentlichen in der Gewalt des Eumenes, nachdem derselbe den pontischen Koenig mit Waffengewalt aus Galatien vertrieben und im Frieden ihm die Zusage abgenoetigt hatte, mit den galatischen Fuersten keine Verbindung ferner unterhalten zu wollen, jetzt, ohne Zweifel rechnend auf die zwischen Eumenes und den Roemern eingetretene Spannung, wenn nicht geradezu von diesen veranlasst, sich gegen Eumenes erhoben, sein Reich ueberschwemmten und ihn in grosse Gefahr brachten. Eumenes erbat die roemische Vermittlung; der roemische Gesandte war dazu bereit, meinte aber, dass Attalos, der das pergamenische Heer befehligte, besser nicht mitgehe, um die Wilden nicht zu verstimmen, und merkwuerdigerweise richtete er gar nichts aus, ja er erzaehlte bei der Rueckkehr, dass seine Vermittlung die Wilden erst recht erbittert habe. Es waehrte nicht lange, so ward die Unabhaengigkeit der Galater von dem Senat ausdruecklich anerkannt und gewaehrleistet. Eumenes entschloss sich, persoenlich nach Rom zu gehen und im Senat seine Sache zu fuehren. Da beschloss dieser ploetzlich, wie vom boesen Gewissen geplagt, dass Koenige kuenftig nicht mehr nach Rom sollten kommen duerfen, und schickte ihm nach Brundisium einen Quaestor entgegen, ihm diesen Senatsbeschluss vorzulegen, ihn zu fragen, was er wolle, und ihm anzudeuten, dass man seine schleunige Abreise gern sehen werde. Der Koenig schwieg lange; er begehre, sagte er endlich, weiter nichts und schiffte sich wieder ein. Er sah, wie es stand: die Epoche der halbmaechtigen und halbfreien Bundesgenossenschaft war zu Ende; es begann die der ohnmaechtigen Untertaenigkeit.

Aehnlich erging es den Rhodiern. Ihre Stellung war ungemein bevorzugt; sie standen mit Rom nicht in eigentlicher Symmachie, sondern in einem gleichen Freundschaftsverhaeltnis, das sie nicht hinderte, Buendnisse jeder Art einzugehen und nicht noetigte, den Roemern auf Verlangen Zuzug zu leisten. Vermutlich war eben dies die letzte Ursache, weshalb ihr Einverstaendnis mit Rom schon seit einiger Zeit getruebt war. Die ersten Zerwuerfnisse mit Rom hatten stattgefunden infolge des Aufstandes der nach Antiochos’ Ueberwindung ihnen zugeteilten Lykier gegen ihre Zwingherren, die sie (576 178) als abtruennige Untertanen in grausamer Weise knechteten; diese aber behaupteten, nicht Untertanen, sondern Bundesgenossen der Rhodier zu sein und drangen damit im roemischen Senat durch, als derselbe aufgefordert war, den zweifelhaften Sinn des Friedensinstruments festzustellen. Hierbei hatte indes ein gerechtfertigtes Mitleid mit den, arg gedrueckten Leuten wohl das meiste getan; wenigstens geschah von Rom nichts weiter, und man liess diesen wie anderen hellenischen Hader gehen. Als der Krieg mit Perseus ausbrach, sahen ihn die Rhodier zwar wie alle uebrigen verstaendigen Griechen ungern, und namentlich Eumenes als Anstifter desselben war uebel berufen, so dass sogar seine Festgesandtschaft bei der Heliosfeier in Rhodos abgewiesen ward. Allein dies hinderte sie nicht, fest an Rom zu halten und die makedonische Partei, die es wie allerorts so auch in Rhodos gab, nicht an das Ruder zu lassen; die noch 585 (169) ihnen erteilte Erlaubnis, Getreide aus Sizilien auszufuehren, beweist die Fortdauer des guten Vernehmens mit Rom. Ploetzlich erschienen kurz vor der Schlacht bei Pydna rhodische Gesandte im roemischen Hauptquartier und im roemischen Senat mit der Erklaerung, dass die Rhodier nicht laenger diesen Krieg dulden wuerden, der auf ihren makedonischen Handel und auf die Hafeneinnahme druecke, und dass sie der Partei, die sich weigere, Frieden zu schliessen, selbst den Krieg zu erklaeren gesonnen seien, auch zu diesem Ende bereits mit Kreta und mit den asiatischen Staedten ein Buendnis abgeschlossen haetten. In einer Republik mit Urversammlungen ist vieles moeglich; aber diese wahnsinnige Intervention einer Handelsstadt, die erst beschlossen sein kann, als man in Rhodos den Fall des Tempepasses kannte, verlangt eine naehere Erklaerung. Den Schluessel gibt die wohl beglaubigte Nachricht, dass der Konsul Quintus Marcius, jener Meister der “neumodischen Diplomatie”, im Lager bei Herakleion, also nach Besetzung des Tempepasses, den rhodischen Gesandten Agepolis mit Artigkeiten ueberhaeuft und ihn unter der Hand ersucht hatte, den Frieden zu vermitteln. Republikanische Verkehrtheit und Eitelkeit taten das uebrige; man meinte, die Roemer gaeben sich verloren, man haette gern zwischen vier Grossmaechten zugleich den Vermittler gespielt - Verbindungen mit Perseus spannen sich an; rhodische Gesandte von makedonischer Gesinnung sagten mehr, als sie sagen sollten; und man war gefangen. Der Senat, der ohne Zweifel groesstenteils selbst von jenen Intrigen nichts wusste, vernahm die wundersame Botschaft mit begreiflicher Indignation und war erfreut ueber die gute Gelegenheit zur Demuetigung der uebermuetigen Kaufstadt. Ein kriegslustiger Praetor ging gar so weit, bei dem Volk die Kriegserklaerung gegen Rhodos zu beantragen. Umsonst beschworen die rhodischen Gesandten einmal ueber das andere kniefaellig den Senat, der hundertundvierzigjaehrigen Freundschaft mehr als des einen Verstosses zu gedenken; umsonst schickten sie die Haeupter der makedonischen Partei auf das Schafott oder nach Rom; umsonst sandten sie einen schweren Goldkranz zum Dank fuer die unterbliebene Kriegserklaerung. Der ehrliche Cato bewies zwar, dass die Rhodier eigentlich gar nichts verbrochen haetten und fragte, ob man anfangen wolle, Wuensche und Gedanken zu strafen und ob man den Voelkern die Besorgnis verargen koenne, dass die Roemer sich alles erlauben moechten, wenn sie niemanden mehr fuerchten wuerden. Seine Worte und Warnungen waren vergeblich. Der Senat nahm den Rhodiern ihre Besitzungen auf dem Festland, die einen jaehrlichen Ertrag von 120 Talenten (200000 Taler) abwarfen. Schwerer noch fielen die Schlaege gegen den rhodischen Handel. Schon die Verbote der Salzeinfuhr nach und der Ausfuhr von Schiffbauholz aus Makedonien scheinen gegen Rhodos gerichtet. Unmittelbarer noch traf den rhodischen Handel die Errichtung des delischen Freihafens; der rhodische Hafenzoll, der bis dahin jaehrlich 1 Mill. Drachmen (286000 Taler) abgeworfen hatte, sank in kuerzester Zeit auf 150000 Drachmen (43000 Taler). Ueberhaupt aber waren die Rhodier in ihrer Freiheit und dadurch in ihrer freien und kuehnen Handelspolitik gelaehmt, und der Staat fing an zu siechen. Selbst das erbetene Buendnis ward anfangs abgeschlagen und erst 590 (164) nach wiederholten Bitten erneuert. Die gleich schuldigen, aber machtlosen Kreter kamen mit einem derben Verweis davon.

Mit Syrien und Aegypten konnte man kuerzer zu Werke gehen. Zwischen beiden war Krieg ausgebrochen, wieder einmal ueber Koilesyrien und Palaestina. Nach der Behauptung der Aegypter waren diese Provinzen bei der Vermaehlung der syrischen Kleopatra an Aegypten abgetreten worden; was der Hof von Babylon indes, der sich im faktischen Besitz befand, in Abrede stellte. Wie es scheint, gab die Anweisung der Mitgift auf die Steuern der koilesyrischen Staedte die Veranlassung zu dem Hader und war das Recht auf syrischer Seite; den Ausbruch des Krieges veranlasste der Tod der Kleopatra im Jahr 581 (173), mit dem spaetestens die Rentenzahlungen aufhoerten. Der Krieg scheint von Aegypten begonnen zu sein; allein auch Koenig Antiochos Epiphanes ergriff die Gelegenheit gern, um das traditionelle Ziel der Seleukidenpolitik, die Erwerbung Aegyptens, waehrend der Beschaeftigung der Roemer in Makedonien noch einmal - es sollte das letzte Mal sein - anzustreben. Das Glueck schien ihm guenstig. Der damalige Koenig von Aegypten, Ptolemaeos VI. Philometor, der Sohn jener Kleopatra, hatte kaum das Knabenalter ueberschritten und war schlecht beraten; nach einem grossen Sieg an der syrisch-aegyptischen Grenze konnte Antiochos in demselben Jahr, in welchem die Legionen in Griechenland landeten (583 171), in das Gebiet seines Neffen einruecken und bald war dieser selbst in seiner Gewalt. Es gewann den Anschein, als gedenke Antiochos unter Philometors Namen, sich in den Besitz von ganz Aegypten zu setzen; Alexandreia schloss ihm deshalb die Tore, setzte den Philometor ab und ernannte an seiner Stelle den juengeren Bruder, Euergetes II. oder der Dicke genannt, zum Koenig. Unruhen in seinem Reiche riefen den syrischen Koenig aus Aegypten ab; als er zurueckkam, hatten in seiner Abwesenheit die Brueder sich miteinander vertragen, und er setzte nun gegen beide den Krieg fort. Wie er eben vor Alexandreia stand, nicht lange nach der Schlacht von Pydna (586 168), traf ihn der roemische Gesandte Gaius Popillius, ein harter, barscher Mann, und insinuierte ihm den Befehl des Senats, alles Eroberte zurueckzugeben und Aegypten in einer bestimmten Frist zu raeumen. Der Koenig erbat sich Bedenkzeit; aber der Konsular zog mit dem Stabe einen Kreis um ihn und hiess ihn sich erklaeren, bevor er den Kreis ueberschreite. Antiochos erwiderte, dass er gehorche und zog ab nach seiner Residenz, um dort als der Gott, der glaenzende Siegbringer, der er war, die Bezwingung Aegyptens nach roemischer Sitte zu feiern und den Triumph des Paullus zu parodieren.

Aegypten fuegte sich freiwillig in die roemische Klientel; aber auch die Koenige von Babylon standen hiermit ab von dem letzten Versuch, ihre Unabhaengigkeit gegen Rom zu behaupten. Wie Makedonien im Krieg des Perseus, so machten die Seleukiden im koilesyrischen den gleichen und gleich letzten Versuch, sich ihre ehemalige Macht wiederzugewinnen; aber es ist bezeichnend fuer den Unterschied der beiden Reiche, dass dort die Legionen, hier das barsche Wort eines Diplomaten entschied.

In Griechenland selbst waren als Verbuendete des Perseus, nachdem die boeotischen Staedte schon mehr als genug gebuesst hatten, nur noch die Molotter zu strafen. Auf geheimen Befehl des Senats gab Paullus an einem Tage siebzig Ortschaften in Epeiros der Pluenderung preis und verkaufte die Einwohner, 150000 an der Zahl, in die Sklaverei. Die Aetoler verloren Amphipolis, die Akarnanen Leukas wegen ihres zweideutigen Benehmens; wogegen die Athener, die fortfuhren, den bettelnden Poeten ihres Aristophanes zu spielen, nicht bloss Delos und Lemnos geschenkt erhielten, sondern sogar sich nicht schaemten, um die oede Staette von Haliartos zu petitionieren, die ihnen denn auch zuteil ward. So war etwas fuer die Musen geschehen, aber mehr war zu tun fuer die Justiz. Eine makedonische Partei gab es in jeder Stadt und also begannen durch ganz Griechenland die Hochverratsprozesse. Wer in Perseus’ Heer gedient hatte, ward sofort hingerichtet; nach Rom ward beschieden, wen die Papiere des Koenigs oder die Angabe der zum Denunzieren herbeistroemenden politischen Gegner konpromittierten - der Achaeer Kallikrates und der Aetoler Lykiskos zeichneten sich aus in diesem Gewerbe. So wurden die namhafteren Patrioten unter den Thessalern, Aetolern, Akarnanen, Lesbiern und so weiter aus der Heimat entfernt; namentlich aber ueber tausend Achaeer, wobei man nicht so sehr den Zweck verfolgte, den weggefuehrten Leuten den Prozess, als die kindische Opposition der Hellenen mundtot zu machen. Den Achaeern, die wie gewoehnlich sich nicht zufrieden gaben, bis sie die Antwort hatten, die sie ahnten, erklaerte der Senat, ermuedet durch die ewigen Bitten um Einleitung der Untersuchung, endlich rundheraus, dass bis auf weiter die Leute in Italien bleiben wuerden. Sie wurden hier in den Landstaedten interniert und leidlich gehalten, Fluchtversuche indes mit dem Tode bestraft; aehnlich wird die Lage der aus Makedonien weggefuehrten ehemaligen Beamten gewesen sein. Wie die Dinge einmal standen, war dieser Ausweg, so gewaltsam er war, noch der ertraeglichste und die enragierten Griechen der Roemerpartei sehr wenig zufrieden damit, dass man nicht haeufiger koepfte. Lykiskos hatte es deshalb zweckmaessig gefunden, in der Ratsversammlung vorlaeufig 500 der vornehmsten Maenner der aetolischen Patriotenpartei niederstossen zu lassen; die roemische Kommission, die den Menschen brauchte, liess es hingehen und tadelte nur, dass man diesen hellenischen Landesgebrauch durch roemische Soldaten habe vollstrecken lassen. Aber man darf glauben, dass sie zum Teil, um solche Greuel abzuschneiden, jenes italische Internierungssystem aufstellte. Da ueberhaupt im eigentlichen Griechenland keine Macht auch nur von der Bedeutung von Rhodos oder Pergamon bestand, so bedurfte es hier einer Demuetigung weiter nicht, sondern was man tat, geschah nur, um Gerechtigkeit, freilich im roemischen Sinne, zu ueben und die aergerlichsten Ausbrueche des Parteihaders zu beseitigen.

Es waren hiermit die hellenistischen Staaten saemtlich der roemischen Klientel vollstaendig untertan geworden und das gesamte Reich Alexanders des Grossen, gleich als waere die Stadt seiner Erben Erbe geworden, an die roemische Buergergemeinde gefallen. Von allen Seiten stroemten die Koenige und die Gesandten nach Rom, um Glueck zu wuenschen, und es zeigte sich, dass niemals kriechender geschmeichelt wird, als wenn Koenige antichambrieren. Koenig Massinissa, der nur auf ausdruecklichen Befehl davon abgestanden war, selber zu erscheinen, liess durch seinen Sohn erklaeren, dass er sich nur als den Nutzniesser, die Roemer aber als die wahren Eigentuemer seines Reiches betrachte und dass er stets mit dem zufrieden sein werde, was sie ihm uebrig lassen wuerden. Darin war wenigstens Wahrheit. Koenig Prusias von Bithynien aber, der seine Neutralitaet abzubuessen hatte, trug die Palme in diesem Wettkampf davon; er fiel auf sein Antlitz nieder, als er in den Senat gefuehrt ward, und huldigte den “rettenden Goettern”. Da er so sehr veraechtlich war, sagt Polybios, gab man ihm eine artige Antwort und schenkte ihm die Flotte des Perseus.