Ich habe die Ehre, Ihnen zu bemerken, sagte der Professor in seiner pathetischen Art, daß ich nicht Lust habe, hier Männer schmähen zu hören, welche ich schätze und hochachte.
Und warum, mein theurer Herr, warum schätzen und achten Sie diese Männer?
Weil sie vor der Welt zu hoch und rein stehen, um von der Verläumdung angetastet zu werden.
Vor der Welt! ja wohl, vor der Welt! rief Felix, aber Sie kennen ja hinlänglich alles, was meinem Vater und uns widerfahren ist. Sie haben selbst daran Theil genommen, so viel Sie vermochten. Sie sind Partei, und dennoch traue ich Ihnen in diesem Augenblicke zu, daß Sie gerechter sind, wie jene da, die mit Ränken und Betrug aller Art uns zu vernichten suchen.
Betrug und Ränke! erwiderte der Professor drohend, indem er heftig mit dem Kopfe nickte und seine Halsbinde in die Höhe zog — es geht mich nichts an, ich weiß nichts davon, aber hüte sich Jeder, so schändliche Dinge auszusprechen, der nicht reines Herzens ist.
Felix verstummte; seine Augen ruhten flammend auf dem Professor, der erschrocken zurücktrat, denn das Gesicht des jungen Herzer hatte etwas Unheimliches. Ein Zucken lief darüber hin, auf seiner breiten Stirn lag eine fahle Blässe, der wilde Bart schien sich hochzusträuben und seine nervige Hand ballte sich auf dem Tisch zusammen, auf welchen er sich stützte.
Nach einigen Augenblicken aber verschwand die Aufregung aus seinen Zügen und mit seiner früheren Freundlichkeit sagte er: Was sollen wir uns streiten und erzürnen. Wenn Treue und Glauben noch in dieser Welt zu finden sind, so wird den Menschen, die so begierig lauern, um Unglück über uns zu bringen, all’ ihr Wüthen und Drohen nichts helfen.
Geben Sie mir die Hand, Professor, und lassen Sie uns als Freunde scheiden. Schlecht und verächtlich sind die, ich sage es noch einmal, welche Sie als Ehrenmänner vertheidigen, aber mag es darum sein. Ich ziehe fort und somit seid so patriotisch und tugendhaft wie Ihr wollt. Bekehrt, wer sich bekehren läßt, stiftet Vereine und haltet Reden, sammelt Geld und werbet Rekruten, frömmelt und heuchelt und streut Saaten aus, die Euch einst verzehren werden. Ihr werdet die Wahrheit doch nicht zur Lüge machen, den Gang der Menschheit und der Geschichte doch nicht aufhalten. Das grüne Reis wird ein Baum werden, aber der abgestorbene Zweig wird dürr bleiben, begießt ihn so viel Ihr wollt, beim ersten Sturm wird er zu Boden stürzen.
Wir haben nichts zusammen zu schaffen! fiel hier der Professor ein, indem er die Hand, welche Felix ergriffen hatte, rasch zurückzog. Was Sie sagen mögen, Herr Herzer, von mir sagen mögen, darüber bin ich erhaben. Von Besserung und Bekehrung ist bei Leuten Ihrer Art nicht die Rede.
Gott sei Dank! nein, lachte Felix, ich darf hoffen, daß Sie keinen Versuch mit mir machen werden.