Da sind sie, flüsterte er. Eins, zwei, drei — drei Wechsel, jeder zu zweitausend Thaler. Ha, die Unterschrift! Die steilen, zittrigen Buchstaben nachgemacht, aber schlecht, miserabel schlecht. Alfred hätte es auf den ersten Blick merken müssen, daß es dieselbe Hand ist. Er ist verloren! sagte er mit dumpfem, hohlem Ton in sich hinein. Jetzt habe ich sie, und kein Gott soll sie retten.
Nun, Papa? rief Elise, indem sie mit dem Rocke zurückkehrte.
Der Geheimrath zog die Hand aus seiner Weste, steckte mit der andern rasch die Brieftasche in den Frack und lächelte seiner Tochter zu.
Alles in Ordnung, Du Schelm, erwiderte er. Was so ein kleiner Kopf nicht alles ausgrübeln kann! Rasch hinein, der arme Alfred muß frieren. Ich komme in einem halben Stündchen, er muß bei uns bleiben. Macht zusammen einen Spaziergang oder eine Spazierfahrt, was Ihr wollt und rufe die Mutter, die mit dem Professor drüben sitzt und noch immer Weihnachtsgeschenke vertheilt.
Du bist also mit mir zufrieden? fragte Elise.
So zufrieden, schmeichelte der Papa, daß ich Dich zum Geheimrath machen möchte, wenn ich nicht selbst einer wäre. Aber sei liebenswürdig, Elise, und befestige Deine Herrschaft, im Fall Alfred das übel nehmen wollte, was wir zu seinem Wohle thun mußten.
Sei ohne Sorge, rief sie zurück. Die ganze Geschichte ist ja ein Scherz. Ich darf ihn und mich nicht betrügen lassen.
Als sie hinaus war, stieg der Geheimrath die Hintertreppe seiner Wohnung hinab und erschien plötzlich ganz unerwartet bei Herrn Zippelmann, der in seinem schottisch roth und grün karirten Schlafrock, eine violette, etwas abgetragene Sammtmütze auf dem Haupte, auf dem Sopha saß und eine fürchterliche Tabackswolke verbreitete, aus welcher seitwärts der Kopf des Assessors auftauchte.
Na, da kommt ja der Geheimrath, rief Herr Zippelmann. Hehe! wie steht es mit der Weihnachtsbescheerung? Alfredchen lief vorher bei mir vorüber, wie ein wilder Eber, ohne mich anzusehen. Wissen Sie was, Geheimrath, so ein politischer Schwiegersohn hat doch immer seine Mucken. Es kommt aber alles von der deutschen Einheit; das ist der dummste Gedanke im ganzen Jahrhundert, der eine Verrücktheit über uns gebracht hat, die uns nie wieder verlassen wird. Stellen Sie sich vor, jetzt wollen Sie ein Parlament berufen! Hehe! wahrhaftig ein Parlament, als wenn noch nicht genug geredet wäre. Schicken Sie Alfredchen hin, der redet nicht viel, hehe! Aber wie sehen Sie denn aus, liebster Geheimrath? Ganz seelenslustig wie damals, wo wir uns die schwarz-roth-goldene Kokarde annähten.
Der Assessor war aufgestanden und ohne auf Herrn Zippelmanns Reden zu achten, hatte der Geheimrath sich ihm genähert und einige Schritte weit zum Fenster geführt, wo er rasch und leise mit ihm sprach und eben so leise Antworten erhielt. Jetzt wendete er sich um und plötzlich hielt Zippelmann mehre Papiere hin, indem er im bestimmten Tone sagte: Haben Sie das geschrieben, lieber Zippelmann? Ist das Ihre Unterschrift?