Den Teufel! schrie Herr Zippelmann zurückprallend, als sei er von einer Wespe gestochen worden. Nichts habe ich geschrieben. Ich kann einen Eid leisten! Es ist auch gar nicht meine Hand, es ist ein Betrug, so wahr ich lebe! oder ein Witz oder ein Weihnachtsspaß. Hehe! wie kommen Sie denn dazu, liebster Geheimrath? Es sind ja wahrhaftig die drei Wechsel, die der Bengel, der Felix, mir vorlegte, wie er mich rühren wollte. Aber ich, rühren! Eher wird eine deutsche Einheit zusammengerührt oder eben so unmöglich. Hehe! was wollen Sie also, Geheimrath? Von mir kriegt keiner einen Pfennig und wenn es das ganze Parlament auch unterschrieben hätte.
Sie erkennen diese Wechsel also als diejenigen an, welche der junge Herzer Ihnen damals vorlegte? fragte Stephani.
Freilich erkenne ich sie an, schrie Herr Zippelmann. Da ist der dreieckige Tintenklex, den ich machte, als der Vagabond mir mit Gewalt die Feder aufdringen wollte. Ich leistete aber Widerstand, passiven Widerstand, und machte die Hand fest zu. Ich sage Ihnen, liebster Geheimrath! ich war unerschütterlich. Keine Miene verzogen, kein Glied gerührt, höchstens gelächelt; gerade so wie unser verehrter Minister, wenn die ganze Meute ihn anblafft, was ich auch von ihm in Betreff der deutschen Einheit gewiß bin. Hehe! der wird sie machen, geben Sie Acht, Geheimrath, der macht sie!
Was meinen Sie also, lieber Assessor? fragte Wilkau inzwischen.
Die Absicht eines Betruges liegt jedenfalls vor, sagte Stephani, und unfehlbar könnte Seitens des Staatsanwalts schon jetzt eingeschritten werden. Wenn wir dem würdigen Zippelmann diese Wechsel in die Hand geben, er sie als falsch, seine Unterschrift als nachgemacht erkennt, und wenn der ganze Zusammenhang der Umstände damit verbunden wird, so dürfte Herr von Gravenstein wohl gezwungen werden können, Zeugniß abzulegen, unter welchen thatsächlichen Verhältnissen sie ihm als Unterpfand gegeben wurden. Geben Sie mir die Papiere, in einer Stunde soll die Sache im Gange sein.
Der Geheimrath zog jedoch die Hand mit den Wechseln zurück und steckte diese ein. Wir wollen nichts übereilen, sprach er lächelnd. Die Papiere habe ich, morgen früh läuft der Termin ab, das Geld können sie nicht schaffen, wir können also immer noch sehen, was Gravenstein thut, mit dem ich morgen gleich reden will. Ich habe aber noch einen Grund, fuhr er fort, der mich zurückhält; hätte ich früher gewußt, was ich jetzt weiß, so hätten wir diese Dinge vielleicht gar nicht gebraucht.
Herr Zippelmann und der Assessor sahen ihn neugierig an. Ja wohl, fuhr er fort, ich denke, Herr Felix und seine saubere Schwester sollen dem strafenden Arme der Gerechtigkeit nicht entgehen. Beide sind es gewesen, sie in Mannskleidern, die vor dem Hause hier die Frevel verübten. Er hat das Pistol abgefeuert. Ich erwarte nur noch Zugeständnisse eines sicheren Zeugen, der sich dazu bequemen wird, wie er muß, um vollständig im Klaren zu sein.
Der Assessor sah starr vor sich hin. Was, was! schrie Herr Zippelmann, seine Troddelmütze rund um den Kopf drehend. Der heillose Galgenstrick! das ist er auch gewesen? — Sie sollen Alles hören, sagte der Geheimrath, Sie sollen Genugthuung haben.
Jetzt, Guste, alleweil, liebste Guste, jetzt komm! rief Anton Mertens mit dem freudigsten Gesicht zu der kleinen Thür hinaus, die nach der Küche führt.
Bist Du schon so weit? antwortete die junge Frau, erwartungsvoll lachend, indem sie mit dem Kinde auf dem Arme seinem Rufe folgte.