Siehst, wie’s glänzt und flimmert? schrie Anton. Ein propres Christbäumchen mit zehn Lichten. Gieb ihn her, den kleinen Kerl, gieb ihn her, und nun schau Dir’s an, ob ich’s recht gemacht habe.
Er zog sie an der Hand fort, während er ihr das Bübchen abnahm. Sein Gesicht glänzte vor Freude; er warf sein Haar heftig zurück und tanzte rund um den Tisch vor Seligkeit, als das Kind jauchzend seine Händchen dem Lichtglanze entgegenstreckte.
Anton hatte in der That gethan, was er vermochte. Ein Tannenbaum mit Goldschaum und bunten Schleifen verziert stand mitten auf dem weißgedeckten Tische; Mandeln, Nüsse und Pfefferkuchenreiter und Könige hingen von allen Zweigen herunter, eine große Schüssel voll Aepfel und ein Kuchen obenauf war vor dem Baum aufgepflanzt, aber die eine Seite des Tisches gehörte vorzugsweise seiner Frau, die andere dem Kinde an; denn hier lagen Handschuh, ein Winterhut, ein großes Umschlagetuch und in einem geöffneten großen Papier ein schönes dunkelgrünes Wollenkleid; dort gab es ein paar kleine Schachteln mit Bäumen und Häusern, sammt Peitschen, Trompeten und Thieren allerlei Art.
Schau hin, liebste Guste, schau hin! rief Anton, das ist alles Dein, was Du da siehst! So faß’ es doch an, Frau; faß’ es an, ob es Dir gefällt.
Du bist ein Verschwender, Anton, erwiderte sie, während ihre Augen vor Vergnügen blitzten. Es ist zu viel, viel zu viel! und bei diesen Zeiten und in unserer Lage. Ach! ein neues Kleid, wohl gar ein Tibetkleid? Bist nicht gescheut, Anton! Gott! was sind die Männer leichtsinnig. Ich hätte es ja nicht nöthig gehabt, es wäre so auch gegangen.
Aber es war lange schon Dein Wunsch, liebste Guste, rief Anton, den Arm um sie schlingend.
Als ob man sich nicht Allerlei wünschen könnte, fiel sie roth vor Freude ein. Du bist ein Narr! ja gewiß, ich habe es immer gesagt, Du mußt Jemand neben Dir haben, der Dir aufpaßt, sonst machst Du dumme Streiche.
Ach, Guste! lachte er, sie an sich drückend, verstell’ Dich doch nicht. Sakerment! ich sehe Dir’s ja an, wie lieb es Dir ist. Es ist grün, dunkelgrün, wie Du es gern haben wolltest.
O, es ist wunderschön, lieber guter Anton! sagte sie mit hervorbrechender zärtlicher Dankbarkeit, und der schwarze Hut dazu und hier ein Umschlagetuch, ein weißes gewirktes. — Mein Gott! es ist ja Wolle, kein Faden Baumwolle, die reine Wolle und ganz groß mit Palmen. — Anton! Du bist um den Verstand gekommen, reinweg um den Verstand, und woher hast Du das Geld — das schwere Geld Anton?!
Alleweil sei nur stille, rief er herzlich lachend, mein Verstand sitzt noch fest da oben, nämlich so viel ich davon bekommen habe; aber den Tuch da hatte Herr Felix in seiner Manteltasche und als er heut fort ging, gab er es mir draußen, und sagte, ich sollte es Dir aufbauen heut Abend, und dann gab er mir noch ein kleines Papier, das käme von seiner Schwester, das sollte ich darauf legen. Ich wollt’s nicht nehmen, Guste, Sakerment! ich wollte absolut nicht; aber er sah mich mit seinen großen, guten Augen an und sagte: Hören Sie, Mertens, wenn ich mehr hätte, würde es mehr sein, aber weil’s eine Gabe ist von Freunden, die eben auch nicht zu den glücklich Situirten gehören, darum müssen Sie es nehmen als eine Liebesgabe, und wäre ich an Ihrer Stelle, ich würde mich nicht weigern. Weil er das sagte, habe ich es genommen, und in dem Papier war ein Friedrichsd’or eingewickelt. Da habe ich denn noch etwas zugelegt und das Kleid gekauft, denn ich wußte wohl, Du hättest es alleweil nimmermehr gethan, sondern hättest ihn auf die hohe Kante gestellt. Sollst aber absolut auch eine Freude haben in der Welt für alle Deine Qual und Sorge, liebe Guste.