Ach, Du guter Anton! Du guter Anton! rief Guste, so gerührt über seine Güte, daß die Thränen ihr in die Augen traten, und ich habe nichts für Dich, als da ein Seidentuch, das ich heimlich gesäumt habe, wie Du schliefst, und endlich noch die kleine Bürste hier, damit Du Deine Haare in Ordnung hältst und wie ein anständiger Mensch aussiehst. — Aber Unrecht ist es doch immer von Dir Anton, sehr Unrecht ist es.

Während sie ihre Schätze und Herrlichkeiten hervorbrachte, jubelte Anton beglückt mit dem Kinde umher, voll Dankbarkeit und Seligkeit.

Was bist Du gut zu mir, liebste Guste, rief er. Ach Sakerment! komm mir Einer und zucke die Achseln. Da hab’ ich meine Frau, die ist eine treue Seele, wie es so leicht keine giebt auf Erden. Da hab’ ich mein Kind, das ist ein so feines Bübchen, wie es mancher Graf oder Prinz nicht aufweisen kann, und gäbe alle sein Gold dafür, wenn er’s hätte. Laß es gehen, liebstes Gustel, laß es gehen, wie’s Gott gefällt, wir wollen schon fest auf den Beinen sein, wie der verdammte Professor sagt. Ich lief vorhin durch die Straßen nach dem Weihnachtsmarkt und kaufte ein für das liebe Kind, Stück für Stück einen ganzen Groschen. Der liebe alte Weihnachtsmarkt! Die feinen Herrschaften wollen nichts mehr von ihm wissen, die laufen in die glänzenden Läden mit himmelhohen Spiegelscheiben und Glassonnen; denn Seide, Sammet und Pelz passen nicht zu der Nässe und Kälte in den offenen Buden. Aber das Volk, das arme Volk, das hat den alten Weihnachtsmarkt lieb, wie einen kranken heruntergekommenen Freund, mit dem es seinen letzten Groschen theilt. Puh! was brannten da in den Straßen schon die Kronen und Christbäume und Pyramiden. Bei Geheimraths sah ich hinauf, da glänzte es herunter wie ein Palast; da werden die Tische brechen von Geschenken und doch möcht’ ich nicht dabei sein, Guste; und doch möcht’ ich nichts von denen geschenkt nehmen. Und was ich sagen wollte alleweil, liebste Guste: es frägt sich noch, wer glücklicher ist, die da drüben oder wir? Es frägt sich noch, ob ich mit ihnen tauschen möchte?!

Die junge Frau lachte laut auf, aber Anton schlug sich funkelnden Auges mit der Hand auf die Brust, und wenn in diesem Augenblicke ein König gekommen wäre und hätte ihm seine Krone aufsetzen wollen, er hätte sie ohne Besinnen abgerissen und aus dem kleinen Kellerfenster auf die Straße geworfen.

Aus seiner begeisterten Glücksstimmung wurde er erst von der Klingel im Laden aufgeweckt und mit einem raschen Umschwunge in die übelste Laune versetzt, als er auf den ersten Blick den Professor erkannte, der ganz bedächtig die Thür zumachte und seinen Mantel dann wieder malerisch über die Schulter warf.

Ich möchte ihn gar nicht herein lassen, rief er grimmig auf den Tisch schlagend mit unterdrückter Stimme.

Pst! Anton, flüsterte die Frau, denk an den Geheimrath, und wenn Du ein richtiger Mann bist, wirst Du Einsehen haben von wegen, weil wir eben nicht anders können.

Inzwischen hatte der Professor langsam den Raum durchschritten und stand mitten auf der Schwelle. Die warme Luft des Wohnzimmers beschlug die Gläser seiner Brille, welche er jedoch deswegen nicht abnahm, sondern blos auf die Spitze seiner Nase rückte, welche heut noch mehr wie sonst dunkel röthlich schimmerte. In dieser Stellung blieb Viereck einige Augenblicke. Dann aber wich der Ernst in seinem Gesichte dem freundlichen Grinsen, mit welchem er häufig abzuwechseln pflegte. Er nickte dem Ehepaare zu, grüßte mit einer Handbewegung und sagte lebhaft:

Das ist meine wahrhaft innige, herzliche Freude, eben jetzt hierher zu kommen, wo der Christbaum brennt, und den Jubel mit anzusehen, den ich vermehren will durch allerlei frohe Nachrichten. Es ist ein Freudentag, lieber Mertens, ein wahrer Glücks- und Wonnetag, ich hoffe, Sie werden zufrieden sein. Habe ich nicht Recht, sind Sie nicht zufrieden? Haha! Sie sind zufrieden. Ich sehe es Ihnen an, Sie sind sehr zufrieden.

Ja wohl, Herr, ich bin so recht aus dem Grunde zufrieden, erwiderte Anton. Da sehen Sie einmal, was die Guste mir aufgebaut hat, und hier ist mein Junge, der jauchzt und zappelt vor Lust.