Hier Felix, rief Clara, nimm den leeren Geldbeutel zum Christabend, aber an jeder Masche haften meine Zaubersprüche, die ihn bald mit Gold füllen werden. Und hier mein lieber theurer Vater, dies Kissen für Dich, um Dein müdes Haupt zu stärken, wenn das Leben und die Menschen es schwer gemacht haben. Jede Blume, mein geliebter Vater, soll Dir blühen; bei jeder habe ich für Dich gebetet. Bei jedem grünen Blatte habe ich innig gewünscht, daß es ein Oelblatt für Dich sein möge.

Herzer hielt die schöne, von kindlicher Liebe und Freude überglühte Tochter in seinen Armen, und drückte Küsse auf ihre Lippen, während er sie still betrachtete. Endlich wurden seine Augen naß, und seine Stimme zitterte, als er mit gewaltsamer Fassung sagte: Ich danke Dir, mein Clärchen! Gottes reichster Segen über Dich. Deines alten Vaters Segen soll mit Dir ziehen über Land und Meer, und wenn ich recht müde und sehnsuchtsvoll bin, will ich mein Haupt auf dies Kissen legen, vielleicht daß Du dann in meinen Träumen kommst und Deine lieben Hände mich so fest halten, wie jetzt, wo ich Dich noch habe, und mich wachend daran freuen kann.

Was denkst Du? Was meinst Du? fragte Clara, indem ihre Stimme langsam auszulöschen schien, und eine feurige Röthe ihr Gesicht bedeckte.

Mein Kind, erwiderte Herzer, und seine Sprache wurde stark und fest, ich habe kein Geschenk für Dich, und doch bringe ich Dir Alles, was ich zu geben habe. Du sollst Deinen Bruder begleiten — Du sollst mich verlassen, sagte er tief athmend.

O Gott! rief Clara erschüttert, indem sie den Kopf an ihres Vaters Herz drückte.

Das kannst Du nicht! das darfst Du nicht! fiel Felix seine Schwester umfassend ein. Es ist Winter, die Reise ist hart, und Du, Vater, Du kannst es nicht ertragen, Du kannst sie nicht entbehren.

Ruhig, junger Mensch! sagte Herzer sich gefaßt aufrichtend, ich will es so, denn es muß geschehen. Ja, es muß so sein! fuhr er fort und ein bitteres Gefühl schien sich ihm aufzudrängen, während seine scharfen großen Augen so durchdringend den Sohn betrachteten, daß dieser die seinen schweigend niederschlug. Glaubst Du denn, rief der alte Mann ihm zu, ich wüßte nicht, was ich thäte? Ach! ich weiß es nur allzu wohl. Ich weiß, was es mich kostet, ich weiß, was ich tragen muß — dennoch aber wirst Du reisen und Clara wird Dich begleiten.

In diesem Augenblick wurde mit Heftigkeit die Glocke an der Hausthür geläutet und von einem plötzlichen Schrecken ergriffen rief Herzer, indem er die Hand seines Sohnes zusammenpreßte: Sollte es zu spät sein! Bräche das Unglück doch über uns zusammen. Verbirg Dich! Flieh! oder nein — was es auch sein mag, es muß mich ja doch erreichen.

Erreichen, erwiderte Felix ruhig. Was soll Dich erreichen, Vater?

Wer ist es, wer? sagte der Fabrikant ohne darauf zu antworten, indem er Clara losließ und auf die Stimmen hörte, welche draußen laut wurden. Er that einige Schritte nach der Thür und blieb dann unentschlossen stehen, bis er plötzlich rasch öffnete und Anton Mertens anstarrte, der athemlos und erhitzt mit einer Dienerin redete, die ihm das Haus geöffnet hatte.