Ich weiß, erwiderte Herzer, ihm langsam zunickend, ich kenne diese Geschichte. Weiter, weiter!
An jenem Abend, wo Wilkau den glänzenden Ball gab, hatte ich sie erfahren, fuhr Felix fort. Ich wollte den Elenden aufsuchen, wollte in dem Ballsaale selbst Gericht halten über ihn; ich war in der wildesten Aufregung und war bewaffnet. Clara, in Schrecken vor meinen Vorsätzen, drang in mich, davon abzustehen; sie wollte mich nicht verlassen. Sie besaß männliche Kleider, er selbst hatte ihr diese früher verschafft, in Zeiten, wo seine Verlockungen den Reiz des Romantischen in einem Herzen voll Muth und Liebe zu erwecken wußten.
Schande! Schande! murmelte der Fabrikant mit erlöschender Stimme.
Wir irrten durch die nächtlichen Straßen, sagte Felix ruhiger, ich sah ihn aus dem Wagen steigen, und wollte ihm nach. Clara hielt mich fest und zog mich fort. Sie beschwor mich ruhig zu sein, und zeigte mir, welch Unglück ich über sie, über Dich und uns Alle bringen würde, wenn ich öffentlich machte, was bis jetzt ihr alleiniges Geheimniß war. Ich mußte es anerkennen und gelobte zu schweigen. Wir kehrten zurück und gingen nochmals bei Wilkau’s hellem Hause vorüber, als wir angehalten wurden und verhaftet werden sollten. Ich vertheidigte mich und riß endlich zum Schutz für mein bedrohtes Leben eine Pistole heraus, die sich entlud. Clara floh verwundet, ich entkam. Sie fand bei diesem wackeren Manne und seiner Frau Beistand, ihre Wunde war unbedeutend, unter ihrem Häubchen ließ sie sich leicht verstecken. Du hast nichts davon erfahren, Vater; Niemand hat es ahnen können.
Und jetzt, fiel Herzer die Worte angstvoll hervorstoßend ein, jetzt ist es entdeckt! — Gott! Gott! meine Tochter — verfolgt, angeklagt, entehrt!
Lieber Herr, rief Anton gerührt von seinem Schmerze, verlassen Sie sich darauf, kein Wort kommt über meine Lippen. Der Professor hat es auch gemerkt, fügte er eiliger hinzu. Ihr wollt nichts sagen, schrie er, als er von uns ging, aber sie sind dennoch verloren! Es ist aus mit ihnen, die Wechsel sind entdeckt!
Mit furchtbarer Gewalt hob der alte Mann seine Hände auf, und schlug sie über seine weißen Haare zusammen. Ein Stöhnen rang sich ihm aus der Brust; Clara stieß einen Schrei aus, indem sie auf ihn zu flog und beide Arme um ihn schlang. Die verzweiflungsvolle Energie im Gesicht ihres Bruders gab Antwort auf ihre flehenden Blicke.
Vertheidige Dich, sagte Clara mit schwankender Stimme, vertheidige Dich, mein geliebter Bruder! Verläumderische Gerüchte habe auch ich hören müssen. Es ist nicht wahr, es kann nicht sein. Nein, nein! rief sie mit großer Heftigkeit, der es mir sagte war ein Schelm, den ich verachte.
Wiederholen Sie noch einmal, Mertens, was Sie so eben sagten, erwiderte Felix.
Ich will es nicht hören, rief Herzer, ich weiß Alles und Du, fuhr er fort, indem er seinen Sohn kummervoll anblickte, Du mußt wissen, daß er Wahrheit sprach. Hast Du nicht an Gravenstein Wechsel gegeben? Hast Du nicht, — o! daß ich es sagen muß — hast Du nicht eine Fälschung begangen?