Herzer drückte ihm die Hand, aber er erwiderte kein Wort, Clara jedoch sah ihn so dankbar und gütig an, daß er ihnen langsam nachfolgte, und als er endlich beide in das Haus des Geheimraths treten sah, blieb er unten stehen und sah langsam hinauf zu den hell erleuchteten Fenstern, während seine Unruhe mit jeder Minute wuchs.

Der Glanz der Kron- und Armleuchter überstrahlte feenhaft die prächtige Wohnung, in welcher jedoch jetzt nur die Familie im engen Kreise beisammen war. Der große Saal war leer, eben waren die letzten der neunzig Kinder auserwählter Mitglieder des Vereins gegangen, denen hier der Weihnachten aufgebaut worden war. Der Bediente mit der rothen Nase hatte den großen Christbaum in das Familienzimmer getragen und neue Lichter aufgesteckt; jetzt räumte er im Saale mit einigen Mädchen die Tafeln ab und reinigte den Fußboden von Nußschalen, zerbröckelten Kuchen- und Apfelstücken.

Es ist doch eine Schande, was solch Volk für Schmutz macht, sagte er ärgerlich.

Und Keiner hat für Herrn Friedrich nicht einmal ein Zweigroschenstückchen nicht, lachte eines der Mädchen.

Zweigroschenstückchen, grinste Friedrich ingrimmig; als ob wir nicht Alles aus christlicher Liebe thäten.

Ach was, christliche Liebe! rief eine Andere. Das ist eine Marotte von den Herrschaften jetzunder, damit wollen sie sich was zeigen und wir haben die Arbeit davon. Die halbe Nacht habe ich Aepfel abwischen müssen, damit die ja recht blank aussähen, ehe sie die Bälger vertilgen.

Louise, sagte der Bediente mit der rothen Nase feierlich, Sie sprechen wie eine Gans über die großen Angelegenheiten der Menschheit. Wir haben das Alles überlegt und wissen, was wir uns dabei denken, wenn es auch einige Mühe macht.

Na, meinte Louise trotzig, der Herr Geheimrath hat vorhin selbst gesagt, den Skandal wolle er hier nicht wieder haben und die Geheimräthin wird sich im Stillen auch davor bedanken.

Das wird auf die Umstände ankommen, erwiderte Friedrich bedächtig, und gehört ins Gebiet der Pulletük, was wir im Verein erst näher überlegen müssen. Wenn wir bald Hochzeit haben und unser Schwiegersohn sich so macht, wie wir denken, so können wir freilich etwas anders auftreten.

Herr Je! das wird eine Hochzeit werden, rief Louise dazwischen. Was ist denn morgen los?