Der Professor hatte trotz jener Täuschung, die er in demselben Zimmer erlebte, seine freundschaftliche Stellung zu Fräulein Elisen nicht im Geringsten geändert. Kein einziges Merkmal der Empfindlichkeit oder der Verlegenheit konnte ihm vorgeworfen werden. Von seinem höheren Standpunkte aus empfand er nur für diejenigen Wesen ein gewisses Etwas, welche durch ein bewunderndes Anstaunen seiner geistigen Erhabenheit seine Aufmerksamkeit verdienten. Dabei war es ihm im Grunde einerlei, ob er von Elisen oder Gusten angebetet wurde; allein sobald er merkte, daß er sich geirrt habe, bedauerte er nicht sich, sondern die mißgeschaffenen, unglücklichen Geschöpfe, die es nicht weiter verdienten, daß er ihnen zürne oder ihnen eine Aufregung zeige, weil sie ihn nicht zu begreifen vermochten.

Wenn Alfred von der Gegenwart des Narren schon unangenehm berührt wurde, so ward er es noch weit mehr, als der Geheimrath die Herren Zippelmann und Stephani hereinführte. Der Assessor war höchst liebenswürdig, ungezwungen und lachlustig. Er scherzte mit Elisen über den Christbaum und die Geschenke, zog den Professor so vortrefflich auf, daß das Fräulein und Herr Zippelmann nicht aus dem Lachen kamen, und hänselte den alten Zippelmann so prächtig, daß der Professor nicht aufhörte, sich die Hände zu reiben, an seiner Halsbinde zu ziehen, und unter einigen unverständlichen Redensarten in der seligen Gewißheit umherzulaufen, daß er selbst diesen Zippelmann jetzt eben mit dem köstlichsten Witz tractire.

In dem Ecksalon wurden inzwischen die Thüren angelehnt, um Elisens Geschenke aufzustellen, und während Alfred, der stumm und halb abgewandt dem ganzen Possenspiel zuschaute, von der Geheimräthin zur Hülfe gerufen wurde, nahm Stephani seinen Platz ein und führte am Fenster ein langes, schnelles und leises Gespräch mit der erregten Braut, das bisweilen bis zum tonlosen Geflüster sank, und dann wieder von einem schlecht unterdrückten Lachen unterbrochen wurde.

Das haben Sie vortrefflich gemacht, sagte Stephani ihr endlich in’s Ohr. Es war das einfache und doch einzige Mittel, die Wechsel in unsere Hände zu bringen. Herr von Gravenstein muß entzückt sein, wenn er Ihre List erfährt.

Ich besorge, erwiderte Elise, daß er bei seiner eigenthümlichen Schwere in einige Verwirrung darüber gerathen wird.

Sie meinen, flüsterte der junge Herr lächelnd, er könnte es wagen, diesen schönen Beweis einer Hingebung ohne Gleichen mißzuverstehen, die mich zur Bewunderung fortreißt.

Ich muß wenigstens darauf gefaßt sein, erwiderte sie leichtfertig.

Dann, ja dann! sagte er, indem er sein Auge bedeutsam auf sie heftete.

Nun, dann? fragte sie.

Dann verdient er das Glück nicht, das die Götter nur zu oft wunderlich austheilen, war die Antwort. Das launenhafte Glück, welches schon die Griechen so fein und sinnig auszudrücken wußten, wenn sie Venus mit dem rohen, plumpen Vulkan vermählten.