Herr Assessor Stephani! rief Elise ein wenig lauter, drohend aber mit einem schalkhaften Blicke und einem reizenden Lächeln.

Er führte die schmale Hand an seine Lippen und fuhr dann leise fort. Ach! Vulkan war wenigstens ein höchst nachsichtiger Eheherr; wenn aber dieser, wie ich leider glauben muß, schuldbeladene Freier oder Freiherr von Gravenstein Ihnen mit Prätensionen entgegen treten wollte, so mag er sich hüten. Denn sind nicht in Ihrer Hand alle Mittel, um ihn erröthen und verstummen zu machen?

Ei gewiß! erwiderte sie lebhaft. Die Mittel besitze ich.

Und eigentlich verdient dieser klägliche Sünder Ihre Verzeihung nicht, sagte Stephani. Wie gütig sind Sie, wie sanft schlägt dies schöne Herz! Welche edle Selbstüberwindung gehört dazu, einem Bräutigam zu vergeben, für welchen eine so unbedeutende Erscheinung noch Anziehungskraft besitzen konnte.

Elisens Augen glänzten unwillig, ihr Gesicht röthete sich. Stephani hatte den rechten Ton getroffen. Ich weiß nicht, sagte sie, was Sie meinen können, aber, wie es scheint, bin ich schon bis zu Ihrem Bedauern herab gesunken.

Nein, bis zu meiner innigsten, aufrichtigsten, mein ganzes Herz erfüllenden Theilnahme, flüsterte er, ihre zitternde Hand leise drückend.

Jetzt öffnete die Geheimräthin die Thür des Ecksalons, aus welchem der große Christbaum leuchtete. Geschwind, Elise, rief sie mit frohem Tone, und Sie Alle, meine lieben Freunde, treten Sie ein, treten Sie Alle ein!

Wir wollen nicht die Herrlichkeiten des stattlichen Aufbaues beschreiben, aber es war für alle Theilnehmer etwas vorhanden. Der Professor ergötzte sich mit einem eleganten Lesepulte und sah ungemein feierlich und erhaben aus, indem er betheuerte, täglich seine Studien daran machen zu wollen. Obwohl schon jetzt wenige Mathematiker sich mit ihm zu messen vermöchten, würde nun unfehlbar keiner mehr, wenigstens unter bekannten Nationen, vorhanden sein, der den Vergleich aushalten könnte. Herr Zippelmann betrachtete seinerseits gerührt einen feinen Wollenshawl und bunte Morgenschuhe, die er mit einem innigen Lächeln streichelte und befühlte. Hehe! rief er, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, aber damit hält man die deutsche Einheit allenfalls aus. So ein Shawlchen drei Mal um den Hals geschlungen und die Füße warm und ein neuer Schlafrock — hehe, liebster Geheimrath, da lassen wir sie kommen, da warten wir sie geduldig ab bis an unser seliges Ende.

Der Assessor vertiefte sich inzwischen im Anblick eines von Perlen gestickten Notizbuches, in welches Elise einige widmende Zeilen geschrieben hatte, aber sie, die schöne Braut flog von Stuhl zu Stuhl, von Tisch zu Tisch, denn überall fand sie eine Fülle der reizendsten Gaben. Hier glänzende Stoffe, dort Putz und Schmuck. Verwandte und Freunde hatten die Gelegenheit benutzt, ihre Theilnahme durch eingesandte glückwünschende, beziehungsvolle Briefchen nebst Beilagen auszudrücken, und selbst Herr Zippelmann hatte ein billig auf einer Auktion gekauftes und neu aufgesottenes Armband, nach Gott weiß wie vielen Seufzern sich abgerungen. Jetzt aber faßte plötzlich der Professor in seine Tasche und überreichte Elisen ein Schachspiel, da er selbst sie früher in Schach unterrichtet hatte, und in einem dreieckig gefalteten äußerst wichtigen Briefe, den er vorlas und auf jede Anspielung mit hoch gezogenen Augenbrauen, den Finger an der Nase, vorbereitete, erklärte er die Bedeutung der Figuren und die Wichtigkeit und Macht der Königin, welche zum Schutz ihres Gemahls nach allen Richtungen schlage, Alles niederwerfe und besiege, was das Wohlsein ihres theuern Lebensgefährten bedrohe; dennoch aber wohl auf ihrer Hut sein müsse, damit man nicht auf verbotenen Wegen sie ertappe, wohl gar umringe und einsperre, wobei es vorkommen könne, daß sie an einem gemeinen Bauer ihre Freiheit verlöre.

Stephani lachte Beifall klatschend am lautesten über diese Auslegung, auch der Geheimrath stimmte ein. Herr Zippelmann umarmte den Professor und grinste ihn zärtlich an. Hehe! schrie er, ausgezeichnet! Das muß gedruckt werden, ausgezeichnet! Sie Spaßvogel Sie! die ganze deutsche Einheit haben Sie abgemalt. Die Könige sind nichts ohne die Bauern und die Königinnen verlieren ihre Freiheit an die gemeinen Unterthanen, wenn sie nicht pfiffig sind und sie bei Zeiten beseitigen. Professor, Sie müssen einen Orden bekommen. Hehe! Sie müssen einen Orden bekommen und in den Staatsrath gesetzt werden.