Ich bitte Sie, Zippelmann, kein Wort mehr! rief der Professor mit Entrüstung. Orden! hier habe ich meinen Orden — er setzte den Finger auf seine Brust. Staatsrath! hier ist mein Staat! Er schlug mit der Hand vor seine Stirn. Mehr brauche ich nicht, mehr braucht kein Mensch! Aber Sie verstehen mich nicht, Freund. Niemand versteht mich! wiederholte er mit einem schwermüthigen Kopfschütteln, denn Geister giebt’s, die einsam wandeln müssen! sagt Shakespeare.

Er wendete sich langsam um, denn eben stieß Elise einen lauten Schrei der Freude aus. — Auf einem Nebentischchen stand ein Kästchen, welches sie so eben geöffnet hatte und dessen Inhalt eine ungemein schöne Broche von künstlichster Arbeit in Gold und römischer Mosaik war.

O! Alfred, rief sie mit einem schmelzenden Liebesblicke, das ist Dein Geschenk. Ich weiß, es muß Dein Geschenk sein; denn ich erinnere mich, daß, als ich diesen reizenden Schmuck gesehen hatte, ich Dir davon erzählte.

Dennoch, erwiderte Gravenstein beharrlich, ist es nicht mein Geschenk.

Elise wandte sich von ihm ab, während er ihre Hände fest hielt und blickte Stephani an. — So müßten Sie es denn sein, sagte sie erregt, Sie waren gegenwärtig, als ich davon sprach.

Stephani antwortete mit einem vielsagenden Lächeln, Gravenstein aber hatte inzwischen einen ziemlich unscheinbaren Ring mit einem kleinen Brillant von seinem Finger gezogen. Theure Elise, sagte er, ich habe den bunten Tand verschmäht, den man gewöhnlich schenkt. Was ich besitze, wird auch Dein sein, was Du wünschest, wird Dir zu Gebote stehen. Trage diesen einfachen Ring als ein Zeichen des Bundes zwischen uns; er gehört zu dem Liebsten, was ich mein nenne. Meine Mutter gab ihn mir als ich von ihr ging in die Welt; wenn ich ihn an Deiner Hand sehe, wird er wie ein Magnet mich beherrschen, und wenn irgend eine dunkle Wolke sich zwischen uns drängen wollte, dann wird er die Sonne sein, die alle Nebel zu überwältigen vermag.

Elise war sichtlich überrascht, das hatte weder sie noch irgend Jemand vermuthet. Sie erwartete, reich und überreich beschenkt zu werden; alle ihre Freundinnen hatten im Voraus neugierig Glück gewünscht zu den auserwählten, kostbaren Gaben des reichen und verliebten Bräutigams, und jetzt hielt sie den werthlosen Ring in ihren Fingern, die Augen fest darauf geheftet, im Kampfe um ein geheucheltes Lächeln, das ihr empörter Stolz und ihre Eitelkeit nicht hervorzurufen vermochten. Sie hörte zu ihrer Seite ein Flüstern und konnte in Stephani’s Gesicht den Ausdruck des Hohns erkennen. Deutlich glaubte sie zu hören, wie er vor sich hin sagte: Immer die gute Selige, immer diese unvergeßliche Mutter, die als Schutzengel über dieser Ehe schweben und ihr als Vorbild voranleuchten wird.

Ich danke Dir für dies Geschenk, brachte sie endlich über die Lippen, es wird mir immer sehr werth und lieb sein. Aber der Ton war kalt, und ohne daß sie es vermochte, die Augen zu Alfred zu erheben, legte sie den Ring mit einer Hast, als würfe sie ihn von sich, auf den Tisch. Er rollte darüber hin, fiel und kollerte auf dem Boden weiter zu Alfreds Füßen, der sich schweigend bückte, um ihn aufzuheben.

Bei dem Falle des Ringes sah Elise ihren Verlobten an und sie erschrack vor seinem Blicke. In seinen Mienen war keine Spur von Zorn oder Aufregung, kein finsterer Zug, der sonst so leicht sein hartes Gesicht noch mehr verdüsterte; aber in seinen Augen brannte ein Schmerz, der sie bestürzt machte. Eine ahnungsvolle Frage lag darin, die wie erwachte Reue und erkannte Täuschung sie anleuchtete.

Laß mich suchen, Alfred, laß mich suchen, ich muß meine Unbesonnenheit büßen, rief sie in ihrer alten neckischen Weise, indem sie sich ebenfalls bückte und seine Hand ergriff, die wie Feuer brannte.