Gravenstein steckte den Ring wieder an seinen Finger und sagte so mild er konnte, aber mit Entschiedenheit: Ich habe ihn wieder, er ist zu mir zurückgekehrt und vor der Hand will ich ihn für Dich verwahren.
Der ganze Auftritt hatte etwas Peinliches. Niemand mischte sich ein. Der Geheimrath und seine Gemahlin lächelten bald, bald blickten sie ernsthafter und flüsterten sich zu. Herr Zippelmann machte alles nach und brummte dem Professor etwas ins Ohr von der Einheit Deutschlands, die ganz akkurat so sich die Ringe vor die Füße würfe, wobei er sich ungeheuer vergnügt die Hände rieb. Der Professor stand in würdevoller Starrheit, abgetrennt von Zeit und Raum und nur Stephani schien unbefangen wie immer zu sein und mit vollkommener Ruhe sich an den Ofen zu lehnen.
Ehe jedoch irgend eine Wendung Elisens erstauntes und erzürntes Gesicht erheitern konnte, öffnete der Bediente mit der rothen Nase die Thür und sagte in seiner weihnachtsfreudigsten Unterthänigkeit: Ein Herr wünscht den Herrn Baron zu sprechen. Seinen Namen will er nicht nennen, aber wie der Knecht Ruprecht sieht er aus, als hätte er unter seinem Mantel den ganzen Weihnachtsmarkt.
Herein mit ihm! rief der Geheimrath, der froh war, eine Unterbrechung zu finden. Das ist eine Ueberraschung von Ihnen, Alfred; jetzt kommt das Beste, Elise. Ich dachte es wohl, daß Du vollkommen Unrecht haben müßtest; daß noch irgend etwas im Hintergrunde wäre.
Mit süßem Erröthen und mit Blicken, die Freude und Verzeihung ausdrückten, wandte sich Elise zu dem stummen Freunde, allein schon im nächsten Augenblicke war ihr hoffendes Lächeln winterlich verwandelt. Denn was sie nie gemeint hatte, hier zu sehen, der Mensch, welcher ihr am widerwärtigsten war und dessen Anblick sie jetzt mit Angst und Abscheu erfüllte, Felix Herzer trat herein und sein Auge fiel zunächst auf sie, dann auf Gravenstein, dem er sich mit einem leichten Gruße näherte.
Das Erstaunen und Entsetzen der Gesellschaft, deren erster Freudenslaut, als er über die Schwelle trat, mitten im Tone erstarrte, der zurückprallende Professor und Herr Zippelmann, welcher, von jäher Furcht ergriffen, sich hinter den Assessor flüchtete, mochte eben so wohl die Ursache des spöttischen Zuckens sein, das um den Mund des gefährlichen Gastes schwebte, wie die verdüsterten Gesichter des geheimräthlichen Paares, das über die Frechheit dieses Eindringens alle Fassung verloren hatte.
Verzeihen Sie mein störendes Erscheinen an diesem Orte, sagte Felix umherblickend, ich glaube jedoch dazu berechtigt zu sein. Herr von Gravenstein, ich habe mit Ihnen wenige dringende Worte zu wechseln. Wollen Sie mir diese gestatten?
Alfred schien unschlüssig, er antwortete nicht. Elise hatte den Arm in seinen Arm gelegt und abgewendet von Felix ihm etwas zugeflüstert, was er mit einem finstern, fragenden Blicke auf den jungen Herzer beantwortete.
Nur wenige Minuten, fuhr dieser auf das offene Nebenzimmer deutend fort, schenken Sie mir Gehör. Es ist wichtig, so wohl für mich wie für Sie, daß Sie mich hören.
Nein! flüsterte Elise halb laut, sich gegen Alfred lehnend, Du darfst diesen Menschen nicht hören. Er hat Böses im Sinne. Gerüchte, die ich nicht wiederholen mag, sind verbreitet worden über Dich und ihn, die mich auf’s Aeußerste beunruhigt haben.