Was wünschen Sie, Herr Herzer, sagte Gravenstein hart und abstoßend. Sie wählen in der That die unpassendste Stunde, um mich aufzusuchen.
Es ist nicht meine Schuld, antwortete Felix gelassen, aber ich beharre darauf, Ihnen jetzt zwei oder drei Minuten lästig zu werden.
Wenn es so sein muß, rief Alfred, einen Schritt vortretend, warum nicht hier auf der Stelle? Ich habe keine Geheimnisse zu bemänteln. Reden Sie, mein Herr, was haben Sie mir mitzutheilen?
Sie wollen es, versetzte Felix, und indem er eine kleine rothe Mappe hervorzog, fügte er hinzu: Mein Vater glaubte Ihnen und uns noch heut, am Weihnachtsabende, die Freude machen zu müssen, die Kapitalschuld zu tilgen, welche Ihnen zukömmt. Hier ist Geld, Herr von Gravenstein. Nehmen Sie es mit unserem besten Danke. Die großen Scheine lassen sich leicht übersehen, ich wünsche durchaus weiter nichts.
Aber mein Herr, erwiderte Alfred erstaunt und unwillig, warum heut, warum hier? Ich bin nicht im Stande, mich mit einem Geschäft einzulassen.
Ich forderte nichts als die Annahme des Geldes, sagte Felix, das uns so große Sorgen gemacht hat, und — die Rückgabe des Unterpfandes.
O! diese Papiere — diese Papiere! fiel der junge Edelmann ein, dessen Stirn sich erhellte. — Ich begreife es. Sie wollen Sie am Weihnachtsabend zurück haben. Hier sind sie, doch lassen Sie alles Weitere bis morgen.
Er faßte rasch nach seinem Taschenbuche, öffnete es und blickte erstaunt in die leere Abtheilung. — Was ist das? rief er heftig aus, indem er die andern Fächer durchsuchte, und plötzlich schien er von einem Gedanken jäh ergriffen zu werden, den er eben so schnell wieder von sich warf. — Unbegreiflich! sagte er vor sich hin. Die Papiere sind fort.
Fort?! antwortete Felix. Ihr Ehrenwort, dem ich vollen Glauben schenkte, hat mir Bürgschaft geleistet.
Mein Ehrenwort! rief Gravenstein, dunkel erröthend, ja gewiß, mein Ehrenwort! Diese Papiere — es ist unmöglich!