Ruhig, mein theurer Alfred, ruhig! sagte der Geheimrath, seinen Arm fassend und den furchtbaren starren Blick auf sich lenkend, den Gravenstein jetzt auf Elisen heftete. Sind es diese Papiere? fuhr er fort, indem er die Wechsel aus seiner Tasche holte und sie zwischen seinen Fingern in die Höhe hielt. Sind es diese werthlosen Dinger mit betrügerisch nachgemachter Unterschrift, welche man Ihnen als Unterpfand übergab mit der pfiffigen Clausel: auf Ehrenwort sie keinem Menschen zu zeigen? Er brach in ein lautes Gelächter aus und schlug die Zettel auseinander. — Zweitausend Thaler in drei Monaten zahlbar — Johannes Zippelmann. — Und hier dasselbe und nochmals dasselbe. So reden Sie doch, Herr Zippelmann. Wollen Sie zahlen? Reden Sie doch, Herr Stephani. Wie nennt man ein Unternehmen dieser Art? Was sagen unsere Gesetze dazu?

Zahlen? lächelte Herr Zippelmann, mit einem scheuen und triumphirenden Blick auf Felix. Es schaudert einem bis ins Herz hinein, daß so viel Laster auf Erden ist. Hehe! Laster und Sünde, die seit dem Freiheits- und Einheitsschwindel zehnfach größer geworden sind; aber zahlen — keinen Groschen! Nicht um eine Welt — keinen Groschen!

Es ist Fälschung und Betrug hier jedenfalls anzunehmen, sagte Stephani.

Also Fälschung und Betrug! rief der Geheimrath, und davor hat unsere Besorgniß Sie zu bewahren gesucht, theurer Alfred. Es blieb uns nicht verborgen, welche Künste man anwendete, um Ihr edelmüthiges Herz zu bestricken, um Sie in Sirenennetze zu ziehen, die für Sie gewebt waren.

Netze! sagte Gravenstein erblassend und seine krampfhaft geballten Hände öffnend. Was verstehen Sie darunter, Herr Geheimrath?

Ein andermal davon, Alfred; gewiß, wir wollen ein andermal davon reden, erwiderte Wilkau fein lächelnd. Jetzt handelt es sich darum, mit diesem beabsichtigten Betrug zu Stande zu kommen.

Geben Sie mir diese Wechsel zurück, sprach Gravenstein, indem er gebieterisch die Hand ausstreckte.

Wenn Sie es wünschen, will ich es thun, antwortete der Geheimrath, ihm freundlich zunickend; aber bedenken Sie wohl, Alfred, um was es sich dabei handelt.

Um mein Ehrenwort! sagte der junge Baron rasch, und um eine Sache, die, wie ich denke, mich allein angeht. Ich habe von diesem Herrn, Felix Herzer, diese Papiere als ein Unterpfand angenommen, gleichviel ob sie Werth haben, ob nicht; gleichviel, ob ich wußte, sie seien eine Posse in Wechselform oder ein Scherz, den wir uns Beide machten. Ich wußte genau, was ich that, und weiß eben so genau, was ich jetzt thun muß.

Er faßte die Papiere zusammen und wandte sich zu Elisen, die in einem Lehnstuhle neben ihrer Mutter saß, welche sie zu beruhigen strebte.