Ich habe nur noch Eines zu fragen, sagte er. Wie sind diese Papiere aus meinem Taschenbuch gekommen? Rede, liebe Elise, rief er, die Hände nach ihr ausstreckend, ich weiß, Du wirst wahrhaft sein.
Mein Gott! erwiderte die Braut ungeduldig lächelnd, Du wirst mir doch hier das Examen schenken?
Dann sprich einfach zu mir: Ich weiß es nicht! forderte er bittend.
Nein, sagte sie lachend, wir wollen den Scherz allseitig nicht weiter treiben, Alfred. Du weißt, heut morgen die Tropfen, dabei wurde Dein Taschenbuch untersucht.
Du — also Du! murmelte er tiefathmend.
Man hatte mir gesagt, Alfred, daß sie Dich betrügen wollten — vielleicht sind wir Alle getäuscht worden, Alle betrogen — aber ich verheimliche es nicht, meiner Liebe und meinem Glücke sollten Gefahr drohen von einer ränkevollen Nebenbuhlerin, die alle ihre Künste anwendete, um Dich und mich zu verderben.
Und darum, fiel Felix ein, der bisher still auf derselben Stelle gestanden hatte, darum verübten Sie einen Diebstahl für die gute Sache.
Elise wandte sich glühend vor Zorn zu ihm um, aber diese Röthe erlosch augenblicklich, denn über Felix Schulter fort sah sie in Claras Gesicht, die in Begleitung ihres Vaters so eben hereintrat.
Unverschämt! rief der Geheimrath, indem er Herzer anblickte. Was führt Sie hierher? Welche Versammlung soll hier gehalten werden? — Mein lieber Alfred, ich behalte mir vor, Ihnen alle nöthige Aufklärung zu geben, aber in meinem Hause bin ich Herr, und wenn Personen, die nicht hierher gehören, sich eindrängen, so machen Sie ihnen begreiflich, daß dies nicht der Ort sei, wo ihre Gegenwart irgend eine Berechtigung haben könne. Keine Berechtigung? erwiderte der Fabrikant, der sein gebeugtes Haupt aufhob und mit sanfter aber fester Stimme hinzufügte: Keine Berechtigung hätten wir an diesem Orte zu erscheinen, wo meine Ehre, die Ehre meiner Kinder auf immer vernichtet werden soll? Wo wir nichts wollen, als unsern unerbittlichen Widersachern zurufen: Gedenkt des Tages und dieser Stunde. Gebt uns Frieden und laßt ab, Unrecht und Schmach auf uns zu häufen.
Der Geheimrath wandte sich mit einer verächtlichen Handbewegung von ihm ab zu Alfred. — Noch einmal, sagte er, machen wir dieser Scene ein Ende. Sie ist peinlich genug für mich, wie für uns Alle. Thun Sie, was Sie wollen; ich für mein Theil kann in dem, was geschehen ist, nur eine schändliche, ehrlose Handlung erkennen.