Also ist er nicht der beste Tänzer, fiel der Geheimrath mit amtlicher Entschiedenheit ein. Ich glaube es gern. Alfred scheint mir zu schwer und zu ernsthaft, es mag sich mancher flinker drehen, Assessor Stephani zum Beispiel, aber darauf kommt es nicht an. Gute Tänzer, liebe Elise, sind nicht immer gute Männer. Ein Mann aber, der ein bedeutendes Vermögen und ein paar Rittergüter besitzt, mag immerhin ein schlechter Tänzer sein. —

Man kann es sich wenigstens gefallen lassen, lachte das Fräulein. Du hast ganz Recht, Papa.

Der Geheimrath legte über den Tisch fort seine Hand auf Elisens Arm und sagte freundlich blickend: Du siehst heute angegriffen aus, gestern blühtest Du wie eine Rose. Alfred war entzückt, wie er Dich sah; er sprach von Deiner prächtigen Entwickelung mit dem Feuer, dem man anmerkt, woher es stammt. — Du bist ein Schmetterling Elise, es kann jedoch kaum anders sein. Das Hofmachen verdreht allen Mädchen die Köpfe, und Du machst keine Ausnahme von der Regel. Ich wundere mich auch nicht darüber, daß man Dir zu gefallen strebt. Du bist jung, hübsch, lebhaft und bist meine Tochter, aber eines möchte ich Dir empfehlen. Zeichne keinen Deiner Anbeter ferner aus, auch wenn sie noch so schön tanzen und schwatzen; behandle den jungen Herrn Stephani wie Du unsern würdigen Hauswirth, den alten Rentier Zippelmann behandelst, das heißt, jeden in seiner Weise, wenn Du meinst, es sei wohlgethan, an ein ernsthaftes Einlassen mit Alfred zu denken. Er ist stolz, reizbar und von strengen Grundsätzen. — Unseren Segen hast Du auf jeden Fall. Alfred von Gravenstein ist ein junger Mann, wie es wenige giebt. Alle anderen Vorzüge abgerechnet, ist er ein gediegener Charakter; durchaus konservativ in jeder Beziehung, sowohl in der Liebe, wie in der Politik. Vielleicht geht er darin fast zu weit, selbst bis zum Extrem, denn er hat mit Wort und Schrift und That gegen die Umstürzer gekämpft, und sich nicht gescheut, seinen Namen bei allen Bestrebungen voran zu stellen. Dafür findet er jetzt die gebührende Anerkennung und, wenn er will, eine glänzende Zukunft. Ich weiß, daß er in die Kammer gebracht werden soll, wo er eine Rolle spielen wird. Seine Partei hofft etwas von ihm, seine Verwandten können ihn durch ihren Einfluß unterstützen; er kann leicht einmal in’s Kabinet kommen.

Ich zeige Dir das alles nur, Elise, fuhr er fort, als er sah, daß das Fräulein einige stolz lächelnde und nachsinnende Blicke auf ihn richtete, weil Du Verstand und Takt hast. Mische Deine Karten, Ihr Weiber versteht das; ich sage nur das noch: Von allen den jungen Herren, die hier umherschweben, weiß ich keinen, der solche Zukunft hätte. Stephani ist ein ehrgeiziger Kopf, aber sein Vermögen ist unbedeutend. Die Uebrigen kommen nicht weiter in Betracht. Bedenke also wohl, was Du thust. Ich lege Deinem Herzen keinen Zwang an, wünschenswerth würde mir diese Partie aber gewiß sein. Sie brächte mich auch politisch Personen näher, die alberner Weise mir manches nicht vergessen können, was sie nicht besser gemacht haben.

Hier wurde das Gespräch durch den Bedienten unterbrochen, der den Polizei-Kommissarius des Bezirks meldete.

Was will denn der? fragte der Geheimrath verdrießlich. Die Polizei ist ein Institut, ohne welches kein civilisirter Staat bestehen kann. Es ist ganz richtig: je mehr Polizei, je mehr wahre Freiheit, denn um so besser werden Verbrecher gefaßt und gestraft; aber dennoch ist mir persönlich alles was Polizei heißt zuwider. — Doch was hilft’s, laß ihn herein kommen.

Nach einigen Minuten trat ein breitschultriger starkbärtiger Herr herein, den der Geheimrath mit herablassender Freundlichkeit empfing.

Ich bitte um Entschuldigung, sagte der Kommissar, aber ich halte es für meine Pflicht, Ihnen einen Besuch zu machen, Herr Geheimerath.

Es betrifft die nächtliche Ruhestörung vor Ihrem Hause, fuhr er fort, als der Geheimerath mit einer einladenden Handbewegung antwortete.

Die beiden Vagabonden oder Diebe, fiel die Geheimeräthin erfreut ein. Sie haben sie also gefangen?