Noch nicht, gnädige Frau, erwiederte der Beamte, aber auf keinen Fall werden sie uns entgehen. Der Eine ist durch mehrere Hiebe verwundet worden, der Andere wahrscheinlich auch. Wir werden uns die größte Mühe geben, diese Verbrecher in unsere Gewalt zu bekommen, denn die Frechheit, eine Pistole abzufeuern und mit dem Kolben Löcher in Gesichter und Köpfe der Polizeiwache zu schlagen, ist noch nicht dagewesen.
Ich wünsche sehr, daß es Ihnen gelingt, ein Beispiel zu geben, sagte der Geheimerath, was mich jedoch betrifft, so weiß ich von den beiden Dieben nichts, auch nicht, daß wir bestohlen wären.
Ich komme eben deßwegen, sprach der Kommissar höflich, um Ihnen die Mittheilung zu machen, daß allem Vermuthen nach auch kein Einbruch beabsichtigt wurde.
Nicht? fragte Wilkau. Und was denn?
Ein Mord! erwiderte der Beamte.
Himmlischer Vater! schrie die Geheimeräthin auf. Wer sollte ermordet werden?
Beruhigen Sie sich, gnädige Frau, beruhigen Sie sich, sprach der Kommissarius mit Selbstgefühl. Kein Haar soll Ihnen gekrümmt werden.
Darf ich um näheren Aufschluß bitten, was die mörderische Absicht der beiden Schelme beweist? fragte der Geheimerath.
Ich habe hier die Aussage des Mannes, der zuerst die Inculpaten bemerkte, beobachtete, festhielt und den Kampf mit ihnen begann. — Er zog einige Bogen Papier hervor und las:
„Gegen neun Uhr bemerkte ich zwei Männer, welche vor dem Hause auf und abgingen, und wohl eine Stunde lang trotz des bösen Wetters nicht vom Platze wichen. Es kamen immer noch Wagen, welche bei dem Geheimerath vorfuhren, und jedesmal sah ich, daß die Verdächtigen die Aussteigenden genau beobachteten. — Ich drängte mich in ihre Nähe, allein ich konnte von ihren Gesichtern wenig sehen, da sie die Kragen ihrer Ueberzieher bis über die Ohren hochgezogen hatten. — Ihr Flüstern aber und ihr ganzes Benehmen verstärkte meinen Verdacht. Endlich, es hatte eben zehn Uhr geschlagen, fuhr wieder ein Wagen vor, aus welchem ein großer schlanker Herr stieg, der schnell ins Haus ging.